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Montag: Entscheidung gegen Weißrußland

DEB-Glücksspieler vermeiden Blamage

Nagano (dpa) - Der Bundesadler auf den nagelneuen Trikots war falsch, aber die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hatte "sechs Richtige". Wie einen Lottogewinn feierten Bundestrainer George Kingston und seine "Glückritter" den erfolgreichen Start beim olympischen Turnier am Eröffnungstag der Winterspiele in Nagano. "Mann, bin ich erleichert. Das war eine schwere Geburt."

Präsident Rainer Gossmann vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) atmete am Samstag nach dem 3:1 gegen Japan tief durch und dachte schon weiter. "Dieser Sieg war wichtig für die Moral", sagte der Verbandschef mit Blick auf das über den Gruppensieg vorentscheidende Spiel am Montag (06.00 Uhr) gegen Weißrußland.

Endrunde ohne NHL-Profis

Wenn es um den Einzug in die prestigeträchtige Endrunde geht, muß das DEB-Team allerdings auf die drei Legionäre aus der nordamerikanischen Profi-Liga (NHL) verzichten. Torwart Olaf Kölzig, Uwe Krupp und Marco Sturm treffen erst am Montag nachmittag in Nagano ein und können erst im letzten Vorrundenspiel am Dienstag gegen Frankreich eingreifen. "Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren, denn wenn wir nicht erfolgreich spielen, brauchen die anderen erst gar nicht zu kommen", betonte der Nürnberger Verteidiger Daniel Kunce, der nach Jochen Hechts (Mannheim/38. Minute.) Führungstor mit seinem ersten Länderspieltreffer zum 2:1 (52.) die DEB-Auswahl auf Erfolgskurs schoß, ehe US-Legionär Jan Benda das erlösende 3:1 gelang.

Dürftiger Olympiastart

Nach dem dürftigen Olympia-Start gegen den drittklassigen Gastgeber hat die DEB-Auwahl die drei NHL-Profis bitter nötig. "Es hat trotz aller Anstrengungen nicht geklappt", erklärte Kingston, nachdem am Samstag die letzte Hoffnung platzte, das Trio rechtzeitig zum Weißrußland-Spiel nach Nagano zu bekommen. Noch nötiger ist gegen den B-Weltmeister von 1997, der bei seiner Olympia-Premiere einen 4:0-Sieg gegen Frankreich bejubelte, allerdings eine erhebliche Leistungssteigerung. Seine Mannschaft habe es sehr gut verstanden, Geduld zu üben und das Spiel zu kontrollieren, meinte Kingston. Mut machte dem Kanadier aber nur das Schlußdrittel einer zerfahrenen, aber nervenaufreibenden Zitterpartie: "Erst da haben wir richtigen Siegeswillen gezeigt. Damit müssen wir fortfahren", forderte Kingston vor dem ersten Duell überhaupt mit den Weißrussen.

Die Osteuropäer werden auf jedem Fall mit einem ihrer zwei NHL- Profis antreten. Verteidiger Rousian Salei von den Anaheim Mighty Ducks war für die letzten zwei Punktspiele gesperrt und stand gegen die Franzosen auf dem Eis. "Wir müssen uns alle vor Augen führen, daß die eine Klasse besser sind als die Japaner. Wir haben nur eine Chance, wenn wir mit mehr Selbstvertrauen auflaufen", forderte "Peppi" Heiß. Der Teufelskerl im deutschen Tor hatte den schwerfälligen und übernervösen DEB-Puckjägern eine Blamage erspart. Gegen die Weißrussen macht der Kölner Keeper seinem Berliner Kollegen Klaus Merk wie vereinbart Platz.

Falscher Bundesadler auf den Trikots

Kaum ein Thema mehr war, daß dem DEB ein peinlicher Lapsus unterlief. Während des ersten Drittels hatte ein Anruf vom Innenministerium aus Bonn das deutsche Nationale Olympische Komitee (NOK) in Nagano darauf aufmerksam gemacht, daß der Kopf des Adler zu groß sei und in die falche Richtung schauen würde. Abgehakt wurde schließlich auch der Bar-Besuch einiger Spieler am vorletzten Abend vor dem Olympia-Auftakt. "Sollen sie doch ihr Bier genießen. Das ist besser, als sich Cola oder andere Sachen in den Körper zu schütten", sagte der Bundestrainer.

Mit erhobenem Haupt gingen die Japaner vom Eis, und ihr schwedischer Trainer Björn Kinding war voll des Lobes: "Die Mannschaft hat ein Spiel verloren, aber Japans Eishockey hat gewonnen." Mit "Nippon, Nippon"-Rufen feierten die 9.861 Zuschauer im Big Hat ihre unglücklichen Helden mit dem 1:1-Torschützen Akihito Sugisawa (44.). Die "Reis-Raketen", so die Aufschrift auf einem Plakat, hatten nicht gezündet. Dennoch wunderte sich die Korrespondentin der "New York Daily News" in ihrer Story, "daß die kleinen Japaner mit ihrer Reisdiät stärker sind als die Deutschen mit Bratwurst und Sauerkraut". Von Gunnar Meinhardt und Gerd Münster; Fotos: dpa

Letzte Änderung: 08.02.1998 14:18 von alex
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