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  • Legende: Fantomas und Dr. Mabuse in einer Person
  • Blutspur: Serie von Anschlägen in den 70er und 80er Jahren
  • Komplize: Johannes Weinrich steht seit 1996 vor Gericht
  • Nach jahrzehntelanger Flucht

    Carlos erstmals vor Gericht

    Internationaler Terrorist muß sich in Paris verantworten

    Paris (AFP) - Mehr als zwei Jahre nach seiner Festnahme muß sich der jahrelang weltweit gesuchte Terrorist Carlos von Freitag an erstmals vor Gericht verantworten. Dem Venezolaner - mit richtigem Namen Illich Ramirez Sanchez - wird vor dem Schwurgericht Paris wegen dreifachen Mordes der Prozeß gemacht. Die Liste der Verbrechen, die dem heute 48jährigen zur Last gelegt werden, ist aber viel länger. Zusammen mit seinen Komplizen überzog er in den 70er und 80er Jahren Westeuropa mit einer Serie blutiger Anschläge. Mindestens 20 Menschen wurden dabei getötet.

    In den meisten Fällen laufen die Ermittlungen noch. Die Justiz in Frankreich, aber auch in Deutschland und Österreich erhofft sich von dem Prozeß Aufschluß über die Gewaltverbrechen. Das Urteil soll noch vor Weihnachten gesprochen werden.

    Der Fall, der nun in Paris verhandelt wird, beschäftigte die französische Justiz bereits 1992: Damals wurde Carlos in Abwesenheit für schuldig befunden, im Juni 1975 zwei Agenten des französischen Geheimdiensts DST sowie einen libanesischen Informanten erschossen zu haben. Die beiden Agenten hatten versucht, den Venezolaner in seiner Pariser Wohnung festzunehmen. Carlos erhielt im ersten Prozeß eine lebenslange Haftstrafe. Nach französischem Recht muß das Verfahren jetzt aber im Beisein des Angeklagten neu aufgerollt werden. Der Prozeß findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Sicherheitskräfte um den Pariser Justizpalast wurden nochmals um 75 Polizisten verstärkt.

    Festnahme oder "Entführung"?

    Die Umstände, unter denen Carlos im August 1994 in der sudanesischen Hauptstadt Khartum überwältigt und dann vom Geheimdienst DST nach Frankreich gebracht wurde, sind noch immer nicht geklärt. Die Verteidigung spricht von einer "Entführung", weil es keinen französischen Haftbefehl gab. Es wird damit gerechnet, daß Carlos die Tat bestreitet und zu Prozeßbeginn die Aufschiebung des Verfahrens beantragt. Nach Angaben seiner Hauptverteidigerin, Isabelle Coutant-Peyre, behauptet Carlos, er sei bei der Schießerei 1975 Opfer einer "Staatsaffäre" geworden. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad habe damals mit der Aktion versucht, einen Bruch zwischen Frankreich und den Palästinenserorganisationen im Nahen Osten zu provozieren.

    Sohn eines reichen kommunistischen Anwalts

    Carlos kam am 12. Oktober 1949 in Caracas als Sohn eines reichen kommunistischen Anwalts zur Welt. Nach Studienjahren in London und Moskau zog er 1970 an der Seite der Palästinenser in den jordanischen Bürgerkrieg. Danach verlegte er seinen Stützpunkt wieder nach Europa und begann mit der Anschlagsserie. Die ersten Attentate ereigneten sich in London und Paris. Weltweit bekannt wurde Carlos mit der spektakulären Geiselnahme von mehr als 70 Menschen im Wiener Hauptquartier der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) im Dezember 1975. Danach tauchte er ab.

    Rachefeldzug gegen Frankreich

    Erst nach der Verhaftung seiner späteren deutschen Ehefrau Magdalena Kopp und eines Schweizer Komplizen im Februar 1982 in Paris trat er wieder in Erscheinung und startete einen Rachefeldzug gegen Frankreich, dem insgesamt zehn Menschen zum Opfer fielen. In Deutschland wird die Carlos-Gruppe für die Anschläge auf den US-Rundfunksender "Radio Free Europe" in München 1981 und das französische Kulturzentrum "Maison de France" in West-Berlin 1983 verantwortlich gemacht. Ende 1983 erließ die deutsche Justiz einen internationalen Haftbefehl gegen Carlos. Ebenso wie die österreichischen Behörden hat sie aber keinen Auslieferungsantrag gestellt.

    Kontakte zur RAF

    Carlos hatte Kontakte zur westdeutschen Roten Armee Fraktion (RAF) und arbeitete mit der Stasi in Ostberlin zusammen. Derzeit wird seinem mutmaßlich wichtigsten Komplizen, dem Deutschen Johannes Weinrich, in Berlin der Prozeß gemacht. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, daß die lebenslange Haftstrafe im neuen Prozeß bestätigt wird. Wegen der anderen Anschläge auf französischem Boden soll er später vor ein Pariser Sondergericht gestellt werden. Einen Termin dafür gibt es aber noch nicht. Archivfoto: AP

    Letzte Änderung: 11.12.1997 16:25 von aj
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