IVWPixel Zählpixel

. . . Fall "Lucona" geht zu Ende


Der Wiener Richter Hans-Christian Leiningen-Westerburg betrachtet am 23. Januar 1991 an Bord des Suchschiffes "Valiant Service" das "Suchfisch" genannte Gerät, mit dem im Indischen Ozean im Raum der Malediven nach der 1977 gesunkenen "Lucona" gesucht wurde.
Für Daimler und seinen Wiener Komplizen seien "nicht die sechs Toten, sondern die sechs Überlebenden das Unglück gewesen", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer. Der Kapitän und sein Steuermann hatten in Kiel ausgesagt.

Die Verteidigung hat auf eine Haftstrafe unter 14 Jahre plädiert. Nach Ansicht der Verteidiger würden die Beweise lediglich für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord ausreichen. In dem größten und aufwendigsten Verfahren der jüngeren Justizgeschichte Schleswig-Holstein waren mehr als 120 Zeugen und 17 Sachverständige gehört und 15.000 Dokumente verlesen worden. Die Prozeßbeteiligten waren für die Beweisaufnahme mehrmals ins Ausland gereist.

Proksch in Österreich zu lebenslanger Haft verurteilt

In Österreich gilt der Fall "Lucona" als eine der größten Kriminal- und Politaffären des Landes. Der 63jährige Udo Proksch war im März 1991 in Österreich wegen sechsfachen Mordes zu einer 20jährigen Haftstrafe, rund ein Jahr später in einer Berufungsverhandlung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. In der Begründung des Urteils hieß es damals unter anderem, daß "zeitweise das politische Leben des Landes erschüttert wurde". Im Zusammenhang mit der Affäre traten in Österreich der Nationalratspräsident Leopold Gratz und Innenminister Karl Blecha zurück. Proksch, der ehemalige Besitzer der berühmten Wiener Konditorei Demel, galt als schillernde Figur in Österreich mit zahlreichen Kontakten zu Politik und Wirtschaft.

Teilgeständnis

Ende der 80er Jahre hatte sich der in Mannheim gebürtige Daimler den deutschen Behörden gestellt. Der Bundesgerichtshof hatte im Mai 1989 per Beschluß die Zuständigkeit des Landgerichts Kiel festgelegt. Als Proksch im März 1991 verurteilt worden war, war Daimler am selben Tag festgenommen worden. Der Prozeß in Kiel begann am 15. Juli 1992. Mehr als vier Jahre hatte der Angeklagte geschwiegen. Erst Ende vergangenen Jahres hatte Daimler dann in einem Teilgeständnis eingeräumt, daß er auf Weisung von Proksch sämtliche Papiere über die Ladung der "Lucona" gefälscht hatte. Er beteuerte jedoch seine Unschuld am Tod der Besatzungsmitglieder.

Die Staatsanwaltschaft ist dagegen davon überzeugt, daß der 62jährige in das Geschäft seines Freundes nicht nur eingeweiht, sondern daran aktiv beteiligt war. Das Schiff war im Januar 1977 im italienischen Hafen Chioggia mit Teilen der angeblichen Uranfabrik beladen worden und sollte nach Hongkong fahren. Am 23. Januar versank die "Lucona" bei den Malediven nach einer Explosion. Nach Auffassung der Staatsanwälte befanden sich im vorderen Ladenraum zwischen 300 und 600 Kilogramm Sprengstoff, die möglicherweise per Zeituhr gezündet worden waren. Archivfoto: AP



Letzte Änderung: 11.06.1997 00:02 von aj