IVWPixel Zählpixel

Protest gegen Fina-Entscheidung eingereicht

DSV-Schwimmer im Doping-Loch

Untersuchung gegen Hoffmann - Athleten bestürzt

Perth (dpa) - Deutschlands Schwimmer sind einen Tag vor Eröffnung der Weltmeisterschaften im australischen Perth in ein tiefes Doping-Loch gefallen.

Nachdem am Sonntag der Weltverband Fina dem deutschen Teamchef Winfried Leopold wegen Verstrickung in die Doping-Vergangenheit der DDR die WM-Akkreditierung entzogen hatte, kündigte die Fina am Montag Untersuchungen gegen den Potsdamer Ex-Weltmeister Jörg Hoffmann an.

Startverbot nicht ausgeschlossen

Dieser hatte im Sommer in Interviews zugegeben, zu DDR-Zeiten selbst einmal gedopt worden zu sein. Ein Startverbot für Hoffmann ist zwar nicht wahrscheinlich, aber auch nicht mehr auszusschließen. Die deutsche Mannschaft ist total verunsichert, das WM-Klima nach bissigen Angriffen australischer Medien und Trainer völlig vergiftet. Erstmals überhaupt befaßt sich ein internationaler Sportverband mit der Doping-Vergangenheit der DDR.

Gedrückte Stimmung

"Wir sind geschockt und frustriert." So beschreibt Athleten-Sprecher Chris-Carol Bremer die Stimmungslage im Team des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV). "Wir sollen getroffen und geschwächt werden." Auf Wunsch der Mannschaft und der Trainerkollegen kündigte der DSV entgegen ersten Absichten doch Protest gegen den Entzug der Akkreditierung für Leopold an. Mit einem Erfolg rechnet aber niemand. Bremer: "Wir wissen, daß es nichts bringt. Denn die gleichen Leute, die für den Entzug waren, entscheiden jetzt über den Protest." Ohnmacht und Wut bestimmen die Situation. In einer Erklärung forderten die deutschen Schwimmer auf einer Pressekonferenz zu einem gemeinsamen internationalen Kampf gegen das Doping auf.

Unerträgliche Rundumschläge

"Die Rundumschläge vor allem des australischen Cheftrainers Talbot sind nicht mehr zu ertragen", sagte DSV-Präsident Rüdiger Tretow, "die Mannschaft ist tief bestürzt." In den Montag-Ausgaben war Doping-Sünder Hoffmann Riesenschlagzeilen in den Medien wert. Der Potsdamer, der bei seinem Gewinn des WM-Titels 1991 in Perth über 1 500 m Freistil den Australier Perkins bezwungen hatte, hatte im Sommer in Interviews zugegeben, während seiner DDR-Zeit über einen Zeitraum von drei Wochen einmal selbst gedopt worden zu sein. Für Leopold und Hoffmann geht es jetzt nach dem Motto: Die Ehrlichen sind die Dummen. Die Fina hat laut Generalsekretär Gunnar Werner (Schweden) aber "keinen Grund, gegen Hoffmann etwas zu unternehmen". Es fehlt ein positives Doping-Ergebnis. Der DSV wurde erst einmal um Erklärung gebeten.

Verdorbene Geburtstagsfeier

Den Aktiven ist die dramatische Entwicklung dennoch schwer auf den Magen geschlagen. "Im Grunde wird ja nur die Mannschaft bestraft", sagte Bremer. Der Spaß am Feiern war ihm an seinem 27. Geburtstag gründlich verdorben worden. "Ich glaube, daß es einige schon schwer trifft. Jeder versucht auf seine Art, das wegzustecken."

Solidarität übte die Mannschaft mit Teamchef Leopold. Sie forderte den DSV zum Protest gegen die Fina-Entscheidung und Leopold zum Verbleiben in Perth auf. Schwimm-Star Franziska van Almsick brachte es auf den Punkt: "Die Mannschaft soll sich jetzt kämpferisch zeigen und sich absolut hinter Winfried Leopold stellen." Bremer: "Er will die Mannschaft nicht belasten. Aber wir empfinden ihn nicht als Belastung." Leopold, der am Sonntag seine sofortige Rückreise nach Deutschland schon angekündigt hatte, wird bleiben. "Ich kann mich nicht gegen eine klare Willenserklärung des Teams und seiner Leitung aussprechen." Von Richard Janssen und Ralf Jarkowski; Foto: dpa

Letzte Änderung: 05.01.1998 14:24 von ar
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Alles zur Fußball-Bundesliga Alles zur Formel 1 Aktuelle Agenturmeldungen zum Sport Leserbrief schreiben Zur Homepage Sport-Homepage von RZ-Online Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur Homepage