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Ermittlungen nach tödlichen Schüssen auf Rekruten:

Jäger hielt Schatten für Wildschwein

Projektil soll Klarheit über Unfall bei Bundeswehr-Schießübung schaffen

Regensburg/Soltau (AP) - Zu den beiden tödlichen Unfällen mit Bundeswehrsoldaten laufen die Ermittlungen der Justiz auf Hochtouren. Gegen den Hobbyjäger, der in einem Wald im Landkreis Regensburg versehentlich einen 23jährigen erschoß, wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Der Rentner hatte den Schatten des Rekruten für ein Wildschwein gehalten. Im Fall des Unglücks auf dem Truppenübungsplatz Bergen soll das inzwischen aus der Leiche des 19jährigen Wehrpflichtigen Aufschluß darüber geben, wer den tödlichen Schuß abfeuerte.

Wie Oberstaatsanwalt Reimar Popken von der Staatsanwaltschaft Verden erklärte, verblutete der Rekrut aus Leipzig an einem Schuß in die Hauptschlagader. Die beiden Wehrpflichtigen, die bei einer Übung zu früh gefeuert hatten, wüßten nicht, wer den tödlichen Schuß abgegeben habe. Sie müßten mit Anklagen wegen fahrlässiger Tötung oder fahrlässiger Körperverletzung rechnen. Die Rekruten seien nicht in Haft genommen worden. Bei dem Unfall war auch ein 26jähriger Zeitsoldat schwer verletzt worden.

Nach den Ermittlungen der Polizei war die siebte Kompanie des Luftwaffenausbildungsregiments 1 aus Goslar am Mittwoch abend in zwei Reihen zu dem Gefechtsschießen mit G3-Sturmgewehren angetreten. Gegen 21.00 Uhr feuerten plötzlich zwei Soldaten in der zweiten Reihe. Sie hätten irrtümlich angenommen, sie seien nicht mehr in der Wartestellung, sondern schon in der Gefechtsbahn, erklärte der Sprecher. Die Projektile trafen zwei Soldaten der ersten Reihe.

Jäger wieder auf freiem Fuß

Der vorübergehend festgenommene Hobbyjäger aus dem Großraum Garmisch-Partenkirchen wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, wie Oberstaatsanwalt Peter Schuchardt in Regensburg sagte. Der Mann hatte am Donnerstag in einem Waldstück bei Hemau in der Oberpfalz zwei Futterstellen für Schwarzwild besichtigt und dabei festgestellt, daß eine leergefressen war. Als er daraufhin mit seinem Jeep seinen Revierweg entlangfuhr, bemerkte er in etwa 70 Metern Entfernung eine Bewegung im Unterholz und sah nach eigenen Angaben einen dunklen Fleck. Laut Polizeibericht schoß er sofort mit seiner Bockbüchsflinte auf das vermeintliche Wildschwein.

Der dunkle Fleck war jedoch der in Deckung liegende 23jährige Bundeswehrsoldat, der als Angehöriger der sechsten Kompanie des Gebirgsjägerinstallationsbataillons 8 an einer Orientierungsübung teilnahm. Er wurde in den Kopf getroffen und war auf der Stelle tot. Der Jäger erlitt einen Schock und mußte vor seiner Festnahme zunächst ärztlich behandelt werden.

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Letzte Änderung: 24.10.1997 16:40 von aj