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Borussia Dortmund - Schalke 04 1:0 (0:0)

Zorcs Tor folgten Schüsse gegen Hitzfeld

"Nichtaufstellung ist unakzeptabel" - Schalke verpatzt Generalprobe

Dortmund (sid) Dem spektakulären Siegtor von Michael Zorc folgten scharfe Schüsse gegen Trainer Ottmar Hitzfeld. "Die Nichtaufstellung ist für mich unakzeptabel. Der Treffer ist deshalb die größte Genugtuung, seit ich bei der Borussia spiele", machte 34 Jahre alte Kapitän seinem Frust Luft. Erst in der 75. Minute eingewechselt, erzielte der gebürtige Dortmunder, der seit 1978 in schwarz-gelb Fußball spielt, neun Minuten später mit einem fulminanten Volleyschuß das 1:0 (0:0) im traditionsreichen 50. Bundesliga-Derby gegen Schalke 04.

Zorc, nach dem Abpfiff um Sachlichkeit bemüht, empfand seine Degradierung auf die Bank trotz größter Personalnöte als schallende Ohrfeige, zumal Hitzfeld dem erst 18 Jahre alten A-Jugendlichen Christian Timm den Vorzug gab. "Das tut weh. Was in der Rückrunde gelaufen ist, kann ich ohnehin teilweise nicht nachvollziehen", ergänzte der Mittelfeldakteur, für den in der laufenden Saison 26 Bundesliga-Einsätze (sieben Tore) in der Statistik stehen - allerdings auch acht Ein- oder Auswechselungen.

BVB-Coach Hitzfeld, dem Zorc offenbar jegliche Begründung schuldig blieb (Zorc: "Dazu sage ich nichts"), lieferte diese jedoch nach: "Die Leistung in seinen letzten vier Spielen war nicht dementsprechend. Ich wollte Zeichen setzen und habe junge Spieler gebracht. Es ist nicht leicht, sich als Trainer dazu durchzuringen. Ein Reservespieler muß grantig sein. Michael ist explodiert."

Langweilige Begegnung

Den BVB-Fans unter den 55.000 Zuschauern im seit Wochen ausverkauften Westfalenstadion war der Name des Schützen am Ende egal. Das Tor in einer langweiligen Begegnung der beiden Europapokal-Finalisten wirkte wie Balsam auf die Wunden der letzten drei sieglosen Spiele und der vorzeitig verspielten Meisterschaft. "Ich will nicht sagen, daß der Sieg verdient war, aber wir haben halt gewonnen", flachste Torjäger Karlheinz Riedle und sieht sogar wieder eine Chance auf den zweiten Champions-League-Platz.

Routinier Riedle lobte die Vorstellung der Youngster Timm und Wladimir But (19), die sich in der Notelf (ohne zehn verletzte Spieler) für weitere Einsätze empfahlen. Hitzfeld: "Sie haben schon in Bielefeld für frischen Wind gesorgt." Dennoch ersehnt er sich für das Auswärtsspiel am Samstag in Karlsruhe die Rückkehr einiger Nationalspieler herbei. Der BVB-Coach rechnet mit Andreas Möller, Stefan Reuter, Matthias Sammer, Paulo Sousa und auch Ibrahim Tanko.

Thon: " Die Niederlage tut weh"

Sein Schalker Kontrahent Huub Stevens sprach derweil von einer glücklosen Generalprobe vor dem ersten Endspiel im Uefa-Cup am kommenden Mittwoch gegen Inter Mailand. "Wir stehen wieder einmal mit leeren Hönden da und müssen uns das Glück wieder neu erarbeiten", meinte der Niederländer nach dem achten Punktspiel ohne Sieg. Der erneut überragende Olaf Thon ergänzte: "Die Niederlage tut weh. Wir müssen über das Spiel sprechen und schnell wieder positiv nach vorne sehen."

Torhüter Jens Lehmann, der wesentliche Schützenhilfe zum Tor leistete ("Ich kann mich nicht erinnern, daß ich jemals so daneben gegriffen habe"), hatte schon das Fußballfest gegen Inter im Kopf, als er meinte: "Es ist gut, daß wir die Gelegenheit haben, die Niederlage in vier Tagen vergessen zu machen." Allerdings noch ohne Martin Max. Der Torjäger feierte nach vierwöchiger Verletzungspause zwar ein 14minütiges Comeback, doch fehlt es ihm nach Aussage von Stevens "noch an Fitness, um ihn von Beginn an spielen zu lassen". Max setzt offenbar auf das Rückspiel: "Denn, wenn man schon ins Finale kommt, will man auch den Pott in den Händen halten."
Günter Bork; Foto: AP



Letzte Änderung: 06.05.1997 00:02 von jp