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Armstrong hofft auf medizinisches Wunder

Comeback nach 518 Tagen

Berlin (dpa) - Im Juli 1989 gewann Greg LeMond mit 29 Schrotkugeln im Leib die Tour de France acht Sekunden vor Laurent Fignon. Achteinhalb Jahre später will Lance Armstrong, ebenfalls Amerikaner, ebenso mit Weltmeister-Ehren ausgestattet, der Rubrik "Medizinische Wunder im Sport" ein wahrscheinlich noch unglaublicheres Kapitel beisteuern. Nach 518 Tagen Zwangspause geht der 26jährige Radprofi am Sonntag bei der Ruta del Sol in Südspanien wieder an den Start. Der Hodenkrebs sei nach Operation und Chemotherapie "zu 95 Prozent" besiegt, sagt Armstrong, der allen Radfans spätestens seit dem 21. Juli 1995 unvergeßlich ist. Seinen zweiten Tour-Etappensieg widmete er dem drei Tage zuvor tödlich verunglückten Teamgefährten Fabio Casartelli: Bei der Zieldurchfahrt in Limoges grüßte Armstrong den verstorbenen Italiener auf seine Art und warf Kußhände in den Himmel.

Im Oktober 1997 entschied sich der Texaner, wieder Wettkämpfe zu bestreiten. "Als mir die Ärzte nach den obligatorischen Checks gesagt hatten, du hast es geschafft, habe ich beschlossen, wieder anzufangen. Ich möchte wissen, ob ich zurückkommen kann, ob ich wieder ein Champion sein kann. Mein großes Ziel in diesem Jahr ist die WM im Oktober in den Niederlanden", sagte armstrong der "L'Equipe", die ihn und sein neues Team "US Postal" im Trainingslager in Kalifornien besuchte. Armstrong, 1993 in Oslo Profi-Weltmeister - einen Tag, nachdem Jan Ullrich den Amateurtitel geholt hatte -, will alle Frühjahrs- Klassiker außer Paris - Roubaix fahren und im September die Spanien- Rundfahrt. Aber er weiß: "Auf die Tour zu hoffen, wäre verrückt, auch wenn es bei mir super laufen sollte." Im Mai will er heiraten.

Armstrong hofft, bei seiner Rückkehr nicht wie "eine Zirkus- Attraktion" betrachtet zu werden: "Ein kleiner Willkommengruß von den Fahrern, ein Klapps - das wäre am besten." An eine ähnliche Begrüßung hat Erik Zabel, im Vorjahr Gesamtsieger der Ruta del Sol und in diesem Jahr wieder am Start, auch gedacht: "Als wir im Trainingslager in den USA waren, habe ich von seinen Comeback-Absichten gelesen. Die Amerikaner sagen: Er wird besser denn je, weil er jetzt ohne den Krebs im Körper fährt. Ich weiß, er ist ein 'kleines Tier' auf dem Rad, und ich wünsche dem sympathischen Kerl alles Gute."

"Es ist unglaublich, wie er im Training marschiert"

Einen Monat, nachdem der jüngste Nachkriegs-Weltmeister im Herbst 1996 bei der neuen französischen Mannschaft "Cofidis" einen Vertrag unterschrieben hatte, wurde bei Armstrong die Krankheit diagnostiziert, die einige auch mit "intensiver medizinischer Betreuung" während der Rennen in Verbindung brachten. Anfangs hielten die Franzosen zu Armstrong, der sich bei der Mannschafts-Vorstellung im Januar 1997 nach ausgiebiger Chemotherapie "wie ein Zombie" vorkam. Ende des Vorjahres löste "Cofidis" den Vertrag. "Ich habe jetzt bei US Postal einen leistungsbezogenen Vertrag. Ich fange finanziell quasi bei Null an", sagt Armstrong, der einst zu den fahrenden Millionären gehörte.

"Es ist unglaublich, wie er im Training marschiert ist. Kein Zweifel: Er schafft den Weg zurück", glaubt Armstrongs Kollege Jean- Cyril Robin (Frankreich). "Er hat genau das richtige gemacht, ich beglückwünsche ihn zum Comeback", sagte Klaus Haetzel. Der Chef vom Dienst im Berliner Senats-Presseamt hatte ähnliche Erfahrungen. 1979 erkrankte er an Darmkrebs. Extremsport - zwei Iron-Man auf Hawaii, 6.000 Kilometer Nonstop auf dem Fahrrad vom Nordkap bis Gibraltar - hieß seine Therapie. "Die Krankheit ist Vergangenheit", sagt der 57jährige, der Armstrong in einem Brief Mut zugesprochen hatte. Der Rekonvaleszent aus Texas weiß, daß er in den nächsten Monaten "vor allem Geduld" braucht. "Ich bin glücklich", sagt Armstrong, "aber ich weiß, wie zerbrechlich Glück sein kann." Andreas Zellmer; Foto: dpa

Letzte Änderung: 12.02.1998 16:46 von jp
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