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Leserbrief

. . . Gericht Fall Kim Kerkow auf

Danach ist die Öffentlichkeit von allen Teilen der Verhandlung ausgeschlossen, die den Sexualbereich betreffen. Öffentlich verhandelt werden sollen dagegen die Einlassungen zur Biographie des Angeklagten, die Abläufe des Verbrechens, die schon mit einem früheren Urteil bestrafte Ermordung der kleinen Sylke Meyer sowie Plädoyers, Schlußwort des Angeklagten und die Urteilsverkündung.

Nach der Verlesung der Anklage und einer kurzen Prozeß-Unterbrechung kam der Angeklagte selbst zu Wort. Mit der Bitte darauf, Rücksicht auf seine Aufregung zu nehmen, und dem Hinweis, letztlich könne er seine Taten selbst nicht verstehen, schilderte er 45 Minuten lang seinen Lebenslauf. Der 34jährige berichtete von seinem Aufenthalt als Kind in einem Heim, das später wegen schlechter Führung geschlossen worden sei. Schon früh habe er viele Ängste und Selbstzweifel gehabt und im Alter von elf oder zwölf Jahren erstmals Gewaltphantasien entwickelt, gegen die er sich nicht habe wehren können.

Keine Therapie in Jugendhaftanstalt

Sehr flüssig erzählte der Angeklagte dann von seiner Schulzeit und dem Umzug der Eltern ins niedersächsische Horumersiel, wo er schnell Freunde gefunden habe. Nach dem Hauptschulabschluß allerings habe er nicht gewußt, wie es weitergehen solle. "Da passierte auch die Sache mit Sylke." Im Januar 1979 hatte er in seinem damaligen Heimatort die 12jährige Sylke Meier getötet.

Zu seiner ersten Verhaftung und der folgenden Zeit in der Jugenstrafanstalt sagte Diesterweg, er sei zwar von einem Psychologen begutachtet worden, man habe ihm aber keine Therapie angeboten. "Ich habe nicht gewußt, daß ich eine gebraucht hätte", fügte er hinzu.

Offenbar machtlos gegen Gewaltphantasien

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis 1984 begann er eine Lehre als Buchhändler in Limburg und lernte seine spätere Lebensgefährtin, eine Kollegin mit zwei kleinen Kindern, kennen. Die folgende Zeit beschrieb er als sehr glücklich. Irgendwann habe er aber wieder Gewaltphantasien entwickelt. Dies sei immer dann passiert, wenn er innere Konfikte gespürt habe, sagte Diesterweg. Im Grunde sei er aber ein friedliebender Mensch.

1996 nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin habe er berufliche Probleme bekommen. Er veruntreute Geld an seinem Arbeitsplatz, wurde entlassen, versuchte sich als Kaufmann, aber auch das sei schiefgegangen. Private Schulden und starker Kokainkonsum hätten dann zum "völligen Zusammenbruch" und zu der Tat geführt, sagte er mit tränenerstickter Stimme. Daraufhin wurde die Sitzung für 45 Minuten unterbrochen.

Demonstranten: "Opferschutz statt Täterschutz"

Bereits eine Stunde vor Beginn des Prozesses, zu dem rund 100 Medienvertreter angereist waren, hatten sich zahlreiche Demonstranten verschiedener Bürgerinitiativen vor dem Gericht versammelt. Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie "Opferschutz statt Täterschutz" oder "Gegen Gewalt und Mißbrauch von Kindern, es ist fünf vor zwölf". Die Polizei traf strenge Sicherheitsvorkehrungen. Knapp 30 Beamte sperrten die Straße vor dem Gerichtsgebäude ab, wo auch Barrieren aus Metallgittern und Ketten errichtet wurden. Ungewöhnlich groß war auch der Andrang der Zuschauer. Nur 40 von ihnen konnten wegen des begrenzten Platzes eingelassen werden. Foto: Reuters

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Letzte Änderung: 30.10.1997 18:06 von aj