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Happy-End für Karpow

Schach-WM-Titel gegen Herausforderer Anand verteidigt

Lausanne (dpa) - Der Russe Anatoli Karpow hat den Ansturm seines Herausforderers Viswanathan Anand auf seinen Schach-Thron abgewehrt. Mit dem 2:0 im Tiebreak verteidigte der 46jährige am Freitag im Olympischen Museum von Lausanne gegen den 18 Jahre jüngeren Inder den Weltmeister-Titel des internationalen Verbandes Fide und erlebte in dem dramatischjen Finale ein Happy-End. Einen Tag zuvor hatte Anand mit seinem Sieg in der sechsten und letzten Partie mit regulärer Bedenkzeit zum 3:3 ausgeglichen und die Verlängerung erzwungen.

Doch Karpow hatte am Freitag die besseren Nerven. Er gewann das erste Duell im Tiebreak mit kürzerer Bedenkzeit. Anand nutzte eine aussichtsreiche Stellung nicht und schlug auch ein mögliches Remis aus. In der zweiten Partie des Tages riskierte der Inder dann alles. Aber der russische Stratege wehrte die Angriffe ab: "Man darf sich nie aufgeben. Ich hatte vor dem heutigen entscheidenen Kampf ein gutes Gefühl, daß ich Anand auch im Schnellschach schlagen kann."

Karpow kassierte 1,37 Millionen Dollar für seinen Sieg, sein Konkurrent mit Wahl-Heimat Madrid erhielt immerhin noch 768.000 Dollar. Allerdings durften die beiden Spieler die vollen Summen nicht aus der Schweiz mitnehmen. Sie müssen noch mindestens 20 Prozent ihrer Preisgelder wieder an die Fide abgeben.

Kein anderer hat mehr Turniere gewonnen

Für Karpow ist der WM-Sieg die Fortsetzung einer langen und überaus erfolgreichen Karriere - kein anderer Spieler hat mehr Turniere gewonnen als er. 142mal siegte er in Einzel- und Mannschafts-Wettbewerben. 1975 wurde er Weltmeister durch die Disqualifikation des US-Amerikaners Bobby Fischer. Erst 1985 unterlag der unscheinbare Moskauer seinem charismatischen Landsmann Garri Kasparow. Als Kasparow 1993 wegen der Gründung seines Profi-Verbandes PCA aus der Fide ausgeschlossen wurde, erkämpfte sich Karpow den vakanten Titel gegen den Niederländer Jan Timman zurück. Vor zwei Jahren verteidigte er den Titel gegen den US-Amerikaner Gata Kamsky.

Anand mußte sich Recht erkämpfen

Bei seiner Titelverteidigung gegen Anand war Karpow nach Ansicht zahlreicher Experten durch das neue WM-Reglement bevorteilt, mit dem sich Fide-Präsident Kirsan Iljumshinow die baldige Aufnahme in das olympische Programm erhofft. Anand mußte sich seit Anfang Dezember drei Wochen beim Kandidatenturnier in Groningen gegen 96 Konkurrenten das Recht auf die Herausforderung erkämpfen.

Als er nach Lausanne reiste, hatte er bereits 23 Partien gespielt. Wegen dieser Anstrengungen reiste der Großmeister aus Madras nicht als Favorit nach Lausanne, obwohl er in der Weltrangliste weit vor Karpow stand und gegen ihn seit 1991 keine Partie mehr verloren hatte.

Titel ist nicht makellos

Karpow nutzte seinen Vorteil. Gleich in der ersten Partie überraschte er Anand und die Schach-Welt mit Kreativität und Initiative und gewann nach 108 Zügen im längsten Auftakt-Match einer WM. Anand konterte allerdings im nächsten Spiel. Als Karpow in der vierte Partie siegte und zum ersten Mal Anand mit den schwarzen Steinen bezwang, schien die Entscheidung gefallen. Aber erneut wehrte sich Anand im sechsten Spiel.

Karpows WM-Titel ist nicht makellos. Noch immer gilt sein Erzrivale Kasparow als bester Spieler der Welt. Doch wie Karpow hatte auch er bei seiner PCA-Titelverteidigung vor zwei Jahren große Mühe mit Anand. Nach neun Partien lag der Asiate mit 5:4 in Führung, und erst durch zwei grandiose Siege in den letzten beiden Spielen konnte Kasparow den Angriff des Inders abwehren. Fotos: AP

Letzte Änderung: 09.01.1998 17:24 von aj
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