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Kometen-Entdecker Shoemaker in Australien tödlich verunglückt

Trauriges Ende eines Forschungsurlaubs

Sydney/Washington (dpa) - Der amerikanische Astronom und weltbekannte Kometen-Entdecker Eugene Shoemaker ist bei einem Verkehrsunfall in Australien getötet worden. Der 69jährige Forscher starb am Freitag bei einem Frontalzusammenstoß 500 Kilometer nordwestlich von Alice Springs in Zentralaustralien. Shoemakers Frau und Kollegin Carolyn (68) erlitt nach Angaben der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA vom Samstag Knochenbrüche und lag in einem Krankenhaus in Alice Springs. Sie ist nach Angaben der örtlichen Polizei außer Lebensgefahr. Die vier Insassen des anderen Wagens zogen sich nur leichte Verletzungen zu.

Das Astronomenpaar kam im Juli 1994 zu Weltruhm, als der von ihnen im März 1993 gemeinsam mit dem Amateur David Levy entdeckte Komet Shoemaker-Levy 9 in den Jupiter raste. Der Schweifstern war zuvor in 20 Teile zerbrochen, die zwischen dem 16. und 22. Juli 1994 über der südlichen Hemisphäre des Planeten einschlugen.

Dank der Beobachtungen der Shoemakers war es zum ersten Mal in der Geschichte der Astronomie möglich, den Zusammenstoß zweier Körper im Planetensystem schon 15 Monate vorher vorauszusagen. Der Einschlag des Kometen löste auch das Rätsel um Kraterketten auf zwei Jupiter-Monden und auf dem Erdenmond. Sie erwiesen sich ebenfalls als Einschlagstellen früherer Schweifsterne.

"Er war einfach schön."

Hätte auch nur ein Brocken des Kometen die Erde heimgesucht, hätte er nach Ansicht Eugene Shoemakers mit einem plötzlichen Wintereinbruch den Großteil der Ernten weltweit zerstört. "Es wäre eine globale Katastrophe geworden", stellte der Experte später fest. Seine Frau Carolyn meinte: "Es war ein trauriger Moment für uns, als wir den Kometen verloren. Er war einfach schön." In Anspielung an die Trümmer, die wie an einer 270 000 Kilometer langen Kette aufgereiht waren, hatte Shoemaker seine Frau nach dem Ende ihres Kometen mit einer Perlenkette getröstet. Die Forscherin gilt mit der Entdeckung von 300 Asteroiden und etwa 30 Kometen als einer der erfolgreichsten Astronomen auf diesem Gebiet.

Das Ehepaar Shoemaker (Foto) befand sich seit zwei Wochen auf einer kombinierten Urlaubs- und Forschungsreise in Australien. Die beiden, die seit 1951 verheiratet waren, wollten wie in jedem Jahr Meteoritkrater in Zentralaustralien untersuchen. Der mehrfach preisgekrönte Eugene Shoemaker, seit 1980 ein Mitglied der US-Akademie der Wissenschaften und lange Zeit Forscher am California Institute of Technology, war auch an den Apollo-Missionen zum Mond und am Voyager-Programm der NASA beteiligt.

NASA würdigt den langjährigen Mitarbeiter

NASA-Chef Daniel S. Goldin würdigte den Forscher als "einen der angesehensten Planetenforscher der Welt und ein wertvolles Mitglied das Nasa-Familie seit den ersten Tagen der Mondforschung". Laut NASA-Chef Goldin arbeitete er auch an der Mission der Mondsonde "Clementine" mit und war wissenschaftlicher Leiter der geplanten zweiten "Clementine"-Mission. Als früher Anhänger der Theorie, daß der Einschlag eines Asteroiden oder Kometen vor 65 Millionen zum Aussterben der Dinosaurier führte, habe Shoemaker für die NASA 1981 sowie 1994 auch erkundet, wie erdnahe Objekte am besten beobachtet werden könnten. Fotos: dpa, Reuters

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Letzte Änderung: 21.07.1997 00:02 von jo