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Leserbrief

"Retortenklub" sorgt für Furore

Ruhr Devils mobilisieren die Fans

Hertens Offensive gegen drohenden Rückzug - Größte Halle der Liga

Oberhausen (sid) Im fußballverrückten Ruhrgebiet sorgen nun auch Basketballer für Furore: Bundesligist Ruhr Devils will künftig die Massen in seine neue Spielstätte, die 11.000 Zuschauer fassende Oberhausener "Arena" locken. Dazu streifte der Klub seinen bisherigen Namen TuS Herten ab und schlüpfte ins Marketing-gerechte Teufelsgewand. "Wir verstehen uns als Verein der gesamten Region", erklärt Devils-Präsident Karl Diehl, "das wollen wir durch den neuen Namen dokumentieren."

Am Freitag startet der "Retortenverein" bei Meister und Pokalsieger Alba Berlin in eine "ungewisse Zukunft" (Diehl), am Sonntag gegen TTL Bamberg folgt die Heimpremiere. Der Sprung ist gewaltig. Aus der 1.049 Zuschauer fassenden Turnhalle der Hertener Gesamtschule in die gigantische Arena, aus der kleinsten Halle der Liga in die größte. Doch Alternativen gab es kaum für die Verantwortlichen. "Wären wir in Herten geblieben, hätten wir wohl den Rückzug in die Regionalliga vollziehen müssen", bekennt Diehl, "das Sponsorenpotential und die Zuschauereinnahmen in der Stadt waren einfach zu gering, Spitzenbasketball im Ruhrgebiet war vom Untergang bedroht."

Stefan Baeck der neue Star?

Zwei Jahre lang hielt sich der TuS Herten in der Bundesliga über Wasser. Ein Mini-Etat von einer Million Mark pro Spielzeit reichte trotz kluger Einkaufspolitik nie für den Einzug in die Play-Offs. Das Budget für die kommende Saison dürfte dank zusätzlicher Sponsoren bei 2,5 Millionen Mark liegen. Diehl: "Alba Berlin hat vorgemacht, was man mit Mut zum Risiko und den richtigen Investitionen erreichen kann." Investiert haben die Devils nach den Abgängen von US-Star Donald Williams (Sporting Athen), Juha Luhtanen (MTV Gießen) und Gerrit Terdenge (Bayer Leverkusen) in vielversprechende Neuzugänge. Ex-Nationalspieler Stephan Baeck (PAOK Saloniki), Center Alexander Frisch (Alba Berlin) und der neue US-Playmaker Billy McCaffrey (Phonola Neapel) sollen neben dem nach einer Rückenoperation noch rekonvaleszenten US-Center Matt Wenstrom die Führungsrollen übernehmen.

Baeck, 1993 Europameister mit Deutschland; "Ich bin hierher gekommen, um etwas zu bewegen. Wir wollen einen Verein nach oben führen, der bislang noch nie dort war. Und wir wollen, daß die Leute gerne in die Halle kommen". Boß Diehl rechnet "mit knapp 2.500 Besuchern pro Heimspiel", eine Marketingagentur und Werbefeldzüge an Schulen in der Region sollen die Devils populär machen. Doch all das funktioniert nur, wenn von Anfang an sportlicher Erfolg da ist. Das weiß auch Devils-Trainer Hubert Beck (48), der seit sechs Jahren das sportliche Sagen hat: "Der Druck ist enorm, wir müssen unbedingt die Play-Offs erreichen. Doch mit dieser Mannschaft sollte das zu schaffen sein." Wenn nicht, hätten die Devils ihr Produktionssoll verfehlt - und die fußballverrückten Menschen an der Ruhr würden dem Basketball einen Korb geben. Jan Heßbrügge

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Letzte Änderung: 04.09.1997 00:02 von jp