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Leserbrief

. . . Hellriegel gewinnt "Ironman"

Thomas Hellriegel, Jürgen Zäck und Lothar Leder (v.l.n.r., Archivfoto)

"In der Vorbereitung dachte ich an Ullrich. Ich sagte mir, gelb beflügelt. Mein Traum ist in Erfüllung gegangen, und mir ist eine große Last von den Schultern gefallen. Viel länger hätte es allerdings nicht gehen dürfen. Ich war völlig erschöpft, aber heute war mein Tag", sagte Hellriegel, nachdem er seiner Freundin den Sieges-Lorbeerkranz aufgesetzt hatte. Als neuer Held fühlte er sich aber nicht: "Ich genieße den Moment und werde alles auf mich zukommen lassen, aber es wird sich wohl alles in Grenzen halten." Zäck nannte das brillante Gesamtergebnis einen "Knaller, wir sind alle baff".

Das Bild im Zielraum hatte Symbolcharakter. Während Hellriegel mit einer riesigen Deutschland-Fahne in der Hand die letzten Meter absolvierte, jodelten einige der knapp 30.000 Zuschauer, und die Veranstalter suchten verzweifelt nach Deutschen, die kurzfristig Übersetzer spielen konnten. Diese Dominanz des deutschen Teams, die den qualvollen Dreikampf im Wasser, auf dem Rad und zu Fuß zu einer gut besetzten nationalen Meisterschaft umfunktionierten, hatte keiner erwartet.

Gegenwind machte Radfahren und Laufen zur Tortur

Daß Hellriegel in Abwesenheit des verletzten Vorjahressiegers Luc Van Lierde (Belgien) mehr als 28 Minuten zum Streckenrekord fehlten, störte nicht. Der starke Gegenwind machte das Radfahren und das Laufen zur Tortur. "Ich war zum neunten Mal hier, aber so hart waren die Bedingungen noch nie", erklärte der aufopferungsvoll kämpfende Zäck, dessen Start wegen Muskelproblemen im Hüftbereich bis vor sechs Wochen noch gefährdet gewesen war. Trotz des Trainingsrückstandes spielte der 33 Jahre alte Routinier seine Stärke auf dem Rad aus und ging nach seiner Alleinfahrt durch die Lavalandschaft mit einem Vorsprung von drei Minuten auf Hellriegel in den Marathonlauf. "Mir war nicht bange. Ich habe damit gerechnet, daß ich Jürgen beim Laufen einholen kann", sagte Hellriegel.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht dem Ziel entgegen

Nach zwölf Kilometern im abschließenden Marathonlauf war es so weit. Hellriegel und Zäck teilten sich drei Kilometer lang die Führungsarbeit, ehe sich der frischer wirkende Hellriegel nach 15 Kilometern langsam distanzierte und mit teils schmerzverzerrtem Gesicht dem Ziel in Kona entgegenlief. Sein Plan war aufgegangen. Nach optimaler Vorbereitung auf Lanzarote und Teneriffa und neuer Zusammenarbeit mit einem Ernährungswissenschaftler hatte er dank seines neuen Spezialrads mit besserer Aerodynamik den Rückstand vor dem Marathon in Grenzen gehalten. 35.000 Dollar Siegprämie waren der verdiente Lohn. Fotos: dpa, Reuters

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Letzte Änderung: 19.10.1997 14:22 von aj