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Johannes Weinrich

Carlos-Komplize vor Gericht

Prozeß um Anschlag auf Kulturzentrum "Maison de France"

Berlin (AFP) - Die Spur des Terroristen Carlos, dem von Freitag an in Paris der Prozeß gemacht wird, führt auch nach Deutschland: Sein wichtigster Komplize war der Deutsche Johannes Weinrich, der 1995 in Jemen festgenommen und an die Bundesrepublik ausgeliefert wurde. Der heute 50jährige muß sich seit Februar 1996 wegen Mordes vor dem Landgericht Berlin-Moabit für den Anschlag auf das französische Kulturzentrum "Maison de France" in West-Berlin von 1983 verantworten.

Dabei waren ein Mensch getötet und 23 verletzt worden. Der Prozeß, der unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, kommt nur schleppend voran: Ein Urteil ist auch nach mehr als 20monatiger Verhandlungsdauer nicht in Sicht.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, daß die Carlos-Gruppe den Anschlag mit Hilfe der Ost-Berliner Stasi verübte, die dafür den Sprengstoff geliefert haben soll. Weinrich soll den Sprengstoff zündfähig gemacht und mit Billigung des mitangeklagten Syrers Nabil S. in den Räumen der syrischen Botschaft in Ost-Berlin gelagert haben. Gegen Carlos - mit richtigem Namen Illich Ramirez Sanchez - wurde wegen dieses Anschlags auch in Deutschland Haftbefehl erlassen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte die Carlos-Gruppe eine Reihe von in Frankreich inhaftierten Kampfgefährten freipressen, darunter auch Carlos' spätere Ehefrau Magdalena Kopp.

Verteidigung sorgte für Wirbel

Nachdem der Prozeß gegen Weinrich monatelang ohne größeres Aufsehen vonstatten ging, sorgte die Verteidigung im September dieses Jahres für einigen Wirbel: Die Anwälte des Angeklagten behaupteten, der mutmaßliche Drahtzieher eines anderen Attentats, des Anschlags auf die Berliner Diskothek "La Belle" habe sich in den 80er Jahren auch zum Anschlag auf das "Maison de France" bekannt. Bei seinem Auftritt als Zeuge im Weinrich-Prozeß bestritt der Palästinenser Jassir Chraidi dies jedoch.

Ermittlungen zu drei weiteren Anschlägen

Auch im Zusammenhang mit drei weiteren Anschlägen wird in Deutschland gegen Weinrich ermittelt. Dabei geht es um den Anschlag auf zwei israelische Verkehrsmaschinen am Pariser Flughafen Orly 1975, das 1981 verübte Attentat auf den US-Auslandssender "Radio Free Europe" in München und einen Angriff auf den saudi-arabischen Botschafter in Athen 1983. Zumindest 1975 und 1981 arbeitete Weinrich nach Überzeugung der Ermittler dabei Hand in Hand mit Carlos. Carlos wurde 1994 in Sudan unter ungeklärten Umständen festgenommen und vom französischen Geheimdienst nach Frankreich gebracht.

Letzte Änderung: 11.12.1997 16:24 von aj
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