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Nordische Ski-Weltmeisterschaft:

Thoma mit Silber zufrieden

Trondheim setzte Maßstäbe - Zwei deutsche Medaillen - Dopingfall

Trondheim (dpa) - Zwei Medaillen für Deutschland, die Dominanz von Jelena Välbe und Björn Dählie im Langlauf sowie Japans Aufschwung im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 1998 - das waren die Schlagzeilen der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft, die am Sonntag in Trondheim zu Ende ging. "Trondheim setzte Maßstäbe für künftige Titelkämpfe", lobte FIS-Präsident Marc Hodler die exzellente Organisation und die Fairness der mehr als 400.000 Zuschauer. Das Skifest in Norwegen wurde nur getrübt durch Ljubow Jegorowa - als Weltmeisterin über 5 km wurde die Russin wegen Dopingmißbrauchs disqualifiziert.

Mit Silber durch Dieter Thoma auf der Großschanze und Bronze für die Schwarzwälder Springer-Mannschaft mit Thoma (Hinterzarten), Martin Schmitt (Furtwangen), Hansjörg Jäkle (Schonach) und Christof Duffner (Schönwald) erreichte die rund 80.000 Mark teure Expedition des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) ihre Ziele. Der sechste Rang von Johann Mühlegg (Hirschau) über 30 km (Freistil), der siebte Platz von Anke Schulze (Willingen/Jagdstart) und Rang acht des Kombinierers Jens Deimel (Winterberg) waren weitere erstklassige Leistungen. Dazu sicherten alle Staffeln als jeweils Sechste dem DSV das Olympia- Startrecht.

Myllylä gewann Gold über 50 km

Den 15. und letzten Titel der WM holte am Sonntag im Ski-Marathon über 50 km der Finne Mika Myllylä. Im Dauerregen gewann er nach 2:16:37,5 Stunden vor den Norwegern Erne Jevne (2:17:32,4) und Björn Dählie (2:18:36,0). Jochen Behle und Uwe Bellmann aus Hirschau stiegen aus, Mühlegg wurde 23. Am Samstag war der Japaner Masahiko Harada Weltmeister auf der Großschanze vor Thoma und dem Schweizer Sylvain Freiholz geworden. Välbe holte über 30 km ihr fünftes Gold in Trondheim vor der viermaligen Zweiten Stefania Belmondo (Italien) und Marit Mikkelsplass (Norwegen).

"Sicher habe ich nach Gold geschielt. Doch mit zweimal Edelmetall bin ich sehr zufrieden. Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen, denn eine Einzel-Medaille war schon mein Ziel und der Druck riesig", sagte ein sichtlich glücklicher Dieter Thoma (Fotos). Zweiter "Held" des Springens war Martin Schmitt, nach dessen perfektem 127,5-m-Flug die Jury den Anlauf verkürzte. "Das habe ich im Prinzip eingesehen, doch als nur unwesentliche 60 Zentimeter nach unten gegangen wurde, fühlte ich mich schon verarscht", kritisierte der 19 Jahre alte Abiturient. Als 15. gelang ihm trotzdem das beste Resultat seiner Laufbahn. Auch Hansjörg Jäkle (22.) und Christof Duffner (25.) erreichten das Finale.

Klage bei deutschen Läuferinnen

Dagegen klagten die deutschen Läuferinnen im letzten Rennen über einen leeren Akku. Meisterin Anke Schulze gab erkältet nach 14 km auf. Die drei Thüringerinnen Manuela Henkel (Ernstthal/40.), Constanze Blum (Zella-Mehlis/42.) und Kati Wilhelm (Ernstthal/51.) konnten sich mit großen Zeitrückständen von mehr als neun Minuten nur im letzten Drittel placieren.

"Unsere Bilanz übertrifft die Erwartungen, auch weil sich junge Talente hier ordentlich geschlagen haben", zog DSV-Sportwart Detlef Braun ein positives Fazit der Titelkämpfe, bei denen es erstmals seit vielen Jahren keinen Eklat in der deutschen Mannschaft gab. Die Junioren Ramona Roth (Erndtebrück) im Langlauf sowie die Kombinierer Jens Gaiser (Mitteltal-Obertal), Georg Hettich (Rohrhardsberg) und Ronny Ackermann (Oberhof) bestanden den WM-Härtetest. "Wir haben in jedem Mannschaftsteil Sportler, die auch im Weltcup eine gute Rolle spielen. Die Weltspitze ist unser Maßstab und das WM-Abschneiden eine gute Basis in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Nagano, für die wir noch Reserven haben", sagte Braun.

Norwegischer Volksheld Dählie

Die Stars bei den von über 400.000 Zuschauern sowie dem immer anwesenden norwegischen König Harald im Gransaen-Skistadion verfolgten Wettkämpfen waren jedoch andere. Die 29 Jahre alte Russin Välbe gewann alle fünf Langlauf-Wettkämpfe, was vor ihr noch niemand gelang. Mit dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze stand ihr der norwegische Volksheld Björn Dählie nur wenig nach. Die beiden erfolgreichsten Langläufer aller Zeiten, die damit fast zwei Drittel aller 15 Entscheidungen beherrschten, kündigten in Trondheim an, ihre Laufbahn nach den Olympischen Spielen 1998 beenden zu wollen. Schon gibt es Bemühungen ihrer österreichischen Skifirma (Fischer), sie zumindest bis zur WM 1999 in Ramsau zum Weitermachen zu überreden.

Skandal: Jegorowa wegen Aufputschmittel disqualifiziert

Für einen Skandal sorgte Ljubow Jegorowa: Die sechsmalige Olympiasiegerin mußte nach ihrem Sieg über 5 km wegen der Einnahme des Aufputschmittels Bromantan disqualifiziert werden. Die russische Mannschafts-Leitung schickte die 30jährige sofort nach Hause. Zwar entschuldigte sich Jelena Välbe mehrmals öffentlich für ihre größte Rivalin im Team, trotzdem bleibt der Doping-Makel am Skilanglauf hängen. "Das ist nicht gut für unseren Sport. Daß wir Jegorowa erwischt haben, zeigt aber die Wirksamkeit unserer immer besseren Kontrollen", sagte der Norweger Odd Martinsen als Vorsitzender des FIS-Langlauf-Komitees.

Trondheim gilt nach dem WM-Fest als Vorbild künftiger Titelkämpfe. "Die Organisation war gut, die Wettbewerbe fanden unter idealen Bedingungen statt. Wir hatten viele Zuschauer und ein faires Publikum", bewerte Marc Hodler die WM positiv. Fotos: AP


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:12 von aj