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Röthlisberger beschuldigt Bayern

Hoeneß dementiert, UEFA untersucht

Genf/München (dpa) - Die Affäre um den von dem Europäischen Fußball-Verband (UEFA) wegen "erwiesenen, versuchten Wettspielbetrugs" lebenslang gesperrten Schweizer FIFA- Schiedsrichter Kurt Röthlisberger hat nun auch den deutschen Rekordmeister Bayern München erreicht. Ein Sprecher der UEFA bestätigte am Freitag nachmittag der dpa, daß sie Vorwürfe im Zusammenhang mit dem FC Bayern untersuche.

Im Laufe der Berufungsverhandlung am Donnerstag, in der die lebenslange Sperre gegen Röthlisberger bestätigt wurde, hatte der Schweizer erwähnt, er habe "auch mit Manager Hoeneß vom FC Bayern München in einer ähnlichen Angelegenheit Kontakt aufgenommen". Der Manager habe sich aufgeschlossen gezeigt, der Präsident des FC Bayern habe die Zustimmung aber verweigert. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Beobachter weisen jedoch darauf hin, daß sich Röthlisberger auch in der Berufungsverhandlung am Donnerstag immer wieder in Widersprüche verwickelt habe.

Bayern-Sprecher Markus Hörwick bestätigte am Freitag der dpa, daß entsprechende Aussagen in der Anlage der Urteilsbegründung der Berufungsinstanz der UEFA vom Donnerstag festgehalten sind. Hoeneß wies in einer Presse-Erklärung alle Vorwürfe entschieden zurück: "Ich habe in meinem Leben noch nie ein Gespräch mit Herrn Röthlisberger geführt - weder telefonisch, noch persönlich." Die UEFA machte aber deutlich: "Wir werden die Aussagen, die gemacht wurden, darunter auch die Aussagen im Zusammenhang mit dem FC Bayern München überprüfen."

Urteil ist endgültig

"Nach ausgiebiger Beratung kam die Berufungsinstanz im Ergebnis zum gleichen Schluß wie die erste Instanz und befand Kurt Röthlisberger des Bestechungsversuchs schuldig", stellte die UEFA nach zehnstündiger Sitzung fest. Das Berufungs-Urteil des fünfköpfigen Gremiums unter Vorsitz des Deutschen Wilhelm Hennes ist endgültig. Die Akten werden an den Weltverband FIFA weitergeleitet.

Röthlisberger sprach von einem "Fehlurteil" und einem "Dschungel des UEFA-Filzes". Er hatte gedroht, er werde auspacken, wenn die UEFA die Sperre aufrecht erhalte. "Einige hohe Herren bei der UEFA" könnten dabei in Verlegenheit geraten. Röthlisberger: "Ich tische Sachen auf, die die Kandidatur von UEFA-Präsident Johansson als Havelange-Nachfolger gefährden." Der Brasilianer Joao Havelange tritt im kommenden Jahr als Präsident der FIFA ab.

Wer hat wen bestochen?

Die UEFA wirft Röthlisberger vor, beim Champions-League-Spiel zwischen Grasshoppers Zürich und AJ Auxerre am 30. Oktober 1996 einen Bestechungsversuch unternommen zu haben. Schiedsrichter bei dieser Partie war der Weißrusse Wadim Schuk, der von Röthlisberger hätte bestochen werden sollen. Gegen den als Zeugen geladenen Schuk wurden keine Sanktionen verhängt. Er soll erneut angehört werden. Röthlisberger soll Grasshoppers-Manager Erich Vogel in dessen Büro aufgesucht und die Frage gestellt haben, ob der Klub daran interessiert wäre, daß der Schiedsrichter des Spiels "zumindest nicht gegen den Grasshopper-Club" entscheiden würde. Als "finanzielle Entschädigung" war laut UEFA von 100.000 Franken die Rede.

Die Schweizer Boulevard-Zeitung "Blick" hatte zudem behauptet, Röthlisberger habe von "Blick" 100.000 Franken verlangt, um den Schiedsrichter für das WM-Qualifikationsspiel Schweiz - Norwegen am 10. November 1996 zu bestechen. Röthlisberger hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen und gleichzeitig das Blatt der versuchten Bestechung beschuldigt. Auch beim EM-Qualifikationsspiel zwischen der Türkei und der Schweiz im Dezember 1994 soll Bestechung im Spiel gewesen sein. Foto: Archiv


Letzte Änderung: 14.04.1997 00:02 von jp