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Leserbrief

Vom Unimog zum Funmog

Den Luxus-Trecker von Mercedes gibt es nur auf Sonderwunsch

Gaggenau (gms) - Manche Autos brauchen Jahrzehnte, um Liebhaber-Stücke zu werden - andere haben es schon geschafft, wenn sie erstmals aus den Werkshallen rollen. Der Funmog von Mercedes ist ein solcher Wagen: Zum einen weil er an sich schon ein recht unglaubliches Fortbewegungsmittel ist, zum anderen weil es bisher gerade zwölf Exemplare des Luxus-Treckers gibt.

Eigentlich gehört das "Universale Motor Gerät" auf die Baustelle, in den Staatsforst oder in die Wüste. Denn die seit über 50 Jahren gebaute Nutzfahrzeugfamilie, die Mercedes kurz als Unimog bezeichnet, gilt gemeinhin als eine Gruppe illusterer Alleskönner, die für gewöhnlich immer dann zum Einsatz kommt, wenn andere Fahrzeuge längst die Räder strecken.

Und weil mit dieser Zielsetzung ein überaus breit gefächertes Aufgabenspektrum verbunden ist, hat die Produktpalette schon bislang nahezu alle Möglichkeiten abgedeckt. Doch wer dachte, daß den Entwicklern im Werk Gaggenau nach Feuerwehr-Löschzug, Expeditionsfahrzeug, Kipplader oder Kehrmaschine nichts mehr einfallen könnte, der sieht sich spätestens seit dem März 1994 eines Besseren belehrt.

Stärker, exklusiver und teurer

Denn in Zeiten eines boomenden Marktes für Geländewagen und Freizeitautos hatte Mercedes gemeinsam mit Tunern und Aufbauherstellern den Funmog auf die Räder gestellt - und damit einen neuen Superlativ in einem an Eigenheiten wahrlich nicht armen Bereich geschaffen. Der wuchtige Allradler aus dem Schwarzwald ist nicht nur größer als alles, was sich bislang Geländewagen nannte. Er ist auch stärker, exklusiver und vor allem teurer. Außerdem dürfte der automobile Sonderling zu den seltensten Vertretern seiner Klasse gehören.

Gedacht war der Funmog als Kombination von Stadt-, Freizeit-, Gelände- und Nutzfahrzeug, die allen Anforderungen, vom harten Arbeitsprogramm im Gebirge bis zur Fahrt vors Opernhaus, gerecht werden sollte. Dafür sorgen vor allem der zuschaltbare Allradantrieb mit seinen maximal 32 Gängen und den voll wirksamen Differentialsperren, der verwindungsfähige Rahmen, die komfortablen Schraubfedern sowie eine Steigfähigkeit von 45 Grad und eine sogenannte Wat-Tiefe bis zu 1,20 Metern.

Konkurrenzlos bestückt

Derart konkurrenzlos bestückt, gibt es für den Funmog auch abseits ausgetretener Touristenpfade kaum mehr ernstzunehmende Hindernisse. Wer also in abgelegenen Regionen wandern, skifahren, bergsteigen oder angeln möchte, ist mit dem Exoten bestens bedient. Und selbst wenn dem Funmog Modelle wie der Range Rover oder das Mercedes G-Modell bei der Geländegängigkeit vielleicht noch eine Spur von Paroli bieten könnten, schlägt er die Wettbewerber in Sachen Anhängelast um Längen. Denn bis zu 30 Tonnen darf außer ihm keiner an den Haken nehmen. Nicht umsonst bewarben die Entwickler damals die Möglichkeiten des Funmogs mit dem Slogan "Die Grenzen bestimmen nur Sie!"

Anzugskraft wie ein Porsche 911 Turbo

Für den nötigen Vortrieb sorgen dabei großvolumige Dieselmotoren, die eigens für den Funmog getunt wurden. Das kleinste Aggregat hat knapp drei Liter Hubraum, aus denen es 110 PS schöpft. Sein maximales Drehmoment liegt bei 400 Newtonmetern (Nm) und die Höchstgeschwindigkeit bewegt sich deutlich über den zulässigen 80 Stundenkilometern. Noch beeindruckender ist der Motor des U 1400 Funmog. Er hat stolze sechs Liter Hubraum, 155 PS und mit ein Drehmoment von 530 Newtonmetern etwa soviel Anzugskraft wie ein Porsche 911 Turbo.

Auffälliges Sportgewand

Um den Funmog optisch vom nüchternen Nutzfahrzeug abzugrenzen, haben Entwickler und Designer den alten Unimog in ein auffälliges Sportgewand mit reichlich verchromtem Zierrat gesteckt. Stoßstangen, Kühlerschutz, Überrollbügel und Trittbretter glänzen in Edelstahl, zahlreiche Nebel- und Zusatzscheinwerfer sorgen für den richtigen Durchblick und die großen Jumbo-Drucklufthörner vermitteln gemeinsam mit dem bis über das Dach nach oben gezogenen Auspuff das entsprechende Trucker-Flair. Klar, daß auch die Ladefläche nicht mit nacktem Holz, sondern mit geriffeltem Aluminiumblech ausgelegt wurde. Außerdem verfügt der Funmog über eine abschließbare Gepäckbox, die auf allen anderen Pritschen fehlt.

Klimaanlage, getönte Scheiben, Teppichboden, Ledersitze, . . .

Beim Innenraum dienten Mercedes die eigenen Pkw als Vorbild. Wer Luxuslimousinen wie die S-Klasse baut, der spendiert auch dem Funmog Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, getönte Scheiben, Teppichboden, Ledersitze und allerlei elektrische Helfer für Fenster, Türen und Sitze. Und auf eine ordentliche Musikanlage oder das Autotelefon mit Freisprecheinrichtung muß die Kundschaft auch nicht verzichten. Außerdem wurde natürlich das Führerhaus, das je nach Version zwischen drei und sieben Sitzplätze bietet, entsprechend schallisoliert.

Ab 140.000 Mark aufwärts

Ungewöhnlich wie Leistung und Ausstattung ist der Preis, der bei der Vorstellung der ersten Modelle mit mindestens 140.000 Mark beziffert wurde - je nach Sonderwünschen gab es natürlich noch einige Steigerungsmöglichkeiten. Weil die Sonderserie jedoch auf zwölf Exemplare limitiert war und außerdem mit dem normalen Führerschein der Klasse 3 gefahren werden darf, hatten die Schwaben mit dem Absatz ihres Exoten keine Probleme.

Wer heute einen Funmog möchte, der muß entweder lange und gründlich die Kleinanzeigen studieren oder eine "Bittschrift" an Mercedes schicken. Denn dort ist man durchaus bereit, das eine oder andere Einzelstück zu montieren. Doch das hat natürlich seinen Preis. Fotos: dpa

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Letzte Änderung: 06.08.1997 00:02 von aj