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Leserbrief

"Traumhochzeit" in Spanien

. . . der König nickte zustimmend

Barcelona (dpa) - Bevor die spanische Königstochter Cristina (32) ihrem Bräutigam Inaki Urdangarin (29) das Jawort gab, warf sie ihrem Vater Juan Carlos einen fragenden Blick zu. Der König nickte zustimmend, die Braut machte artig einen Knicks und sagte: "Ja, ich will". Der Fehler, der ihrer älteren Schwester vor gut zwei Jahren passiert war, sollte Cristina nicht unterlaufen. Die Infantin Elena hatte bei ihrer Vermählung in der Aufregung vergessen, den König um Zustimmung zu bitten, wie es die Tradition will.

Barcelona erlebte am Samstag eine wahre Traumhochzeit. Das Brautpaar und die Mitglieder der Königsfamilie waren bei der Trauung in der gotischen Kathedrale sichtlich bewegt, manche konnten nur mühsam die Tränen unterdrücken. Mehr als 200.000 Menschen jubelten bei strahlendem Sonnenschein Cristina und ihrem Bräutigam, einem Handballspieler vom FC Barcelona, zu und deckten das Paar mit Blumensträußen ein.

Gut einen Monat nach dem Tod der britischen Prinzessin Diana haben Europas Königshäuser wieder Grund zur Freude. Cristina und Inaki scheinen nicht nur perfekt zueinander zu passen, sie sind offensichtlich auch ineinander verliebt. Und dies ist bei königlichen Hochzeiten alles andere als selbstverständlich. Mit seinem bescheidenen Auftreten hat das Paar längst die Herzen der Spanier im Sturm erobert. Cristina ist das erste Mitglied der königlichen Familie, das einen Nichtadligen heiratet.

Sogar das Hochzeitskleid, seit Wochen Spaniens bestgehütetes Geheimnis, trug ihrer Art Rechnung. Das dreiteilige Gewand in beige- weißer Seide war relativ einfach gehalten. Die Schleppe von 3,25 Meter war um zwei Drittel kürzer als die von Elena vor gut zwei Jahren. Der Bräutigam trug einen schwarzen Frack mit hellblauer Krawatte. Der Handballer aus dem Baskenland, Sohn des Direktors einer kleinen Sparkasse, traf nach altem Brauch vor der Braut in der Kathedrale ein. Er mußte 22 Minuten vor dem Hochaltar warten, bis Cristina von ihrem Vater in die Kirche geleitet wurde. Das dürfte ihm als die längste Wartezeit seines Lebens erschienen sein.

Ein Trauzeuge wurde ohnmächtig

Der festlichen Stimmung konnten auch kleinere Pannen keinen Abbruch tun. Infolge der schwülen Hitze von über 30 Grad in der Kathedrale brach einer der 20 Trauzeugen, der Handballer Fernando Barbeito, ohnmächtig zusammen. Der Mannschaftskamerad Urdangarins wurde auf einer Kirchenbank behandelt. Er mußte das Gotteshaus vorzeitig verlassen, ebenso wie der frühere spanische Ministerpräsident Leopoldo calvo Sotelo, dessen Frau einen Hexenschuß erlitt. Das Rote Kreuz leistete rund 60 Schaulustigen wegen Schwächeanfällen Erste Hilfe.

Auf dem Höhepunkt der Zeremonie ließ der Erzbischof von Barcelona, Kardinal Ricard Maria Carles, eine der 13 Münzen fallen, die der Bräutigam als traditionelles Brautgeld darbringen mußte. Urdangarin hob die Münze auf, als wäre nichts geschehen, und gab sie der Braut. An der Zeremonie nahmen 1.500 geladene Gäste teil, darunter Vertreter von fast allen Königshäusern der Welt. In der Basilika La Merce brachte Cristina der Schutzpatronin von Barcelona ihren Hochzeitsstrauß von weißen Lilien dar.

Fast eine Milliarde Zuschauer in aller Welt

Fernsehstationen in über 100 Staaten übertrugen die Trauung. Nach spanischen Schätzungen erlebten fast eine Milliarde Zuschauer in aller Welt das Ereignis am Bildschirm mit. Die Frischvermählten fuhren in einem 50 Jahre alten, offenen Rolls Royce und begleitet von berittenen Staffeln der königlichen Garde durch die Stadt. Das Fahrzeug, von dem nur 18 Modelle gebaut worden sind, war 1948 vom damaligen Diktator Francisco Franco angeschafft worden. Auf dem Weg zum Pedralbes-Palast, wo das spanische Königspaar ein Bankett gab, wurden dem Brautpaar katalanische Volksmusik und baskische Tänze dargeboten. Cristina und ihr Bräutigam dürfen sich nunmehr mit dem Titel "Herzöge von Palma de Mallorca" schmücken.

Mit der Trauung wächst in Spanien der Druck auf den Kronprinzen Felipe. Der 29-jährige ist als einziges der drei Kinder von König Juan Carlos und Königin Sofia noch unvermählt. Die Hochzeit war die dritte königliche Trauung in Spanien in diesem Jahrhundert. Kleinere linke und republikanische Parteien boykottierten die Feierlichkeiten und riefen zu Protestaktionen auf, die aber keine Auswirkungen auf den Ablauf hatten. Wohin das Paar in die Flitterwochen fährt, wird streng geheim gehalten. Es wird aber in spätestens zwei Wochen zurück sein müssen, weil Urdangarin dann sein nächstes Handballspiel hat. Zudem erhält Cristina, die für ein Monatsgehalt von 2.400 Mark (aud: 200.000 Pesetas) für eine Kulturstiftung arbeitet, nicht länger Sonderurlaub.
Hubert Kahl; Fotos: AP, Reuters

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Letzte Änderung: 05.10.1997 00:02 von jp