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Leserbrief

Wenn nachts der Atem stillsteht:

Hilfe für Schnarcher aus dem Schlaflabor

Wiesbaden (dpa) - Der Schlaf überfiel den Lastwagenfahrer am hellichten Tag beim Rückwärtsfahren. Das böse Erwachen kam wenige Augenblicke später in der Baugrube, in die er seinen Sechstonner gesteuert hatte. Professor Hans-Ludwig Hahn, Leiter des Schlaflabors an der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, illustriert mit diesem Beispiel gerne ein Leiden, das vielen seiner Patienten gar nicht bewußt ist: Schlafapnoe. Darunter verstehen die Mediziner häufige, länger als zehn Sekunden andauernde Atemaussetzer während des Schlafes, die fast immer von heftigem Schnarchen begleitet werden. Wenn der Sauerstoffgehalt im Blut zu gering wird, wacht der Patient auf, ohne sich morgens daran erinnern zu können.

Die Folgen zeigen sich am Tag: Müdigkeit, Leistungsminderung und die Neigung, bei jeder Gelegenheit einzuschlafen. Rund 800.000 Menschen in Deutschland leiden unter Schlafapnoe, schätzt Prof. Jörg Hermann Peter, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) im oberhessischen Schwalmstadt-Treysa (Schwalm-Eder-Kreis). Die meisten von ihnen sind Männer. Etwa siebenmal häufiger als bei Frauen setzt bei ihnen nachts der Atem aus, ausgelöst von einem Verschluß der Atemwege oberhalb des Kehlkopfes.

Ursache für diesen Verschluß ist ein Erschlaffen der Schlundmuskulatur im Schlaf; Zunge oder Gaumensegel versperren die Atemwege. Als Folge des Atemstillstandes, der länger als eine Minute dauern kann, sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, und der Patient wacht auf. Unter den Apnoe-Patienten gebe es welche "mit rund 400 Aussetzern pro Nacht, die von sieben Schlafstunden zwei nicht atmen", erklärt Hahn. Weil der Schlaf regelmäßig vor dem Beginn der Tiefschlafphase unterbrochen wird, will der Körper tagsüber nachholen, was ihm in der Nacht vorenthalten wurde. Der Drang zum Einschlafen kann geradezu zwanghaft sein, wie das Beispiel des Lastwagenfahrers zeigt.

Folgen für die Gesundheit

Abgesehen von den Gefahren, die ein kurzes Nickerchen am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr mit sich bringt, hat die andauernde Unterbrechung des nächtlichen Schlafes Folgen für die Gesundheit: Blutdruck und Belastung des Herzens steigen, es kann zu Nierenschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Störungen der Gehirndurchblutung und zu Schlaganfällen kommen. Morgendliche Kopfschmerzen, verminderte Leistungsfähigkeit, Impotenz, vereinzelt auch Bettnässen, Aggressivität oder Trägheit gehören außerdem zu den Begleiterscheinungen der Schlafstörung.

Bei einigen Patienten setzt der Atem ausschließlich dann aus, wenn sie auf dem Rücken schlafen. Nach Aussagen Hahns haben Studien gezeigt, daß ein kleiner Rucksack oder in den Schlafanzug eingenähte Tennisbälle helfen können, die Rückenlage und damit Atemaussetzer zu vermeiden. In der Praxis würden solche Methoden allerdings nur selten angewendet: Möglicherweise zu viele, nämlich etwa 90 Prozent aller behandlungsbedürftigen Apnoe-Patienten, erhielten ein Atemgerät für die dauernde Behandlung zu Hause.

Druck durch die Nasenmaske

Bei dieser Therapie trägt der Apnoe-Kranke beim Schlafen eine Nasenmaske. Ein Kästchen von der Größe einer Autobatterie liefert über einen Schlauch einen individuell eingestellten, permanenten Überdruck in die Maske. Wie bei einem Ballon der Luftdruck die Wände auseinanderhält, so verhindert der Druck ein Zusammenkleben der Weichteile im Rachenraum und erlaubt so ein durchgehendes Atmen und einen erholsamen Schlaf.

Wenn Nasen- oder Rachenraum chronisch verengt sind, kann eine Operation Abhilfe bringen, bei der störende Schwellungen beseitigt oder schlaffe Muskeln gespannt werden. Apnoe-Patienten sollten Alkohol meiden, weil der die Muskeln noch zusätzlich erschlaffen läßt. Zwei Drittel aller Apnoe-Patienten, die Hahn in Wiesbaden behandelt, sind übergewichtig. Die Reduktion des Körpergewichtes hält der Mediziner neben dem Verzicht auf den "Schlummertrunk" für die wirkungsvollste Maßnahme, die Apnoe-Patienten selbst ergreifen können. Foto: dpa

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Letzte Änderung: 27.08.1997 00:02 von aj