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Die wichtigste Bonner Geldquelle nach Lohnsteuer

Die Mehrwertsteuer belastet Haushalte fast gleichmäßig

Bonn (AFP) - Zur Entlastung der Rentenkasse hat die Bonner Koalition am Freitag im Bundestag eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 15 auf 16 Prozent beschlossen. Der SPD-dominierte Bundesrat muß dem allerdings noch zustimmen. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin träfe eine Anhebung der Mehrwertsteuer alle Haushalte "nahezu gleichmäßig". Voraussetzung ist jedoch, daß nur der Normalsatz der Mehrwertsteuer erhöht wird, nicht aber der ermäßigte Satz von sieben Prozent, der für Güter des Grundbedarfs wie Lebensmittel gilt.

Das DIW verglich für seine Studie die Mehrwertsteuer-Belastung von drei Haushaltstypen im Jahr 1994: Zwei-Personen-Haushalte von Rentnern und Sozialhilfeempfängern mit geringem Einkommen, Vier-Personen-Haushalte von Arbeitern und Angestellten mit mittlerem Einkommen sowie Vier-Personen-Haushalte von Angestellten und Beamten mit höherem Einkommen.

Dabei zeigte sich, daß Haushalte mit mittlerem Einkommen vergleichsweise am stärksten durch die Mehrwertsteuer belastet sind. In den alten Ländern entfielen 6,3 Prozent des verfügbaren Einkommens dieses Haushaltstyps auf Mehrwertsteuer, in den neuen Ländern 7,5 Prozent. Bei Haushalten mit geringem Einkommen machte die Mehrwertsteuerbelastung im Westen 6,1 Prozent und im Osten 7,1 Prozent aus. Bei Haushalten mit höherem Einkommen betrug sie 5,9 Prozent im Westen und und 7,1 Prozent im Osten. Eine Anhebung der Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt würde sich dem DIW zufolge wegen der unterschiedlichen Ausgabenstruktur der drei untersuchten Haushaltstypen relativ gleichmäßig auswirken.

237 Milliarden Mark Einnahmen in 1996

Die relativ geringe Mehrwertsteuer-Belastung von Haushalten mit niedrigem Einkommen erklärt sich daraus, daß sie einen größeren Teil ihres Einkommens für Miete und Lebensmittel verwenden. Wohnungs- und Garagenmieten sind nicht mehrwertsteuerpflichtig, für Lebensmittel gilt der verringerte Steuersatz. Mit steigendem Einkommen wird mehr Geld für Konsumgüter des gehobenen Bedarfs ausgegeben, für die der volle Mehrwersteuersatz zu entrichten ist. Die durchgehend höhere Mehrwertsteuerbelastung der ostdeutschen Haushalte ergibt sich daraus, daß dort der Anteil der steuerfreien Verbrauchsausgaben wie etwa für Mieten noch relativ gering ist.

Mit wenigen Ausnahmen fällt für alle Güter und Dienstleistungen die Mehrwert- beziehungsweise Umsatzsteuer an. Sie wird vom Verbraucher auf dem Umweg über den Unternehmer gezahlt, ist also eine indirekte Steuer. Die Mehrwertsteuer gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen des Staates: 1996 brachte sie 237 Milliarden Mark ein, nur die Lohnsteuer lag mit gut 250 Milliarden Mark noch darüber. Grafik: dpa

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Letzte Änderung: 31.10.1997 16:08 von aj