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Leserbrief

Paris und Auxerre: Geschlossen zur Probe

Doping-Skandal erschüttert Frankreich

München (sid) Rund siebeneinhab Monate vor der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land erschüttert ein Doping-Skandal von nicht absehbarer Tragweite den französischen Fußball. Dabei rückt der im Fußballsport eigentlich bislang kaum in Erscheinung getretene Mißbrauch von anabolen Steroide in den Mittelpunkt. Allein drei Urinproben von Erstligaspielern, die auf Veranlassung des französischen Gesundheitsministeriums abgenommen wurden, wiesen Rückstände muskelaufbauender Wirkstoffe auf. Positiv getestet wurde in diesem Zusammenhang auch der noch bei der kürzlich beendeten Judo-WM mit Silber dekorierte Franzose Djamal Bouras.

Zu den drei betroffenen Spielern gehört unter anderem Vincent Guerin (Foto) vom Tabellenführer Paris St. Germain. Trotz der 1:5-Niederlage im Champions-League-Spiel bei Bayern München war deshalb "Doping" das Thema Nummer eins bei den Franzosen am Mittwoch abend. Guerin: "Ich habe am Mittwoch nachmittag im Hotel davon erfahren. Meine Frau hat mich angerufen, als sie die Post geöffnet hatte. Wäre nicht sie am Telefon gewesen, hätte ich das alles für einen schlechten Scherz gehalten." Sowohl Guerin als auch die PSG-Funktionäre ergingen sich in den üblichen Unschuldsbeteuerungen. Der 31jährige Abwehrspieler, der nach dem Spiel Nantes - Paris vom 5. Oktober positiv getestet worden war, erklärte: "Ich würde eher meine Karriere beenden, als mich zu dopen. Wenn ich gedopt war, war es die ganze Mannschaft."

Paris-Präsident Michel Denisot stieß ins gleiche Horn und kündigte an, die gesamte Mannschaft zu einem kollektiven Dopingtest zu schicken: "Ich kenne Vincent seit sechseinhalb Jahren. Er ist ein untadeliger Sportler." Auch Guy Roux, Trainer von AJ Auxerre kündigte an, die gesamte Mannschaft zum Dopingtest zu schicken. Sein Spieler Antoine Sibierski wurde ebenso als "positiv" angeprangert wie David Arribage vom FC Toulouse. Denisot erwartet dennoch "in den nächsten Tagen noch ein Dutzend weiterer Fälle."

"Zu viele Energie-Riegel können schon die Doping-Bestimmungen verletzen."

Damit setzt sich in Frankreichs Fußball die leidvolle Geschichte von Dopingverstößen fort. Als letzte prominente Sünder waren die beiden Nationaltorhüter Bernard Lama (zuletzt Paris St. Germain) und Fabien Barthez (AS Monaco) wegen des in Frankreich strafbaren Haschisch-Konsums gesperrt worden. Zuletzt tauchten zudem bereits auch schon Fälle von Anabolika-Mißbrauch auf. Anfang des Monats war Angreifer Cyrille Pouget vom AC Le Havre wegen der Einnahme des Steroids Nandrolon aufgefallen. Wegen des Konsums des gleichen Mittels war in der vergangenen Saison Mittelfeldspieler David Garcion (OSC Lille) für neun Monate gesperrt worden.

Auch beim Mißbrauch von Stimulanzien fielen französische Spieler auf. Im Mai dieses Jahres war unter anderem der frühere französische Fußballer des Jahres, Stephane Paille, nach der erwiesenen Einnahme eines Amphetamins beim schottischen Klub Heart of Midlothian gefeuert worden. Und bereits 1994 hatten sich unter anderem Stephane Ziani (SEC Bastia) sowie der frühere Nationalspieler Jose Toure (in einer Autobiographie) selbst des Dopings bezichtigt. Mittlerweile stellt man sich in Frankreich die Frage, ob der Doping-Sumpf nur auf das eigene Land begrenzt ist. Oder aber, ob im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Frankreich "falsche" Richtlinien oder Meßwerte zu Grunde gelegt werden. Der Arzt der französischen Fußball-Nationalmannschaft, Jean Marcel Ferret, bemerkt dazu: "Zu viel Energie-Riegel oder zu viel Mineralwasser können schon die Doping-Bestimmungen verletzen." Rainer Kalb; Foto: dpa

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Letzte Änderung: 23.10.1997 16:07 von jp