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Gerd Wiltfang ist tot

Thedinghausen/Niedersachsen (dpa) - Die deutschen Reiter trauern und sind fassungslos. 13 Monate nach dem plötzlichen Tod Fritz Ligges' starb am frühen Dienstag morgen zu Hause in seinem niedersächsischen Heimatdorf Thedinghausen auch sein Teamgefährte aus dem olympischen Goldquartett von München, Gerd Wiltfang, an Herzversagen. Er wurde nur 51 Jahre alt. Wiltfang und Ligges gewannen vor 25 Jahren gemeinsam mit dem schon vor mehreren Jahren tödlich verunglückten Ex-Weltmeister Hartwig Steenken und Hans Günter Winkler olympisches Mannschaftsgold.

Seinen vielleicht größten Erfolg aber hat der Bauernsohn aus Niedersachsen, der einst von Alwin Schockemöhle entdeckt und im niedersächsischen "Reiter-Mekka" Mühlen in die Weltklasse geführt wurde, 1978 bei der Weltmeisterschaft in Aachen feiern dürfen, als er in der Soers mit dem dunkelbraunen westfälischen Wallach Roman den Titel vor dem Iren Eddie Macken und dem US-Amerikaner Michael Matz gewann. Gerd Wiltfang ritt 53mal in Nationen-Preisen für Deutschland - seinen ersten Nationen-Preis bestritt er bereits 1965 - und gewann bei Europameisterschaften zwei Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen im Einzel- und Mannschaftsklassement. Nur ein Olympiasieg im Einzelspringen war ihm nicht vergönnt. Als er sich in der Hochform seines Lebens befand, erlebte Moskau den Boykott der Olympischen Spiele: Gerd Wiltfang und Roman waren 1980 zu Zuschauen veruteilt.

Gerd Wiltfang, der bis zuletzt erfolgreich an Turnieren teilgenommen hat und immer wieder mit neuen jungen Pferden glänzte, galt - ähnlich vielleicht nur noch Franke Sloothaak - als Ausnahmetalent im Sattel, als Stilist par excellence. Kaum war er als 17jähriger bei einem Turnier im niedersächsischen Vechta von Alwin Schockemöhle entdeckt worden, fand der gelernte Bäcker den Weg in die deutsche Extraklasse. Mit 20 Jahren wurde er 1966 in Hannover bereits Deutscher Meister - vor den favorisierten Hans Günter Winkler und Hermann Schridde.

Mit immer wieder neuen Pferden erfolgreich

Ein Nobody stürmte in die Weltklasse, in der er sich über zwei Jahrzehnte lang hielt, sozusagen fast nebenbei auch dreimal Deutscher Meister wurde und mit immer wieder neuen Pferden vor allem dann triumphierte, wenn es ums ganz große Geld ging. Ferdl, Ferrara, Athlet, Domjunge, Goldika, Askan, Dorian Grey, Galipolis und vor allem Roman, um nur die bekanntesten und erfolgreichsten zu nennen, verhalfen ihm zu vielen Siegen - und auch zu vielen Geldpreisen.

Angefangen aber hatte alles einst - Weihnachten 1951 - mit einem vom Vater, einem tüchtigen Bäckermeister in der kleinen Gemeinde Stuhr bei Bremen, geschenkten Pony. Gerd Wiltfang, fünf Jahre alt, schwang sich in den Sattel, galoppierte begeisterte und schnurstracks in die Backstube und landete zwischen frischem Teig und Brötchen. So begann einst die reiterliche Laufbahn eines Mannes, der 25 Jahre lang in der ersten Reihe ritt und sich später auch als Pferdezüchter und Pferdehändler weit über die Grenzen Deutschlands bewährte. Foto: dpa



Letzte Änderung: 02.07.1997 00:02 von jp