IVWPixel Zählpixel

Wie der Dino sauber wird

Verstaubte Dinosaurierknochen sind dem Gebäudereiniger ein Greuel

Frankfurt/Main (dpa) - Vorsichtig bewegen sich die Gebäudereiniger um die Dinosaurierknochen im Frankfurter Senckenberg- Museum herum. Mit Pinseln, Staubwedeln und feinen Tüchern nehmen sie sich auf ihren meterhohen Leitern Knochen für Knochen der mächtigen Urtiere vor. "Mein Alptraum ist, daß beim Putzen ein Wirbel oder ein Knöchelchen kaputtgeht", gesteht Klaus Sälzer, dessen Firma für die Reinigung der Saurier-Gebeine in dem naturkundlichen Museum zuständig ist. "Als wir den Auftrag bekamen, erkundigte ich mich sofort bei unserer Versicherung, ob die für eventuelle Schäden aufkommt", erinnert er sich.

Der angsteinflößende Tyrannosaurus rex und seine imposanten Artgenossen in der Museumshalle sind für den Gebäudereiniger eine berufliche Herausforderung: "Das ist eine heikle Geschichte, die eine ganz vorsichtige Vorgehensweise erfordert." Mit der Routine des Fensterputzens oder der Technik des Fassadenreinigens hat das behutsame Abstauben der Riesenechsen nichts zu tun.

Ginge es nach den Präparatoren im Naturkundemuseum, so dürfte überhaupt kein Staubwedel oder Tuch die Urtiere berühren. Der Haustechniker möchte aber die Millionen von Jahren alten Knochen nicht vollkommen zugestaubt den Besuchern präsentieren. "Die Saurier werden mit der Zeit ganz dreckig, und ab und zu klebt auch mal ein Kaugummi an einem Schwanzwirbel", erläutert Museumsmitarbeiter Michael Loderstädt, der die Reinigung überwacht. "Bauchweh bekomme ich aber, wenn der Diplodocus longus dran ist."

Sechs Stunden konzentrierte Arbeit pro Riesenechse

Das Skelett des über 20 Meter langen Pflanzenfressers scheint frei in der Luft zu schweben: Er wird nur von dünnen Drähten an der Decke gehalten. Ein sanfter Druck auf den letzten Schwanzwirbel, und der winzige Kopf fängt 20 Meter weiter an zu wackeln. Bei ihm wird die Putzerei zur Präzisionsarbeit. "Der Schwanz ist am schwierigsten, weil man da keinen Widerstand hat", sagt Sälzer. Rund sechs Stunden konzentrierter Arbeit benötigt die Putzkolonne, um eine der ausgestorbenen Riesenechsen abzustauben. Beim Diplodocus mit seinen vielen Originalteilen kann es auch etwas länger dauern, denn Schrubber oder Bürsten sind tabu. Die Originale dürfen noch nicht einmal mit Wasser in Berührung kommen.

Porentiefe Sauberkeit ist nicht gefragt

Porentiefe Sauberkeit ist deshalb nicht gefragt: "Auf Hochglanz dürfen die Knochen nicht poliert werden", sagt Loderstädt. Immerhin sind die versteinerten Gebeine zwischen 150 und 200 Millionen Jahre alt, da brauchen sie nicht taufrisch auszusehen. Das gilt auch für die Teile aus Kunststoff, die ihre Patina nach der Reinigung nicht verlieren sollen. "Im Grunde geht es ja nur um die Optik", erläutert Sälzer. "Beim Tyrannosaurus putzen wir die Zähne deshalb nur von außen, die Zahnzwischenräume können wir getrost ignorieren." Foto: dpa



Letzte Änderung: 12.06.1997 00:02 von aj