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Die Inquisition:

Das düsterste Kapitel der Kirchengeschichte

Hamburg (dpa) - Die Inquisition, die sich verstärkt seit dem 12. Jahrhundert entwickelte, gilt als dunkelstes Kapitel der Kirchengeschichte. Wer von der Glaubenslehre abwich, wurde als Ketzer vor ein Glaubensgericht gestellt. Die Bestrafung nahmen weltliche Kräfte vor, weil die Kirche keine Blutgerichtsbarkeit ausüben durfte. Seit dem 13. Jahrhundert war die Folter erlaubt. Die Todestrafe durch Verbrennung wurde zum ersten Male durch Kaiser Friedrich II. (1215- 1250) verfügt. Papst Gregor IX. (1227-1241) gründete die päpstliche Inquisiton, die vor allem der Franzikaner- und der Dominikanerorden in vielen Regionen Europas ausführten.

Die Historiker unterscheiden verschiedene Phasen der Inquisition mit unterschiedlichem Einfluß von Fürsten und Königen, der örtlichen Bischöfe und des Vatikans. Besonders stark ausgeprägt war etwa die staatliche Inquisition in Spanien als Instrument der königlichen Machtausübung im 15. und 16. Jahrhundert. Die römische Inquisition wurde 1542 von Papst Paul III. begründet und 1587 mit weitestgehenden Vollmachten ausgestattet. Die zentrale Aufgabe bestand darin, gegen Häresie (abweichende Lehren) vorzugehen und zentral über die Reinheit des Glaubens zu wachen.

Das Typische der Inquisition bestand darin, daß bei diesem strafrechtlichen Verfahren dieselbe Instanz die Anklage erhob, die Untersuchung führte und das Urteil sprach ohne hinreichende Verteidigungsmöglichkeiten des Angeklagten. Grundlage für Anklagen konnten Denuzianten sein, deren Namen geheim blieb. Die Gewaltanwendung bis hin zu Folter und Verbrennen wurde theologisch unter anderem mit der Sicht des Kirchenvaters Augustinus gerechtfertigt, wonach Ketzer mit Gewalt in die Kirche zurückgeführt werden können.

Grausame Hexenprozesse

Absoluter Tiefpunkt der Inquisition waren die grausamen Hexenprozesse, denen nach vorsichtigen Schätzungen zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert etwa 50.000 bis 80.000 Menschen (überwiegend Frauen) zum Opfer fielen. Historiker verweisen darauf, daß der Hexenwahn ein Massenphänomen mit heidnischen Ursprüngen und Aberglauben darstellte. Der unterstellte Bund mit dem Teufel machte die Hexen den Ketzern gleich, so daß die Hexenprozesse in die Zuständigkeit der Inquisition fielen. Allerdings fanden Hexenprozesse nach der Reformation nicht nur in katholischen, sondern auch protestantischen Regionen statt. Nördlich der Alpen seien Hexenprozesse seit dem 16. Jahrhundert "in der Regel von weltlichen Gerichten" durchgeführt worden, heißt es im das "Lexikon für Theologie und Kirche".

Der Vatikan öffnete offiziell am Donnerstag das Archiv seiner Glaubenskongregation - der Nachfolgebehörde der römischen Inquisition - für Wissenschaftler. Die Dokumente stammen aus dem Zeitraum von 1542 bis 1903 und geben deshalb nur einen bedingten Einblick in die vielen Ausformungen der Inquisition. In Italien wurde die Inquisition 1859 abgeschafft, im Kirchenstaat gab es sie bis 1870. Als Garant der Kirchendisziplin wurde die Congregation Sancti Offici offiziell erst 1965 aufgelöst, ihre Aufgabe hat die Glaubenskongregation übernommen.

Letzte Änderung: 22.01.1998 15:22 von aj
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