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Massenaufgebot an Klingonen und Offizieren der Sternenflotte:

Treffen der "Star Trek"-Fans in Bonn

Bonn (AP) - Klingonen, überall Klingonen. Zu Dutzenden bevölkerten sie am Wochenende ein Bonner Kongreßhotel, in dem sich die deutschen Fans der "Star Trek"-Fernsehserien - im Deutschen als "Raumschiff Enterprise" bekannt - zur großen Versammlung trafen. Trotz der auffälligen außerirdischen Sternenkrieger mit ihrem martialischen Äußeren blieben die Humanoiden in der Uniform der Sternenflotte aber in der Mehrheit - und alle bejubelten Captain James T. Kirk, der ganz zivil als Schauspieler William Shatner Stargast der fünften "Federation Con" war.

Die mehr als 30 Jahre alte Fernsehserie, deren erste Staffel inzwischen als "Star Trek Classic" firmiert, hat mit ihren Nachfolgern "The Next Generation", "Deep Space Nine" und "Voyager" sowie mehreren Kinofilmen schon längst Kultstatus erreicht. Für den Außenstehenden kaum noch überschaubar, haben die Fans jedes Detail der verschiedenen Personen, Raumschiffe und Handlungsstränge im Kopf.

Während den unbedarften Zuschauer schon der Unterschied zwischen den Worten Warp (überlichtschneller Antrieb der Raumschiffe) und Worf (Klingonen-Offizier der "Enterprise") irritiert, können die wahren "Trekkies" jedes Detail unterscheiden. Schon bei der Computeranimation, die bei der Öffnungszeremonie eine Raumfähre die verschiedenen "Enterprise"-Ausführungen der jeweiligen Staffeln besuchen ließ, erhob sich bei jedem neuen Modell lautstarker Jubel.

"Das ist nicht nur Zukunft und irgendeine Vision", sondern ein Spiegelbild der heutigen Probleme auf der Erde, begründete eine 25jährige Vermessungstechnikerin aus Tübingen in der roten Offiziersuniform der Sternenflotte die Faszination, die von "Star Trek" auf die Fans ausgeht. "Im Grunde eine Welt in Frieden", in der aber die Probleme auf friedliche Weise gelöst würden. Als Zukunftsperspektive wäre ihm die Welt der "Enterprise" lieber, sagte auch ihr Freund, ein 30jähriger Vermessungstechniker in ebenfalls roter Sternenflotten-Offiziersjacke.

Wie die beiden Tübinger hatten sich auch die übrigen mehr als 2.500 Fans ihr Hobby an diesem Wochenende etwas kosten lassen. Allein der Eintritt zur "FedCon" betrug für die drei Tage 230 Mark. Und weitere Verlockungen waren in den Kongreßräumen aufgebaut - auf den zahlreichen Händlerständen gab es vom Energiedrink "Warp 4" bis zum kompletten Sternenkrieger-Outfit alles zu kaufen, was ein wahrer "Trekkie" braucht. Allein für die rote Jacke mit weißem Rolli darunter, die die "Enterprise"-Crew nur in den Kinofilmen, nicht aber in den Fernsehserien trägt, müssen die Fans 400 Mark auf den Tisch legen. Die fleischfarbenen Gummiohren von Mr. Spock wurden dagegen schon für unter 20 Mark angeboten. Spock-Imitatoren blieben auf dem Treffen allerdings eine kleine Minderheit.

"Sutunnel ouder Stau" - Was nie jemand zuvor gehört hat

Obwohl die wahren Fans auf alle Merkwürdigkeiten des Universums eingestellt sind und mit Dingen rechnen müssen, die nie ein Mensch zuvor gehört hat, gelang es Shatner doch, die "Trekkies" zu verblüffen. Der inzwischen über 65 Jahre alte Darsteller des ersten "Enterprise"-Captains Kirk trat unter frenetischem Jubel auf die Bühne und gab die Kostprobe einer Sprache aus fremder Galaxis zum besten. "Sutunnel ouder Stau", rief Shatner seinen Fans zu, "Sutunnel ouder Stau". Verblüffung im Hauptsaal, dem "Main Deck" des Treffens - bis Shatner zugab, er habe sich nur im Deutschen versucht: Die Plakate "Südtunnel oder Stau", die in Bonn für eine Verkehrsumgehung werben, seien ihm schließlich als allgegenwärtig aufgefallen.

Das Treffen aller deutschsprachigen "Star Trek"-Fans, seit 1994 in der Bundesrepublik als feste Einrichtung etabliert, ist nur der Höhepunkt des "Trekkie"-Jahres. In örtlichen und regionalen Vereinigungen treffen sich die Fans das ganze Jahr über - und die Serie, die mit dem Kuß zwischen Kirk und der schwarzen Offizierin Nyota Uhura nicht nur die Rassentrennung, sondern mit Navigator Pavel Chekov auf der Brücke auch den kalten Krieg ins Wanken brachte, hat auch im Osten Deutschlands treue Anhänger: Die Briefgemeinschaft "Trek Net", nach deren Ansicht "Star Trek-Fanatismus zumeist unheilbar ist" residiert im sächsischen Zwickau - wo Westfernsehen nicht zu empfangen war und die "Enterprise"-Abenteuer erst seit der Wende über die Bildschirme flimmern. Fotos: AP



Letzte Änderung: 12.05.1997 00:02 von aj