Gigantischer Dammbau für 600 Kilometer langen Stausee:China staut den Jangtse-Fluß - Umsiedlungshilfen versickern![]() Yinxingtuo (AP) - Cui Shanchang blickt aus seinem alten Bauerhaus auf den Fluß Jangtse. Mandarinenbäume säumen das Grundstück in dem Dorf Yinxingtuo - dort wo er vor 65 Jahren geboren wurde. Die Tage in seinem Haus sind gezählt, denn bald wird es ein Opfer der Fluten. Die Überschwemmung des Dorfes, in dem heute noch gut 1.000 Menschen leben, wird von Menschenhand gesteuert. Am Donnerstag wollen die chinesischen Ingenieure damit beginnen, den Fluß für den Bau eines gigantischen Damms zu stauen. Wenn das Projekt 2009 beendet ist, wird ein 600 Kilometer langer Stausee entstehen. Die Staumauer soll 176 Meter hoch und 1,9 Kilometer lang werden. 26 Generatoren sollen dann den Strom für die boomende chinesische Volkswirtschaft liefern. "Wir werden den Jangtse erobern", formuliert es Shen Wenfu von der Projektgesellschaft des Drei-Schluchten-Dammes. Schon der Revolutionsführer und Staatsgründer des kommunistischen Chinas, Mao Tse Tung, schrieb in einem Gedicht über die Wände aus Stein, die "die Wolken und den Regen zurückhalten, bis ein See sich in den engen Schluchten erhebt".
4500 Dörfer werden umgesiedeltDie Kritiker sehen das Staudamm-Projekt weniger poetisch. Sie verweisen auf die immensen Auswirkungen auf Mensch und Natur: Eine Million Menschen aus 153 Städten und 4.500 Dörfern müssen umgesiedelt werden. Tausende Schulen, Fabriken, Büros und Bergwerke werden für immer geschlossen. Umweltschützer verweisen auf heute noch nicht zu übersehende Auswirkungen des Eingriffs in die Natur. Eine Anzahl kleinerer Staudämme würde Mensch und Natur weniger belasten als das Mammutprojekt, argumentieren sie.
Umsiedler erhalten moderne HäuserDie chinesische Führung dagegen sagt, daß mit der Umsiedlung von einer Million Menschen 15 Millionen Chinesen im Unterlauf des Jangtse vor Überschwemmungen in der Regenzeit geschützt werden. Die mit dem Bau befaßten Behörden verweisen außerdem auf großzügige Umsiedlungshilfen und moderne Häuser in den neuen Dörfern. So wird Cui in ein Haus mit einer Toilette und fließendem Wasser ziehen - ein Luxus im ländlichen China.
"Jeder nimmt sich ein bißchen"Seine Frau ist dennoch skeptisch. Der finanzielle Ausgleich sei viel zu gering, sagt Song Xingzhi. Der Lastwagenfahrer Qu Wanhua beschwert sich darüber, daß die Hilfsgelder in dunklen Kanälen versickerten. "Jeder nimmt sich ein bißchen. Der Bürgermeister nimmt sich etwas, der Stellvertreter nimmt sich etwas und der Parteisekretär des Dorfes bedient sich." Archivfoto: AP
Letzte Änderung: 31.10.1997 16:37 von aj |