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Leserbrief

Erfolglose Nachtschicht von Agassi

Traumstunden für Venus Williams - Michael Chang weiter

New York (dpa) - Erfolglose Nachtschicht für Andre Agassi, Traumstunden für Venus Williams: Während die Show des Tennis- Entertainers in New York beendet ist, darf sich die erst 17jährige Venus Williams weiter über ihre wundersame Reise bei den US Open freuen. Als erste Debütantin seit 19 Jahren erreichte die Bezwingerin Anke Hubers aus Palm Beach Gardens in Florida beim letzten Grand- Slam-Turnier der Saison das Halbfinale. "Ich fühle mich einfach toll", sagte die mit guten Werbeverträgen ausgestattete Jungmillionärin. "Viele haben an mir gezweifelt, ein Fragezeichen hinter mich und mein Spiel gesetzt. Aber ich wußte immer, daß ich es schaffen."

Lange nach Mitternacht verabschiedete sich mit Andre Agassi der Publikumsliebling aus dem Arthur-Ashe-Stadion. Vor über 20.000 Zuschauern unterlag der 27jährige mit 3:6, 6:7 (4:7), 6:4, 3:6 gegen den Weltranglisten-14. Patrick Rafter aus Australien. Mit jugendlicher Unbekümmertheit hatte sich dagegen Venus Williams zuvor ein 7:5, 7:5 über die Französin Sandrine Testud erarbeitet; 175.000 Dollar Preisgeld sind ihr bereits sicher. Die Weltranglisten-66. Williams kämpft gegen die 54 Plätze besser eingestufte Seles-Bezwingerin Irina Spirlea um den Einzug ins Damen- Endspiel am Sonntag. Die 23jährige Profi-Spielerin aus Bukarest, deren Idol Steffi Graf ist, steht erstmals bei einem der vier wichtigsten Tennis-Turniere und als erste Rumänin überhaupt bei den US Open in der Runde der letzten Vier.

Rafter behielt die Nerven

Kurz vor der Geisterstunde wanderten die Agassi-Fans ab, als Geheimfavorit Rafter ("Es ist noch ein langer Weg bis zum Titel") im Achtelfinale auch den zweiten Satz, allerdings erst im Tiebreak, gewonnen und wenig später sogar noch ein Break vorgelegt hatte. Doch Agassi, der vor drei Jahren das US-Open-Finale gegen Michael Stich gewann, gab sich nicht auf. Mit "Andre, Andre"-Sprechchören wurde der ehemalige Weltranglisten-Erste angefeuert. Aber Rafter, der es in der nächsten Runde mit dem Schweden Magnus Larsson zu tun bekommt, behielt in der stickigen Abendluft die Nerven.

Vorjahres-Gewinner Pete Sampras, der nach seinem Scheitern auf Agassi oder Michael Chang als seinen Nachfolger getippt hatte, hätte mit seiner Prognose beinahe völlig daneben gelegen. Denn der Weltranglisten-Zweite Chang zog mit einem glücklichen 6:3, 0:6, 5:7, 7:5, 6:1 über den Wimbledon-Finalisten Cedric Pioline - der Franzose hätte mit eigenem Aufschlag alles klar machen können - in die Runde der letzten Acht gegen Haas-Bezwinger Marcelo Rios (Chile) ein. "Sagt Hallo zum neuen Favoriten", schrieb John McEnroe seinem Landsmann Chang ins Stammbuch.

Klackern lauter als Ploppen

Ihre Rolle als "Tennis-Model" spielt die 1,80 Meter große Venus Williams trotz ihre Jugend perfekt. Ihre Haare mit den vielen Zöpfen hatte sie nationalbewußt im "Stars & Stripes-Look" geschmückt. Das Klickern und Klackern der Perlen übertönte manchmal sogar das Plopp der Bälle. In den US-Medien spielt die 17jährige, die gegen die Weltranglisten-17. Testud im zweiten Satz sogar einen 1:4-Rückstand aufholte, bereits eine Starrolle. Sehr zum Unwillen ihrer Halbfinal- Gegnerin Irina Spirlea. "Es ist schon frustrierend, wenn alle Aufmerksamkeit der anderen gilt", hatte die Rumänin nach ihrem Zweitrunden-Erfolg über die von der Öffentlichkeit ebenfalls stark beachtete Russin Anna Kournikowa geschimpft.

Monica Seles dagegen gönnt sie das Rampenlicht. Schließlich habe die Weltranglisten-Zweite auch sportlich etwas geleistet, befand Irena Spirlea. In diesem Jahr freilich lief die US-Amerikanerin, die zweimal in New York gewann und die letzten beiden US-Open-Endspiele gegen Steffi Graf verlor, dem Erfolg hinterher. Nach dem Viertelfinale klagte sie über Magenschmerzen und über einen vergebenen Matchball. Erstmals in ihrer Karriere, die nach dem Attentat in Hamburg zwei Jahre und dreieinhalb Monate lang unterbrochen war, gewann Monica Seles in einer Saison kein einziges Grand-Slam-Turnier. "Das ist die größte Enttäuschung", sagte sie. Volker Gundrum; Fotos: Reuters

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Letzte Änderung: 04.09.1997 00:02 von jp