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Leserbrief

Traurige Gewißheit an der namibischen Küste:

Kollision verursachte Flugzeugunglück

Trümmer der US-Transportmaschine gefunden - Eine tote Deutsche geborgen

Bonn/Windhuk (dpa) - Drei Tage nach dem Absturz der Bundeswehr- Tupolew vor der namibischen Küste herrschte am Dienstag traurige Gewißheit: die Maschine ist am Samstag wie vermutet mit dem US- Transportflugzeug Starlifter kollidiert. Im Trümmerfeld des Südatlantiks wurde erstmals ein Teil der amerikanischen Maschine gefunden, die ebenfalls seit Samstag vermißt worden war.

Zuvor waren die Hoffnungen, noch Überlebende des Flugzeugunglücks zu bergen, weiter gesunken. Bereits am späten Montag abend war die Leiche einer Deutschen geborgen worden. An Bord beider Maschinen waren 33 Menschen.

Das Wetter im Suchgebiet war nach Angaben der Behörden in Windhuk am Dienstag schlecht. Die eingesetzten Suchflugzeuge mußten wegen Nebels und tiefhängender Wolken zeitweise nur 150 Meter über dem Meer fliegen, um Sicht zu haben. Am Abend sollten zwei Spezialflugzeuge aus den USA erstmals zu einer Nachtsuche starten.

Die südafrikanische Luftwaffe vertrat am Dienstag in Pretoria die Ansicht, daß der Starlifter nach der Kollision noch eine Weile in der Luft gewesen sein könnte, ehe er abstürzte. Erst am Dienstag habe man erfahren, daß die Besatzung eines Schiffes im Unglücksgebiet am Samstag nachmittag einen Blitz und Feuer am Himmel gesehen habe. Dies könne auf das US-Flugzeug hindeuten.

Rühe weist Kritik an Flugbereitschaft zurück

Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) sagte in Bonn, an Bord der Tupolew seien drei Frauen gewesen - eine 43jährige Begleiterin der Flugbereitschaft und zwei 36 und 48 Jahre alte Ehefrauen von Besatzungsmitgliedern. Die Identität der Frau, deren Leiche geborgen wurde, war am Dienstag noch unklar. Die Tote sollte an Bord des namibischen Schiffes "Tobias Heinyeko" an Land gebracht und in Windhuk identifiziert werden.

Insgesamt waren 24 Menschen an Bord der Bundeswehr-Maschine, die nicht mit einem Kollisionswarngerät ausgerüstet war. Die zehn Besatzungsmitglieder der Tupolew sind nach Angaben der Hardthöhe im Alter zwischen 30 und 56 Jahren, die zwölf Marineangehörigen sind zwischen 29 und 55 Jahre alt.

Die Hardthöhe teilte mit, daß entgegen früherer Aussagen fünf Airbusse A 310 der Flugbereitschaft in Wahn mit Kollisionswarngeräten ausgerüstet sind. Die Tupolew sollte in zwei Jahren umgerüstet werden. Auch die sieben kleineren Challenger- Maschinen sollen in absehbarer Zeit mit diesen Geräten ausgerüstet werden.

Rühe sagte, die Absturzstelle der Tupolew sei jetzt eindeutig festgestellt. Er wandte sich gegen Vorwürfe, die Flugbereitschaft in Wahn bei Köln habe wegen eines Festes zu ihrem 40jährigen Bestehen am Samstag abend nicht sofort auf Fragen reagiert, warum die Tupolew nicht um 18.30 Uhr in Windhuk gelandet sei. Die Flugbereitschaft habe sofort alles in die Wege geleitet, um nach dem Verbleib der Tupolew zu forschen. Der Flugplan sei vor dem Abflug in Wahn an alle betreffenden Länder in Westafrika übermittelt worden.

Aufwendigste Suchaktion in der Geschichte der Bundeswehr

Es müsse aber noch geprüft werden, ob der Abflug der Maschine nach einem Zwischenstop in Niger nach Windhuk weitergemeldet worden sei oder nicht. Die Tupolew hatte zwei Flightrecorder und einen Voicerecorder, aber keine Blackbox an Bord. Die letzte halbe Stunde vor dem Absturz sei durch den Voicerecorder dokumentiert.

An der bisher größten und aufwendigsten Suchaktion in der Geschichte der Bundeswehr werden, wenn alle Mannschaften vor Ort sind, insgesamt 15 Flugzeuge mit 265 Mann Personal teilnehmen. Die südafrikanische Luftwaffe gab am Dienstag folgende Zahlen bekannt: Deutschland acht Flugzeuge, 112 Mann; USA drei Flugzeuge, 100 Mann, Südafrika zwei Flugzeuge, 32 Mann, Frankreich ein Flugzeug, 15 Mann, Namibia ein Flugzeug, sechs Mann.

Möglicherweise werden auch Taucher eingesetzt. Allerdings ist das Wasser im Unglücksgebiet bis zu 1.000 Meter tief. In den Gewässern kommen nach Angaben von Experten auch Haie vor. Allerdings gilt das Gebiet vor der sogenannten Skelett-Küste nicht als ausgesprochene Hai-Region. Eine der Suchschiffe barg am Dienstag weitere Gegenstände, die wahrscheinlich von der Tupolew stammen. Es handelt sich um eine kleine Tasche, Compact discs, einen Videorecorder, drei deutsche Flaggen, einen Sitz, Kugelschreiber und Aufkleber. Fotos: AP/Reuters

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Letzte Änderung: 17.09.1997 00:02 von aj