Siehe auch:

  • Gateway will Amiga übernehmen
  • Neuer Supercomputer in den USA installiert
  • Immer mehr Deutsche klinken sich ins Internet ein

    USA gegen Zensur im Web

    Internet soll "Duty free"-Zone werden

    Bonn (dpa) - Der Handel im Computernetzwerk Internet soll nach dem Willen der US-Regierung weltweit nicht mit Zollabgaben oder zusätzlichen Steuern belegt werden. "Wir sollten das Internet zu einer 'Duty free'-Zone erklären", sagte der für Internetfragen zuständige Präsidentenberater, Ira Magaziner, am Dienstag auf der G- 7-Konferenz "Elektronischer Handel für den Mittelstand" in Bonn. Der Staat profitiere genug von der Besteuerung der Gewinne der Internet- Unternehmen, zusätzliche Abgaben schadeten der Entwicklung dieses neuen Wirtschaftszweiges nur.

    Der Präsidentenberater lehnte auch jegliche staatliche Zensurmaßnahmen im Internet ab. "Wenn der Staat Inhalte im Internet bewertet und zensiert, baut er nicht nur einen unnötigen bürokratischen Apparat auf, er handelt auch sehr gefährlich." Magaziner sprach sich hingegen für privat zu organisierende Bewertungssysteme aus, mit denen beispielsweise Eltern selbst bestimmen könnten, auf welche Inhalte ihre Kinder im Internet zugreifen können. Strafbare Handlungen wie die Verbreitung von Kinderpornographie könnten auch mit den bestehenden Strafbestimmungen verfolgt werden. "Dafür brauchen wir keine neuen Gesetze."

    Grundsatzpapiere aus Amerika, Europa und Japan

    Die von dem Präsidentenberater in Bonn vorgestellte Position der USA, in weiten Teilen auf eine Regulierung des Internets zu verzichten, soll in den kommenden Wochen als offizielles Papier der US-Regierung veröffentlicht und international zur Debatte gestellt werden. Washington zufolge sollten private Organisationen und Wirtschaftsunternehmen weitgehend die künftige Entwicklung des Internets bestimmen, beispielsweise die Definition der Standards für elektronische Zahlungssysteme. Die Europäische Union und Japan wollen ebenfalls Grundsatzpapiere veröffentlichen, um die internationale Diskussion voranzutreiben.

    Umstrittene Verschlüsselung

    Die US-Regierung besteht bislang darauf, den Export wirksamer Verschlüsselungstechniken auch nach Europa stark zu reglementieren. Verschlüsselungsverfahren werden beispielsweise für die Absicherung von Finanzgeschäften im Internet benötigt. "Diese Passage in unserem Papier ist auch innerhalb der USA sehr umstritten", räumte Magaziner ein. In diesem Punkt prallten die unterschiedlichen Interessen der Wirtschaft und den Strafverfolgungsbehörden aufeinander. Während sich die US-Wirtschaft unbegrenzte Möglichkeiten zum Export von Kryptografieprodukten wünscht, befürchten Polizei, Staatsanwaltschaften und Geheimdienste, daß Kriminelle und Terroristen diese Technik mißbrauchen könnten.

    Auf der Konferenz mit rund 500 Fachleuten aus Wirtschaft und Wissenschaft, Unternehmern und Politikern aus den führenden sieben Industriestaaten wird noch bis zum Mittwoch die Möglichkeiten des elektronischen Geschäftsverkehrs für den Mittelstand debattiert werden.


    Letzte Änderung: 09.04.1997 00:02 von aj