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Leserbrief

Nach 30 Jahren hört Eduard Zimmermann bei "XY" auf

"Die Fälle gehen einem schon nahe"

München, 3. September (AFP) - An seinen ersten Kriminalfall kann sich Eduard Zimmermann noch gut erinnern. Da sei die unbekannte "Leiche mit dem grünen Minikleid" gewesen, berichtet der 68jährige. Erst nach einem Jahr habe die Tat geklärt werden können. Wie dieser Fall aus dem Jahr 1967 wurden insgesamt immerhin 40 Prozent aller 2700 Straftaten aufgeklärt, die in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY - ungelöst" in 30 Jahren vorgestellt wurden. Am 24. Oktober tritt Zimmermann nun zum letzten Mal für den Dauerbrenner vor die Kamera.

Nach dieser 300. Sendung übergibt er die Moderation an den Hamburger Rechtsanwalt und TV-Journalisten Butz Peters. "Die Fälle gehen einem schon nahe", meint Zimmermann. Allerdings stelle sich mit der Zeit eine gewisse Routine ein, ähnlich wie bei einem Arzt, "der jeden Tag die Leute aufschneidet". Einer seiner schlimmsten Fälle sei die Entführung einer Schülerin in Bayern gewesen, die in einer Kiste vergraben worden war. Das tote Mädchen habe einen auf den Fotos mit "offenen Augen angestarrt", erinnert sich der 68jährige. Obwohl sich "XY" mehrfach mit dem Tod der Schülerin beschäftigte, konnte der Fall bis heute nicht aufgeklärt werden. Mehr Glück hatten die Ermittler am 11. April 1969, als Zimmermann in der 15. Sendung um Hilfe bei der Suche nach den Tätern bat, die bei Lehbach vier Soldaten umgebracht hatten. Die Wahrsagerin Madame Buchela erkannte einen ihrer Besucher wieder; zwei Wochen später wurden die beiden Täter festgenommen.

2200 Verhaftungen

In 30 Jahren "XY" wurden 566 Menschen festgenommen, denen Mord vorgeworfen wurde. Unter den insgesamt 2200 Verhafteten befanden sich auch 13 Terroristen, ein Flugzeugerpresser, eine Schmugglerbande und sieben Brandstifter. Bereits 15 Minuten nach der ersten Sendung am 20. Oktober 1967 habe ein Melkmaschinen-Vertreter auf einer Kegelbahn dingfest gemacht werden können, der hunderte von Landwirte mit falschen Versprechungen reingelegt hatte, erinnert sich der Moderator.

Zimmermann saß selbst hinter Gittern

Zimmermann hat nicht nur Ganoven ins Gefängnis gebracht, er saß selbst schon hinter Gittern. Er war 1949 bei Recherchen für eine Stockholmer Zeitung in der sowjetisch besetzten Zone in Ostdeutschland festgenommen worden. Der angehende Journalist wurde damals wegen Spionage zu 25 Jahren verurteilt und verbüßte davon fünf in der berüchtigten DDR-Haftanstalt Bautzen. Der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Zimmermann, er habe sich während dieser Zeit eingeredet: "Hier hast du eine Chance. Was dir hier begegnet, erlebst du nie wieder." Sein prominentester Zellennachbar war damals der Schriftsteller Walter Kempowski.

Denunziantentum gefördert?

Trotz der Erfolge war Zimmermanns Sendung immer wieder in die Kritik geraten. So forderte 1981 die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Juristen den Stopp von "XY". Die Sendung fördere Denunziantentum. Auch die Arbeitsgemeinschaft der kritischen Polizisten steht "XY" skeptisch gegenüber. In den Filmen werde immer vom "bösen Straftäter" und vom "armen Opfer" berichtet, kritisiert Sprecher Jürgen Korell. Dabei könne auch das Fehlverhalten von Opfern zu einem tödlichen Ausgang von Straftaten führen. So sei in einem geschilderten Fall ein Mann den Einbrechern mit einer Waffe entgegengetreten, anstatt die Polizei zu alarmieren.

"Kackbraun" kommt weg

Lange hatte Zimmermann nach einem Nachfolger gesucht. Ein Mann habe es schon sein müssen, meint der "XY"-Erfinder. Deshalb sei auch seine Tochter Sabine, die seit 1987 als Ko-Moderatorin mit von der Partie ist, nicht in Frage gekommen. Ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes habe ihn schließlich auf Butz Peters gebracht. Der Jurist und Journalist hatte neben zahlreichen Hörfunkbeiträgen über Innere Sicherheit 1990 ein Buch über Organisierte Kriminalität veröffentlicht. Damals hätten Polizei und Politik noch abgestritten, daß es dies überhaupt in Deutschland gebe, erinnert sich Peters. Der Jurist, der Partner in einer Hamburger Kanzlei bleibt, will an dem "erfolgreichen Format" nur wenig ändern. Neben einer "flotteren" Titelmusik sollen die Studiofarben künfig Hellblau und Orange sein. Das seit 1975 vorherrschende "Kackbraun kommt weg", so der künftige "xy"-Moderator. Sylke Michaelis, Foto: AP


Letzte Änderung: 04.09.1997 00:02 von jo