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Leserbrief

Lebenslänglich für Prostituiertenmörder

Grausige Details in Urteilsbegründung - Therapie erst nach sieben Jahren

Berlin (AP) - Der Berliner Hautarzt Stefan Schmitz kommt als Prostituiertenmörder und Gefahr für die Allgemeinheit lebenslang hinter Gitter. Das Berliner Landgericht sprach den 37jährigen nach einem neunmonatigen Indizienprozeß am Freitag des Mordes an einer 18jährigen sowie des vierfachen versuchten Mordes an weiteren Prostituierten schuldig. Die Therapie seiner massiven Persönlicheitsstörung mit sexueller Abartigkeit kann laut Schuldspruch erst nach sieben Jahren Strafhaft beginnen.

Der blasse und in sich zusammengefallene Schmitz schüttelte heftig mit dem Kopf als Richterin Gerlind Gatza mit der Schilderung der grausigen Taten begann. Er warf sich auf dem Stuhl vor und zurück. Einmal schien es, als wolle er die Richterin unterbrechen. Es gelang seinem Verteidiger schließlich, ihn zu beruhigen. Wie ein Schutzschild hielt er dann während der einstündigen Urteilsverkündung einen Schreibblock vor sein Gesicht.

"Keinerlei Reue gezeigt"

Als absurd und "reine Lügengeschichte" bezeichnete die Richterin die Darstellung des Mediziners über den Tod der 18jährigen Szanett S. in dessen Wohnung. Schmitz hatte erklärt, die junge Frau habe gedrosselt werden wollen. Ohne sein eigenes Zutun sei sie an Erbrochenem erstickt. Die Richterin erklärte, in Wirklichkeit habe der Arzt die Prostituierte wie andere Opfer auch veranlaßt, eine Lederhose anzuziehen. Danach habe er auf ihr sitzend sexuelle Handlungen vorgenommen, ihr eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt und sie mit einem bereitliegenden Gürtel erwürgt.

Schmitz fertigte laut Gericht dann Fotos seines Opfers an, auf denen es noch lebend aussehen sollte. Ein Bild zeige, wie er an der Toten uriniere. Der Arzt habe nach dem Mord "keinerlei Reue gezeigt". Stattdessen habe er sich stundenlang mit der Toten beschäftigt, die Leiche zerstückelt und erst Tage später weggebracht. Drei weitere Prostituierte hatte Schmitz dem Gericht zufolge mit Messern angegriffen und mit Riemen, Gürteln oder Seilen gewürgt. Eine der überlebenden Frauen griff er sogar zweimal an.

Gefährliche Situationen "bewußt geschaffen"

Das Gericht legte zugrunde, daß der Angeklagte bei seinen Taten Rachegefühle auslebte. Seit seiner Jugend war er nicht in der Lage gewesen, normale sexuelle Beziehungen aufzubauen. Frauen übten auf ihn einerseits Faszination aus, andererseits erzeugte eigenes Unvermögen tiefen Haß.

Zum unmittelbaren Tatzeitpunkt war der Arzt nach gerichtlicher Überzeugung tatsächlich vermindert schuldfähig. Er wäre jedoch in der Lage gewesen, vor seinen Taten Hilfe zu suchen und gefährliche Situationen zu vermeiden. Stattdessen habe er sie "bewußt geschaffen", erklärte das Gericht. So habe er bereits drei Wochen nach der Tötung der 18jährigen Szanett S. erneut eine Prostituierte angegriffen.

Nach langem Leugnen gestanden

Der Mediziner war laut Urteil bis zum Ende seines Schlußwortes nicht bereit, sich mit seinen Taten auseinanderzusetzen, Einsicht zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Sieben Jahre Strafvollzug sollten ihm daher die Möglichkeit geben, sich nicht in die Rolle eines kranken Mannes und Opfers zu flüchten, sondern sich als Täter zu erkennen. Eine daran anschließende Therapie habe dann bessere Erfolgsaussichten.

Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch wegen Schuldunfähigkeit gefordert. Der Arzt hatte den Mord bis zum Schluß bestritten, aber nach langem Leugnen in teils wirren Erklärungen die Zerstückelung von Szanett S. eingestanden.

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Letzte Änderung: 31.08.1997 00:02 von aj