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Sexualmord an Natalie gestanden

Vater geht auf Angeklagten los - Mahnwache vor dem Gericht

Augsburg (AP) - Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten hat am Dienstag vor dem Augsburger Landgericht der Prozeß um den Sexualmord an der siebenjährigen Natalie Astner begonnen. Der 29jährige Armin Schreiner (Foto) gab unter Schluchzen zu, die Erstkläßlerin am Morgen des 20. September 1996 in der Nähe ihres Elternhauses in Epfach in Oberbayern entführt, sexuell mißbraucht und ermordet zu haben. "Die Tat tut mir schrecklich leid." Er würde sein Leben hergeben, um sie rückgängig zu machen, sagte Schreiner.

Als der Angeklagte seine verzweifelte Situation zum Tatzeitpunkt schilderte, verlor Natalies Vater im Gerichtssaal die Beherrschung. "Diese dreckige Heuchelei halte ich nicht aus! Du dreckiges Schwein!", brüllte Hannes Astner und versuchte, sich auf den hinter Panzerglas abgeschirmten Angeklagten zu stürzen. Mehrere Polizisten hielten ihn zurück und drängten ihn aus dem Saal. Die Verhandlung mußte für mehrere Minuten unterbrochen werden. Die Eltern des Kindes, die in dem Prozeß als Nebenkläger auftreten, kehrten danach zunächst nicht mehr in den Saal zurück.

Schreiner schilderte Tatablauf

Schreiner schilderte vor der Achten Strafkammer detailliert den Tatablauf. Am Abend vor der Tat habe er wegen Liebeskummers unter Depressionen gelitten und einen Pornofirm gesehen. Er gab zu, danach erregt gewesen zu sein von dem Gedanken, einem Menschen Gewalt anzutun. In den Morgenstunden des 20. Septembers 1996 sei er dann mit einem gestohlenen Auto losgefahren.

In Epfach im Landkreis Landsberg stieß der Autoelektriker nach eigenen Angaben zufällig auf Natalie, die auf dem Weg zur Schule war. Er zerrte die Schülerin in den Kofferraum seines Wagens, fuhr zu einer Wiese und verging sich an ihr. "Das Mädchen schrie auf und wimmerte", sagte Schreiner. Als er bemerkt habe, daß Natalie ihm nach der Tat ins Gesicht blickte, sei "irgendetwas in meinem Gehirn explodiert". Er habe sie am Hals gepackt. "Dann verkrampften sich meine Hände, und ich zog zu." Danach warf Schreiner das bewußtlose Mädchen in den Lech, wo es ertrank.

Demonstranten fordern Sicherungsverwahrung

Der Prozeß fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Gegen Schreiner waren vorher Morddrohungen eingegangen. Nach Angaben des Gerichtspräsidenten war eine Hundertschaft von Polizisten im Einsatz, um einen störungsfreien Ablauf der Verhandlung sicherzustellen. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten zahlreiche Bürger für einen besseren Schutz von Kindern vor Sexualstraftätern.

Allein aus Natalies oberbayerischen Heimatort Epfach waren 25 Mitglieder der örtlichen Bürgerinitiative mit einem Bus angereist. Die Demonstranten ließen schwarze Luftballons steigen und schwenkten Transparente, auf denen unter anderem zu lesen war: "Richter und Gutachter produzieren Wiederholungstäter" oder, "Opferschutz vor Täterrecht". Natalies Großvater forderte vor Journalisten eine harte Strafe für Schreiner: "Der darf nicht mehr rauskommen, der muß hinter Gittern sterben", sagte Erich Kettner. "Therapie heißt Heilung - für so einen gibt es keine Heilung."

Lothar Ostermüller, Vorsitzender des bundesweiten Dachverbandes von zwölf Bürgerinitiativen, appellierte an die Richter, den Strafrahmen voll auszuschöpfen. Das Gericht müsse Sicherungsverwahrung für den Täter anordnen, "um unter allen Umständen zu verhindern, daß er in die Lage versetzt wird, wieder ein Kind umzubringen". Der Fall Natalie hatte eine bundesweite Debatte um einen besseren Schutz von Kindern vor Sexualtätern ausgelöst, die Mitte November zu einer Verschärfung des Sexualstrafrechts führte.

Letzte Änderung: 02.12.1997 12:58 von aj
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