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Dieter Zlof:

Ein schillernder Verbrecher

München (dpa) - Groß, schlank und höflich trat Dieter Zlof im Gerichtssaal auf. Die Entführung des industriellen Sohns Richard Oetker stritt er ab. Seine Haftstrafe von 15 Jahren Haft saß er mit kühler Geduld voll ab. Geurteilt hatten die Richter aufgrund von Indizien, das Rekordlösegeld von 21 Millionen Mark tauchte nicht auf, und der Täter wurde für manchen zu einer geheimnisvollen Figur.



Erpresser Zlof im November 93 bei "Schreinemakers live" Archivbild: dpa
Der heute 54jährige, der eines der spektakulärsten Verbrechen des Nachkriegsdeutschland verübt hatte, lebt wie ein braver Bürger mit seiner langjährigen Ehefrau in einem kleinen Reihenhaus in München. Zwar gibt er sich souverän, fast stolz und ist doch mit seinem "perfekten Verbrechen" völlig gescheitert. Sein Opfer Richard Oetker, damals 25, ist für immer gezeichnet, von den Oetker-Millionen blieb Zlof allerhöchstens ein Bruchteil, wahrscheinlich aber überhaupt nichts.

Im Bann des Verbrechers

Offenbar unterliegt noch immer mancher Beobachter einem Bann - etwa Nicole Amelung, Autorin einer unveröffentlichten Zlof- Biographie. "Die Tat war noch genialer, als wir sie uns vorgestellt haben", meint sie. Die Anwaltsgattin behauptet, aus Gesprächen mit Zlof die ganze Wahrheit zu kennen. Demnach hatte er keine Komplizen und alles genau ausgetüftelt.

Zlof scheint bis heute nicht zu begreifen, was schiefging. 1979 war er überraschend vom Frühstückstisch weg verhaftet und nach einem Indizienprozeß verurteilt worden. In seiner Haftzeit zeigte er sich immer wieder als Querkopf, der sich "Bunker" einhandelte. Er wandte sich gegen die Haftbedingungen, 1990 kam es sogar zu einer Petition und einem Parlamentsausschuß im bayerischen Landtag über die Zustände im Gefängnis von Straubing. Dort verbüßte er die längste Zeit der Haft, bevor er wegen "Meuterei" verlegt wurde.

Die Richter haben Zlof bei seiner Verurteilung 1980 "eine rasche Auffassungsgabe", hohe Intelligenz und "ungewöhnliches Wissen". bescheinigt. Vielseitig ist er auf jeden Fall: Er hat Betriebswirtschaft studiert, war Tauchlehrer, Barmixer und Autohändler, tüftelte im Gefängnis Würfelspiele aus.

Lebt er von Arbeitslosenhilfe?

Mit seiner Ehefrau Christel, die über die gesamte Haftzeit auf ihn gewartet hat, hat er zwei erwachsene Söhne. Angeblich lebt er von 1.800 Mark Arbeitslosenhilfe.



Letzte Änderung: 29.05.1997 00:02 von jo