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Leserbrief

Top-Stars der Leichtathletik im Porträt

Donovan Bailey: Schnellster Mann der Welt will Titel verteidigen
Hamburg (dpa) - Seit dem WM-Gewinn vor zwei Jahren beherrscht Donovan Bailey die Sprintszene. Der schnellste Mann der Welt ist der Top-Favorit in Athen, auch wenn er in dieser Saison schon einige Niederlagen einstecken mußte. Der 29jährige Kanadier, der in Jamaika geboren wurde und seine Heimat mit zwölf Jahren verließ, zeigte spätestens im Vorjahr bei seinem Olympiasieg in Weltrekordzeit von 9,84 Sekunden, daß er bei den internationalen Höhepunkten auf den Punkt topfit ist. Dabei fand Bailey erst 1991 zur Leichtathletik, denn auf dem College spielte er vorwiegend Basketball. Zudem betrieb er sein Marketing-Studium sehr ernsthaft. Bailey schaffte vor seiner Sport-Karriere den erfolgreichen Einstieg ins Geschäftsleben und leitet heute gemeinsam mit seinen vier Brüdern eine Baufirma.

Sergej Bubka: Griff nach dem sechsten Titel
Hamburg (dpa) - Fortsetzung oder Ende der Ära von Sergej Bubka? Der "Herr der Lüfte" aus der Ukraine hat bisher bei allen fünf Titelkämpfen den Stabhochsprung gewonnen und greift nach seinem sechsten WM-Sieg. Als 19jähriger Nobody eröffnete er 1983 in Helsinki die Bubka-Zeit, in der er geschäftstüchtig 35 Weltrekorde immer scheibchenweise um einen Zentimeter aufgestellt und 41 Wettkämpfe mit Höhen über sechs Metern abgeschlossen hat. Diesmal ist für Bubka, der mit seiner Familie in Monte Carlo lebt, jedoch alles anders: Nachdem er in Atlanta wegen Achillessehnenproblemen auf einen Olympia-Start verzichten und über zehn Monate paussieren mußte, läuft er seiner Form hinterher. "Ich habe hart trainiert", hofft der Olympiasieger von 1988 auf neue Höhenflüge.

Gail Devers: Sprint-Diva will erneut ihre "Krallen" zeigen
Hamburg (dpa) - Ihre Fingernägel sind seit drei Jahren nicht geschnitten, so lang wie ihre Erfolgsliste und mittlerweile längst zum Markenzeichen geworden. Gail Devers gilt aufgrund ihres Äußeren als Sprint-Diva und wird diesem Anspruch mit gut inszenierten Auftritten auch immer wieder gerecht. Die 1,62 m kleine Sprinterin aus den USA gehört nach vier Olympiasiegen (100 m/Staffel) und drei WM-Titeln (100/100 m Hürden) zu den ganz Großen und will in Athen trotz ihres fortgeschrittenen Alters von 30 Jahren erneut ihre "Krallen" zeigen. Allerdings verpaßte die Jahresschnellste über 100 m (10,89) verletzungsbedingt die Qualifikation für den Sprint und ist als Titelverteidigerin per Wildcard lediglich über 100 m Hürden startberechtigt, wo sie in Atlanta nur Olympia-Vierte wurde.

Haile Gebrselassie: Perfekte Rekordmaschine
Hamburg (dpa) - Wunderläufer Haile Gebrselassie hat mit 24 Jahren schon alles erreicht und gilt bei einem Start in Athen als Top- Favorit. Der Olympiasieger und zweifache Weltmeister über 10.000 m ist mit seinen Weltrekorden über 5.000 (12:44,39 Minuten) und 10.000 m (26:31,32) in neue Dimensionen vorgeprescht. Obwohl die Tempo-Hasen bei seinem jüngsten Rekordlauf Anfang Juli in Oslo schon nach 4,5 km zerschlissen waren, setzte er seine angekündigten Rekordpläne über 25 Stadionrunden kraftvoll und locker im Alleingang wie eine Maschine in die Tat um. Gebrselassie fürchtet die harte Mondo-Bahn in Athen: Sie entspricht der von Atlanta, wo sich der 1,64 m große Äthiopier blutige Füße lief. Um das zu verhindern, wurden jetzt Spezialschuhe angefertigt.

Hicham El Guerrouj: Zur Not mit leerem Magen auf Rekordjagd
Hamburg (dpa) - Beim 1.500-m-Endlauf in Atlanta war Hicham El Guerrouj nach einer Rangelei gestürzt und hatte seinen algerischen Erzrivalen Noureddine Morceli dafür verantwortlich gemacht: "Er hat mich rausgeschmissen." Marokkos König Hassan II persönlich tröstete damals am Telefon das Ausdauertalent. In Athen soll die Wachablösung endgültig vollzogen werden: Der Hallen-Weltmeister will den Olympiasieger und Weltrekordler entthronen. Die Empfehlung des 23jährigen El Guerrouj: seine Jahresweltbestzeit von Stockholm (3:29,31 Minuten). Beim Hallen-Meeting im Februar in Stuttgart brachte er das Kunststück fertig, inmitten des islamischen Fastenmonats Ramadan einen Hallen-Weltrekord aufzustellen. Nicht einmal ein Knäckebrot hatte er an diesem Tag verzehrt.

Michael Johnson: Wieder schnell wie einst im Go-Kart?
Hamburg (dpa) - Wenn Michael Johnson Gas gibt, kommt keiner mit. "Als ich ein kleiner Junge war, bin ich oft Go-Kart gefahren und die Abhänge herunter gesaust. Das war ein ähnliches Gefühl wie heute." So beschrieb der 29jährige Texaner das Gefühl bei seinem Weltrekord über 200 m (19,32 Sekunden) in Atlanta. Dabei läuft der Doppel- Olympiasieger, als ob er einen Besenstil verschluckt hätte. 1997 vollbrachte Johnson, der mit einem Sportartikelhersteller einen mit zwölf Millionen Dollar dotierten Sechsjahresvertrag hat, noch keine Großtaten. Beim 150-m-Duell in Toronto gegen 100-m-Olympiasieger Donovan Bailey zog er sich ein Zerrung zu. Daß Johnson überhaupt starten darf, hat er dem Weltverbandschef Primo Nebiolo zu verdanken. Der kämpfte erfolgreich um Wildcards für die Titelverteidiger.

Wilson Kipketer: Der verhinderte Olympiasieger ist Topfavorit
Hamburg (dpa) - Dänemarks erfolgreichster Leichtathlet kommt aus - Kenia. Wilson Kipketer, WM-Titelverteidiger über 800 m, lebt seit 1990 in Kopenhagen. Da das skandinavische Land Ausländer erst einbürgert, wenn sie sieben Jahre dort gewohnt haben, durfte Kipketer nicht bei den Olympischen Spielen 1996 starten. Welche Tragik: Nach Atlanta rannte der 26jährige bei den Meetings alle Gegner in Grund und Boden. Bei der Hallen-WM in Paris stellte er im Vorlauf einen Weltrekord auf, um ihn im Finale noch einmal zu verbessern. Und beim Sportfest Anfang Juli in Stockholm egalisierte Kipketer den 16 Jahre alten Freiluft-Weltrekord des legendären Briten Sebastian Coe (1:41,73 Minuten). "Das war der beste Tag meiner Laufbahn, aber es geht noch besser", versprach der dänische Kenianer.

Moses Kiptanui: Der Erfolg bleibt in der Familie
Hamburg (dpa) - Moses Kiptanui ist in Kenia längst mehr als ein Ausdauerwunder: Der dreifache Weltmeister über 3.000 m Hindernis kümmert sich um eine Gruppe von 40 Langstreckenläufer - darunter sein potientieller Nachfolger Daniel Komen. "Ich glaube, Gott sagte, du bist ein besserer Mann, wenn du einer Person hilfst", erklärt der gläubige Christ. Auch der Schwabe Dieter Baumann, Olympiasieger von 1992, schloß sich bei seinem Höhentrainingslager im Winter Kiptanui an. Als der 26jährige in Atlanta durch eine Infektion geschwächt "nur" Zweiter wurde, holte sein Schützling Joseph Keter Gold. Die Erfolge bleiben in der Familie: Kiptanuis Cousin Richard Chelimo wurde 1992 Olympia-Zweiter, dessen jüngeren Bruder Ismail Kirui gewann 1993 und 1995 die WM-Titel über 5.000 m.

Daniel Komen: Rekordverdiener ist "heiß" auf Gold
Hamburg (dpa) - Einen Titel bei den "Großen" hat Daniel Komen zwar noch nicht gewonnen, trotzdem gehört der 21jährige Kenianer bereits zur Elite auf den Langstrecken. Der Weltrekordler über 3 000 m (7:20,67) verpaßte im Vorjahr das Olympia-Ticket, revanchierte sich dann aber auf sehr gewinnbringende Weise: Er erlief sich beim Grand Prix-Finale 375.000 Mark und führte damit die Geldrangliste 1996 an. Komen gehört zur kleinen Volksgruppe der Keiyo und kam wie eigentlich jeder Kenianer zur Leichtathletik: Seit seinem achten Lebensjahr lief der zweitjüngste Sproß einer 15köpfigen Familie den vier Kilometer langen Schulweg zweimal täglich hin und zurück. 1992 startete er seine Karriere und sorgte mit einem Doppelsieg bei der Junioren-WM 1994 erstmals für Aufsehen. Nun will er den WM-Titel über 5.000 m.

Swetlana Masterkowa: Karten noch nicht aufgedeckt
Hamburg (dpa) - Die 29jährige Russin Swetlana Masterkowa war im Vorjahr wie Phönix aus der Asche aufgestiegen. Nach dreijähriger Wettkampfpause und der Geburt ihrer Tochter Anastasja wurde sie mit zwei Olympiasiegen zur Mittelstrecken-Königin von Atlanta. Danach rubelte sie diesen Doppelerfolg mit Weltrekordläufen in klinge Münze um. In Zürich steigerte sie den Meilen-Weltrekord gleich um über drei Sekunden auf 4:12,56 Minuten. Neun Tage später waren in Brüssel die 1.000 m (2:28,98) an der Reihe. In diesem Jahr hat Swetlana Masterkowa die Karten noch nicht aufgedeckt. Sie ist mit dem Radprofi Asiat Saitow verheiratet, der jahrelang für das spanische Kelme-Team fuhr. Die Familie besitzt ein Häuschen an der Costa Blanca, wo die Olympiasiegerin zumeist lebt und trainiert.

Ana Fidelia Quirot: Eiserner Wille nach schwerem Unfall
Hamburg (dpa) - Eiserner Willen zeichnet Ana Fidelia Quirot aus. Die 34 Jahre alte Titelverteidigerin über 800 m hatte sich im Januar 1993 bei einer Gasexplosion in ihrer Wohnung schwerste Verbrennungen zugezogen. 38 Prozent ihrer Haut waren betroffen, die dramatische Rettungsaktion in einem Krankenhaus in Havanna dauerte 111 Tage und machte eine Vielzahl von Operationen notwendig. Als Folge des Unfalls hatte die damals schwangere Ana Fidelia Quirot eine Frühgeburt, die Tochter verstarb nach nur zehn Tagen. Die Kubanerin kämpfte sich mit unbändiger Energie zurück in die Weltelite. Der WM-Sieg 1995 in Göteborg ("Der schönste Lauf meines Lebens") war die Krönung. Nach Olympia-Silber in Atlanta meldete sie in Stuttgart mit der Jahresweltbestzeit von 1:55,78 Minuten ihre Titelansprüche an.

Jan Zelezny: 100 Meter im Visier
Hamburg (dpa) - Der Tscheche Jan Zelezny hat den "Urknall im Armzug", hat Bernd Bierwisch, Trainer des deutschen Rekordhalters Raymond Hecht, erkannt. Die international bedeutsame 90-m-Marke ist für den zweimaligen Olympiasieger und Weltmeister keine Hürde mehr. Der 1,86 m große und 31 Jahre alte Zelezny hat nach seinem Weltrekord (98,48 m) im Vorjahr in Jena andere Ziele: Er will als erster die 100-m-Marke mit dem veränderten Speer überbieten, bei dem die Flugeigenschaften durch Verlagerung des Schwerpunktes verschlechtert wurden. Aber auch ein Mann vom Format Zeleznys, dessen Vater Jaroslav ebenfalls Speerwerfer war, ist nicht unschlagbar, wie die Niederlage in Stockholm gegen Henry zeigte. Nach Atlanta mißlang dem Tschechen ein Test als Baseballer, aber er will es wieder versuchen.
Ulrike Bohl, Eric Dobias und Peter Juny

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Letzte Änderung: 01.08.1997 00:02 von jp