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Volksfeststimmung nach dem Pokalgewinn

Schulfrei fürs Finale

Dortmund (dpa) - Viele Dortmunder Pädagogen hatten am Dienstag ein Herz für den fußballverrückten Nachwuchs. Zum Weltpokal-Finale des Champion-League-Siegers Borussia Dortmund gegen Belo Horizonte gab es schulfrei.

Und da das Taschengeld in der Regel nicht für den Flug nach Tokio ausreichte, strömten große und kleine BVB-Fans ins heimische Dortmunder Westfalenstadion, um dort eine Fußballfete vor gewohnter Kulisse zu feiern. Enttäuscht war, wer die übliche Großleinwand der vergangenen Finalschlager erwartet hatte. Eine Reihe von Fernsehmonitoren in den Tribünengängen sollte das Live-Erlebnis ersetzen.

Vom enormen Andrang überrascht

Bei zahlreichen der rund 2.000 Fans, die mit schwarz-gelben Schals und Zipfelmützen den frostigen Dezembertemperaturen trotzten, machte sich Enttäuschung breit: "Ist das etwa alles?" schmollte die 13jährige Julia, die obendrein bei der Jagd auf die kostenlos verteilten Trikots erfolglos geblieben war. Leichte Fassungslosigkeit auch bei den Ordnern, die mit so einem Andrang nicht gerechnet hatten. "Wir hatten nur 25 Leute für den Dienst eingeplant", stöhnte ein Ordner, der sich hektisch um Verstärkung bemühte. "Das ist doch völlig unverantwortlich von den Lehrern, wenn die sich mit Zweitklässlern mitten ins Gedränge stürzen."

Mitfiebern im Büro

Noch schwieriger als für die Schüler war es für die arbeitenden BVB-Fans, "am Ball" zu bleiben. Wer konnte, drehte das Radio im Büro auf oder schaltete das TV ein. Auch auf dem Weihnachtsmarkt "outeten" sich viele Standbetreiber als BVB-Fans, während Dorothee Verheul von der Lebensmittelüberwachung des Dortmunder Ordnungsamts trotzig ihre Schalke-Tasse auf dem Schreibtisch plazierte.

Fußball-Auszeit beim Glühwein

Aber auch ohne Direktübertragungen in der Kneipe oder am Arbeitsplatz funktionierte die Flüsterpropaganda. Das 1:0 durch Michael Zorc machte in der Dortmunder Fußgängerzone schnell die Runde. Demonstrierende Studenten vergaßen für ein paar Minuten ihre Sorgen um schlecht ausgerüstete Bibliotheken und überfüllte Seminare. La-Ola-Wellen unterbrachen das eben geknüpfte "Band der Solidarität", die Demonstranten nahmen eine Fußball-Auszeit, um bei Glühwein und heißem Kakao vom Weihnachtsmarkt zu feiern.

"Wir haben den Pott!"

Nach dem Abpfiff in Tokio ging es trotz der unterkühlten Temperaturen nicht nur im Westfalenstadion "heiß" her. Für den traditionellen Autokorso zum Borsigplatz war es zwar noch zu früh, doch immer wieder skandierten fahnen- und schalschwenkende Fans: "Wir haben den Pott." Lebkuchenherzen mit gelbem Zuckerschriftbekenntnis: "Mein Herz schlägt für den BVB" waren gefragter denn je. Ausgerechnet ein Berufsborusse stimmte in die allgemeinen Jubelszenen nicht ein: Der langzeitverletzte Abwehrspieler Rene Schneider wurde zur Zeit der Fernseh-Übertragung beim Einkauf in der Innenstadt gesichtet. Von Eva Krafczyk, dpa

Letzte Änderung: 02.12.1997 15:02 von ar
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