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  • Stichwort: Grenzübergang Ludwigsdorf - Aggressive Drogenkuriere
  • Vier Zöllner erschossen

    Schießereien an Grenzübergängen - Täter festgenommen

    Ermittlungsbeamte untersuchen den Bus bei Görlitz.

    Görlitz/Konstanz (dpa) - Bei zwei Schießereien an den Grenzen zu Polen und der Schweiz sind am Dienstag in Deutschland vier Zollbeamte getötet worden. Am deutsch-polnischen Übergang Ludwigsdorf nahe der sächsischen Stadt Görlitz erschoß ein Ukrainer am frühen Morgen zwei deutsche Zöllner. An der deutsch-schweizerischen Grenze starben am Vormittag in Konstanz ein deutscher und ein schweizer Zollbeamter. Die beiden mutmaßlichen Täter wurden verletzt gefaßt.

    Am Grenzübergang Ludwigsdorf wurden die Schüsse auf die 30 und 34 Jahre alten Beamten in einem kasachischen Reisebus abgegeben, als die Zöllner die Reisenden kontrollieren wollten. Nach Polizeiangaben schossen die Beamten zurück und verletzten den Schützen. Sie starben trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen noch am Tatort. Zwei weitere Businsassen wurden bei der Schießerei verletzt.

    Waffe des Zöllners aus Holster gezogen?

    Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Nach ärztlicher Versorgung wurde er ins Haftkrankenhaus Leipzig gebracht. Er soll nach unbestätigten Berichten einem der beiden Zöllner die Waffe aus dem Holster gezogen und das Feuer eröffnet haben. Einer der Beamten brach im Bus zusammen, dem anderen gelang es noch, schwer verletzt aus dem Fahrzeug zu fliehen, er starb aber ebenfalls kurz danach. Die Zollbeamten aus Niesky und Görlitz hinterlassen Frau und Kinder.

    Bundesfinanzminister Theo Waigel sprach den Familien der erschossenen Beamten sein tiefes Mitgefühl aus. Er bezeichnete den Tod der Zöllner als "schwersten Zwischenfall in der Nachkriegsgeschichte des deutschen Zolls".

    Sofort Feuer eröffnet

    Spurensicherung bei Konstanz am Bodensee.

    Nur sieben Stunden nach der Schießerei in Görlitz fielen an der deutsch-schweizerischen Grenze am kleinen und wenig frequentierten Übergang Klein-Venedig im baden-württembergischen Konstanz tödliche Schüsse. Dort eröffnete nach ersten Ermittlungen ein aus der Schweiz angereister Mann aus einem Wagen mit schweizer Kennzeichen sofort das Feuer, als er kontrolliert werden sollte. Dabei starben ein deutscher und ein schweizer Zöllner.

    Nach Polizeiangaben fuhr der Mann noch rund 20 Meter weiter und schoß sich dann in den Kopf. Er erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. In seinem Auto wurden Sprengstoff, mehrere großkalibrige Handfeuerwaffen und eine Maschinenpistole gefunden.

    Gewaltbereitschaft "grenzenlos"

    Der Bund der Deutschen Zollbeamten (BDZ) reagierte mit Fassungslosigkeit auf den Tod der Zöllner und forderte mehr Sicherheit an den Grenzen. "Die Gewaltbereitschaft an Deutschlands Grenzen ist grenzenlos", sagte Heinz Schulze, der Bundesvorsitzende der zum Deutschen Beamtenbund gehörenden Gewerkschaft, in der rund 30.000 Zöllner organisiert sind. Die Zöllner und vor allem die Kollegen an der deutschen Ostgrenze seien "permanent mit gewaltbereiten Tätern konfrontiert", die nichts zu verlieren hätten und bereit seien, von Waffen Gebrauch zu machen.

    Nach Auskunft des deutschen Zolls und der polnischen Polizei wird der Autobahngrenzübergang in Ludwigsdorf von Schmugglern eher gemieden, weil dort sehr effektiv gearbeitet werde. 1997 hatte sich die Zahl der entdeckten Zollvergehen an der Grenze zu Polen und Tschechien im Bereich des Hauptzollamtes Löbau, zu dem auch der Übergang Ludwigsdorf gehört, gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel auf fast 17.900 Fälle erhöht. Einen ansteigenden Trend gab es nach Zollangaben beim Waffen- und Rauschgiftschmuggel. Fotos: dpa

    Letzte Änderung: 10.02.1998 18:04 von aj
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