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Ausschuß lehnt Begnadigung ab

Austin (AP) Der Begnadigungsausschuß des US-Staates Texas hat am Montag eine Begnadigung der wegen Doppelmordes zum Tode verurteilten Karla Faye Tucker abgelehnt. Die 38jährige hatte den 18köpfigen Ausschuß ersucht, Gouverneur George Bush eine Umwandlung der Todesstrafe in lebenslange Haft zu empfehlen. Die Hinrichtung Tuckers ist für Dienstag angesetzt. Sie kann jedoch noch in letzter Minute durch die Entscheidung eines Gerichts gestoppt werden. Die Entscheidung im Ausschuß fiel mit 16 Stimmen bei zwei Enthaltungen.

Todesstrafe in den USA:

Wird Karla Tucker hingerichtet?

Erstmals seit 1984 soll das Urteil einer Frau vollstreckt werden

Houston (AP) - Das Schicksal der 38jähriger Texanerin Karla Faye Tucker, die am Dienstag als erste Frau in den USA seit 14 Jahren hingerichtet werden könnte, bewegt nicht nur die Amerikaner. Auch Papst Johannes Paul II. setzte sich für eine Begnadigung der 1984 wegen Doppelmordes zum Tode Verurteilten ein.

Tucker, eine einstige Prostituierte, hatte am 13. Juni 1983 zusammen mit einem Freund im Drogenrausch in einer Wohnung in Houston einen Mann und eine Frau mit einer Spitzhacke umgebracht. Sie wollten das Motorrad des 37jährigen Mannes stehlen. Tuckers ebenfalls zum Tode verurteilter Freund Daniel Garrett starb 1993 im Gefängnis an einem Leberleiden.

"Ein anderer Mensch geworden"

Tucker sagt heute, sie sei im Gefängnis ein anderer Mensch geworden. Sie habe zu Gott gefunden und wolle Vorbild sein für junge Menschen. In einem Interview des Fernsehsenders CBS sagte sie kürzlich: "Auch wenn wir etwas schreckliches getan haben, haben wir doch alle die Fähigkeit, uns zum Guten zu verändern. Heute bin ich so weit entfernt von dem Menschen, der ich einmal war."

Nachdem im Dezember der Tag der Hinrichtung festgesetzt worden war, brach in den USA ein Proteststurm los. Selbst Gruppen, die eher die Todesstrafe verteidigen, meldeten Bedenken an. Sollte eine Frau hingerichtet werden? Und sollte nicht ihre Hinwendung zum Glauben berücksichtigt werden?

Begnadigungsausschuß entscheidet

Joe Magliolo, der im Prozeß gegen Tucker 1984 die Anklage vertrat, will von diesen Einwänden nichts wissen. Tucker sei jetzt von den Gegnern der Todesstrafe zur Symbolfigur auserkoren worden, meinte er. Die Geschworenen hätten damals alles abgewogen, was heute als möglicher Grund für eine Begnadigung angeführt werde - die schwere Kindheit der Frau, die Drogenabhängigkeit und die Hinwendung zu Christus.

Der Begnadigungsausschuß des Staates Texas hat am Montag eine Begnadigung abgelehnt. Die Chancen, daß der Ausschuß ihrem Antrag folgen würdet, standen für Tucker ohnehin schlecht. Von den 18 Mitgliedern müssen sich mindestens zehn für eine Begnadigungsempfehlung aussprechen. Die Praxis in der Vergangenheit spricht jedoch dagegen. Auch die Anträge aller 16 Todeskandidaten, die im vorigen Jahr um eine Begnadigung baten, wurden von dem Ausschuß einstimmig verworfen.

Anwälte hoffen auf Appellationsgericht

Deshalb setzen die Anwälte Tuckers auch mehr auf das Appellationsgericht von Texas, das höchste Kriminalgericht des Staates. In einer Petition an das Gericht machen sie geltend, daß der ganze Begnadigungsprozeß fehlerhaft sei.

Und selbst wenn sich der Ausschuß für eine Begnadigung Tuckers ausgesprochen hätte, wäre nicht sicher gewesen, ob Gouverneur Bush, ein Sohn des früheren Präsidenten, dem auch gefolgt wäre. Die Tatsache, daß Tucker eine Frau sei, spiele für eine Begnadigung keine Rolle, sagte Bush. "Ich habe geschworen, die Gesetze zu achten, und ich werde in diesem Staat an der Todesstrafe festhalten", erklärte er.

In keinem Staat der USA wurden im vergangenen Jahr so viele Menschen hingerichtet wie in Texas. Allein 37 der 74 Exekutionen fanden in texanischen Gefängnissen statt. Die letzte Frau, die in den USA hingerichtet wurde, war 1984 im Staat North Carolina Velma Barfield. In Texas wurde eine Frau zuletzt 1863 hingerichtet.

432 Todesurteile seit 1976 vollstreckt

Seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976 wurden in den Vereinigten Staaten 432 Todesurteile vollstreckt. Nach Angaben der Bürgerrechtsbewegung NAACP saßen zum 1. Januar dieses Jahren in den Todeszellen landesweit 3.365 Häftlinge, davon sind 49 Frauen. Eine der sieben weiblichen Todeskandidaten in texanischen Gefängnissen ist Karla Faye Tucker. Fotos: AP

Letzte Änderung: 02.02.1998 17:46 von aj
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