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In Mainz vermißt ein Rechner Herrenkonfektion
Maßanzug aus dem Computer

Mit zwei Lichtsäulen, zwischen die sich der Kunde stellt, erfaßt ein an der Universität Kaiserslautern entwickeltes System berührungslos alle Maße des Kunden. Foto: dpa
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Mainz (dpa) - Der Herrenkonfektionsladen in der Passage des neuen Fort Malakoff-Zentrums am Rand der Mainzer Innenstadt sieht von außen nicht anders aus als andere Geschäfte der Branche. Im Hinterzimmer jedoch, abseits des Ausstel- lungsraums mit Anzügen, Sakkos, Westen und Hemden, spielt sich Revolutionäres ab.
Mit zwei Lichtsäulen und der mit einem Computer verbundenen Kamera in der Wand davor ist die Szene bereitet für den Anzugkauf der Zukunft: Der Kunde läßt sich elektronisch vermessen, in drei Positionen erfaßt ein an der Universität Kaiserslautern entwickeltes System berührungslos alle Maße des Kunden.
Symbiose von Computertechnologie und Handwerkskunst
Zusammen mit den Zusatzwünschen - von der Bundfalte über die Umschlaghöhe der Hose bis zu Knöpfen und eingestickten Initialen - wird alles auf dem Bestellbogen zur Übertragung per Fax an die angeschlossene Kleiderfabrik in Hessen notiert. Der Vorgang dauert alles in allem nicht länger als drei Minuten. Bis zur Auslieferung des guten Stücks vergehen dann nach Angaben der Firma "M plus" (Kaiserslautern/Mainz) höchstens vierzehn Tage.
Die Stoffe für die Produkte dieser, wie die Firma schwelgt, "Symbiose modernster Computertechnologie mit traditioneller Handwerkskunst" kann sich der Käufer im Mainzer Laden unter mehr als 1.000 verschiedenen Mustern aussuchen. Bei weniger als 800 Mark beginnen die Preise für diese Maßkonfektion. Sie seien damit erheblich preiswerter als ein traditionell gefertigter Maßanzug und nicht teurer als vergleichbare Kleidung von der Stange, sagen die Anbieter.
Nie wieder "Dame mit Nadelkissen"
Gegenüber der Massenware sieht das Unternehmen nichts als Vorteile: Die Suche nach der richtigen Größe entfalle bei der Computervermessung ebenso wie die meist unvermeidlichen Änderungsarbeiten vor der endgültigen Auslieferung des Kleidungsstücks. Dieser gewöhnlich von der "Dame mit dem Nadelkissen" zum Abstecken des nötigen Kürzens, Verlängerns oder Straffens eingleitete Vorgang führe im übrigen nicht selten zum Gegenteil der angestrebten besseren Paßform, weil sich das Gesamtgefüge eines Anzugs verziehe.
Das an der Uni Kaiserslautern entwickelte Meßsystem, das auch für die Hemdenproduktion angewendet wird, ist nach Angaben seiner Väter so genau, daß es selbst die Brusthaare des Kunden berücksichtige. Die Grundidee sei für die Automobilindustrie entwickelt worden und liefere unter anderem durch Messungen im Windkanal die Formen für stromliniengünstige Kotflügel. Ein System für die Anfertigung von Schuhen ist in Vorbereitung.
Fördergelder aus Rheinland-Pfalz
Das Land Rheinland-Pfalz hat die Gesamtentwicklung mit öffentlichen Mitteln gefördert und sich damit nach Überzeugung von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erneut als High-tech-Land profiliert. Von Richard Schmidt
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