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Für Piloten und Lokführer gilt 0,0

Für Kapitäne trotz "Exxon-Valdez" keine Promille-Grenze

Frankfurt (AP) - Eine der folgenreichsten Katastrophen, die auf Alkohol am Steuer zurückzuführen sind, ereignete sich am 24. März 1989 kurz nach Mitternacht: Der Supertanker "Exxon Valdez", dessen Kapitän wegen Alkoholeinflusses keine situationsgerechte Navigation sicherstellen konnte, läuft vor der Küste Alaskas auf ein Riff und verliert mehr als 40 Millionen Liter Öl, die die Küste und die umgebenden Gewässer verseuchen und damit Fischerei und Tourismus nachhaltig schädigen.

Es gibt keine weltweiten Regeln, die das Führen eines Seeschiffes unter Alkoholeinfluß verbieten oder reglementieren. Nach Angaben von Dieter Benze, bei der ÖTV in Stuttgart für Seeschiffahrt zuständig, gelten allgemeine Strafbestimmungen, die etwa verlangen, daß ein Schiffsführer im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein muß. Die deutsche Seeschiffahrtsstraßenordnung sieht dem Sprecher des Verbandes Deutscher Reeder, Klaus Köster, zufolge keine Promillegrenzen vor. In der Rechtsprechung habe sich aber 1,3 Promille als Grenze der absoluten und die Spanne von 0,8 bis 1,3 Promille als Zustand der relativen Fahruntüchtigkeit etabliert. Viele Reedereien hätten strengere Vorschriften. Bei Schiffsführern sei Alkoholismus selten.

"Ich muß mit dem Auto nach Hause fahren"

Für Berufspiloten dagegen gibt es strenge Vorschriften: Am Steuerhorn oder am modernen computersteuernden Sidestick herrscht absolutes Alkoholverbot, wie der Sprecher der Vereinigung Cockpit in Frankfurt, Bernd Bockstahler, erklärt. Witze wie "Sagt der Pilot zum Kopilot im Landeanflug: Ich will keinen Whisky mehr; ich muß mit dem Auto nach Hause fahren", entbehrten jedes Realitätsgehalts. Mehr noch: Ein Pilot sollte 24 Stunden und darf zwölf Stunden vor Antritt eines Fluges keinen Alkohol, in welcher Form auch immer, zu sich nehmen.

Ein berufsbedingtes Alkoholproblem gibt es unter Piloten laut Bockstahler nicht. Die US-amerikanische Luftaufsicht habe das auch kürzlich in einer Untersuchung herausgefunden. Allerdings seien, wie in allen gesellschaftlichen Gruppen, auch unter den Piloten Trinker. Ihnen und anderen Süchtigen böten selbstorganisierte Gruppen Hilfe an.

Kontrolle auf Verdacht

Lokführer müssen sich im Dienst an die 0,0-Promille-Grenze halten, wie der Sprecher der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands, Hubert Kummer, in Frankfurt berichtet. Wird ein beamteter Triebfahrzeugführer mit Alkohol im Blut erwischt, so droht ihm ein Disziplinarverfahren, ist er angestellt, eine Abmahnung. Kontrolliert werde auf Verdacht. Verstöße seien selten, sagt Kummer, da den Lokführern ihre große Verantwortung schnell in Fleisch und Blut übergehe.

Letzte Änderung: 04.02.1998 17:31 von aj
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