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... Weltrekord im Pfahlsitzen - Gegner schlief ein

Damit hatte der 24 Jahre alte Alaerds nach knapp 50 Tagen den im Heide-Park in Soltau ausgetragenen Wettbewerb gewonnen - samt Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde und Preisgeld von 22.000 Mark.

"Ich will versuchen, den Rekord noch etwas zu verbessern", ließ der unermüdliche Alaerds, der sich durchgehend siegessicher gezeigt hatte, verlauten. Der Pferdepfleger beim holländischen Militär wollte von Anfang an den Preis in sein Land zurückholen. In Holland war das Pfahlsitzen zum Volkssport geworden. 1952 hatte eine Sturmflut weite Flächen des Landes unter Wasser gesetzt. Menschen flüchteten auf Weidepfähle und warteten dort Stunden auf ihre Rettung. Traurig und enttäuscht über sich selbst habe dagegen Sporleder nachts auf die Entscheidung reagiert, sagte Heide-Park-Sprecher Klaus Müller.

Eine Frau - sieben Männer - acht Pfähle - fünfzig Grad

Am 1. Mai hatten Sporleder und Alaerds zusammen mit einer Frau und sieben Männern aus Norddeutschland, Rumänien und den Niederlanden die 2,50 Meter hohen Pfähle aus finnischer Kiefer erklommen, um den vor 16 Jahren von Bernd Freiberg aus Frankenbostel im Landkreis Rotenburg/Wümme aufgestellten Weltrekord von 504 Stunden Pfahlsitzen zu brechen. Trotz Hagel und Gewitter und Temperaturen zwischen minus vier und plus 50 Grad in der Sonne hielten drei von ihnen durch.

Nachdem der dritte im Bunde, Hermann Kümmerlehn aus Leer, aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mußte, veränderte sich schlagartig die Stimmung. Mit lauter Technomusik und unfreundlichen Sprüchen erschwerten sich die beiden verbliebenen gegenseitig das Dasein auf dem Pfahl. "Sporleder, der täglich Fan-Post erhielt, wurde sogar mit Sprechchören von hunderten von Menschen angefeuert", berichtet Müller. Doch nach der Entscheidung seien alle Zwistigkeiten vergessen gewesen.

Bergeweise Fanpost für den Laptop-Asketen

Keiner der beiden hat den Einsatz bereut. "Ich habe viel Zeit gehabt zu lernen, mit meinem Laptop umzugehen", sagt Holger Sporleder, der mit einem Trostpreis von 10.000 Mark am Samstag nach Wennigsen zurückkehrt. Hobbyphilosoph und -dichter Alaerds meinte, er könne bald seinen ersten Gedichtband herausgeben - neben ständigen sportlichen Übungen auf dem Pfahl habe er dort oben an die hundert Gedichte geschrieben. Von Karin Ridegh-Hamburg; Foto: AP



Letzte Änderung: 21.06.1997 00:02 von ar