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Leserbrief

Die unendliche Geschichte des Bernard Lama

Jetzt nach Istanbul?

Paris (dpa) - Der Auftritt von Christophe Revault vor 14 Tagen im Münchner Olympiastadion war mehr als peinlich. Der Torwart von Paris St. Germain lud die Bayern mit seinen eklatanten Fehlern förmlich zum Schützenfest ein. Dennoch bleibt er bei den Franzosen die Nummer eins zwischen den Pfosten. Eigentlich verwunderlich, denn da steht ja noch ein gewisser Bernard Lama auf der Gehaltsliste des Klubs, immerhin Nationaltorhüter der "Equipe tricolore". Der für seine Eskapaden bekannte Schlußmann ist nach dem "Sommertheater" ("L'Equipe") um einen Vereinswechsel bei seinem Klub jedoch in Mißkredit geraten und wurde auch für die Champions League nicht gemeldet.

Die Gerüchte um einen Transfer Lamas reißen seit dem Frühjahr nicht ab und lesen sich wie eine unendliche Geschichte. Vor etwa einem halben Jahr hatte der seit 1992 in Diensten von Paris St. Germain stehende Keeper geäußert, er wolle "die Welt kennenlernen bei einem ausländischen Verein". Renommierklubs wie Real Madrid, der FC Barcelona oder der AC Mailand standen ganz oben auf der Wunschliste des Torwarts. Doch ein Wechsel kam nicht zustande, obwohl sich Lamas Arbeitgeber für den Keeper mit einer Ablösesumme von rund 2,4 Millionen Mark begnügt hätte. Ein Schnäppchen sozusagen. Doch die Spitzenklubs wollten nicht, da sie bereits Klasseleute unter Vertrag hatten. Die Gerüchte um einen Weggang Bodo Illgners bei Real Madrid halfen Lama auch nicht weiter.

Vergangenheit abschreckend

Ein Hindernis bei seinen Absichten war sicher Lamas Doping-Vergangenheit. Wegen Cannabis-Genuß wurde dem Torhüter vom nationalen Verband eine viermonatige Sperre aufgebrummt. Obwohl diese nur für Frankreich galt, wurden ausländische Interessenten abgeschreckt. Lama blieb förmlich in Paris sitzen. Seinen Platz zwischen den Pfosten hatte der inzwischen von Le Havre gekommene Revault eingenommen. Französische Klubs wie Bordeaux und Rennes, die Lama wollten,
schreckte er mit hohen Gehaltsforderungen ab. Sogar Nationaltrainer Aime Jacquet wurde das Ganze irgendwann zu bunt. "Wenn du bis Januar nicht spielst, kannst du die WM vergessen", drohte er unmißverständlich seiner Nummer eins. Dann kamen die Glasgow Rangers als möglicher neuer Klub ins Gespräch. Doch die Schotten winkten rasch ab: "Ein Exzentriker genügt uns vollkommen." Gemeint war Paul Casgoigne. Lama hielt sich derweil mit Einzeltraining in Schuß. Mit der Mannschaft trainieren wollte er nicht, um "Revault nicht zu stören", wie es offiziell hieß.

"Die Türken sind sehr schnell"

Jetzt meldete Galatasaray Istanbul die Verpflichtung Lamas. Bereits am kommenden Samstag soll der Schlußmann gegen Trabzonspor spielen. Der Vertrag soll bis zum 30. Mai 1998 laufen und Lama 200.000 Dollar (etwa 340.000 Mark) Gehalt garantieren. Zusätzlich soll er 10.000 Dollar pro Spiel bekommen. Paris St. Germain würden 450.000 Dollar überwiesen. Doch Lama zögert noch. "Die Türken sind sehr schnell. Unterschrieben ist noch gar nichts. Es gibt noch einiges zu klären, doch warum nicht Galatasaray?" So viel hat Lama in den letzten Wochen nie über einen Transfer geredet. Für die "L'Equipe" das Zeichen, daß es diesmal klappt und das "Sommertheater" ein Ende findet. Andre Heinen

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Letzte Änderung: 05.11.1997 16:20 von jp