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Leserbrief

Schloß Vollrads-Besitzer Matuschka-Greiffenclau:

Selbstmord nach Konkursantrag

Wiesbaden/Rüdesheim (dpa) - Der Besitzer des renommierten, aber hochverschuldeten Rheingauer Weinguts Schloß Vollrads, Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, hat sich am Dienstag morgen erschossen. Nach Angaben der Wiesbadener Polizei deutete der 58jährige in einem Abschiedsbrief den von seiner Hausbank am Montag gestellten Konkurs- antrag als Grund für den Selbstmord an.

Matuschka-Greiffenclau, der sich mit einem Revolver in den Kopf schoß, hinterläßt eine minderjährige Tochter. Seine Leiche wurde 200 Meter vom Schloß entfernt in den Weinbergen entdeckt. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot stundenlang nach dem Grafen gesucht hatte, sieht keine Anzeichen für ein Fremdverschulden.

Keinen anderen Ausweg gesehen

Das bei Oestrich-Winkel gelegene älteste deutsche Weingut war schon seit Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und konnte zuletzt seine Kredite nicht mehr bedienen. Die Nassauische Sparkasse (Naspa) in Wiesbaden als Hauptgläubigerin konnte sich mit dem Grafen nicht auf ein Konsolidierungskonzept einigen. Der Winzer lehnte die Übernahme des mindestens seit dem Jahr 1100 im Besitz seiner Familie befindlichen Guts durch einen Konzern entschieden ab.

Presseberichten zufolge belaufen sich die Schulden von Schloß Vollrads auf rund 20 Millionen Mark, der Jahresumsatz soll zwischen zehn und zwölf Millionen Mark liegen. Das Unternehmen war am Dienstag zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Naspa will nach eigenen Angaben das Weingut und seine rund 30 Arbeitsplätze erhalten. Das Amtsgericht Rüdesheim hat einen Sequester bestellt und für Freitag einen Anhörungstermin zu dem Konkursantrag angesetzt.

Unterhaltskosten ließen Schuldenberg wachsen

Matuschka-Greiffenclau hatte das Familiengut seit 1977 geleitet und gehörte zu den bekanntesten deutschen Winzern. Zeitweise war er Präsident des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter und bis zu seinem Tod Präsident des Rheingauer Weinbauverbands. Daneben übernahm er viele weitere Funktionen in Fachverbänden.

Nach Angaben von Kennern des Unternehmens haben vor allem die hohen Unterhaltskosten für die historischen Gebäude Schloß Vollrads in die roten Zahlen getrieben. Zum Besitz zählt auch das Graue Haus in Oestrich-Winkel, das als ältestes steinernes Wohnhaus Deutschlands gilt.

In einem Beileidstelegramm würdigte der hessische Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) die Leistungen Matuschka-Greiffenclaus für den Rheingauer Weinbau: "Ohne sein langjähriges Engagement hätte der Rheingau heute nicht den Ruf, den er in Deutschland und der ganzen Welt genießt." Der Graf habe die Bedingungen für die Winzer des Gebiets verbessert und damit "ein beeindruckendes Beispiel für Engagement im Dienste der Gesellschaft gegeben". Foto: dpa


Letzte Änderung: 20.08.1997 00:02 von ar