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Deutschland - Slowakei 4:2 (0:1, 1:1, 3:0)

Platz neun ein schwacher Trost

Nagano (sid) Drei Siege, eine Niederlage und trotzdem einer der großen Verlierer: Nach dem Tanz am Abgrund wollte bei der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft auch nach dem Erfolg im Duell der Gescheiterten (4:2 gegen die Slowakei) keine Freude aufkommen. Zu groß ist die Enttäuschung über das Verpassen der Endrunde beim olympischen Turnier in Nagano. "Ich kann doch jetzt nicht in die Kabine gehen und jubeln, daß ich Neunter geworden bin", meinte Stefan Ustorf von den Berlin Capitals. Der ehemalige NHL-Spieler (Washington Capitals) stand nach dem Plazierungsspiel gegen die Slowaken gedankenverloren und mit versteinerter Miene minutenlang im Kabinengang, während seine Teamkollegen ein kleines Happyend feierten.

Ustorf hatte das peinliche 2:8 aus der Vorrunde gegen die Weißrussen, das der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) die Teilnahme an der Finalrunde der "Dream Teams" gekostet hatte, noch nicht aus seinem Gedächtnis gestrichen: "Ich bin von unserem Abschneiden maßlos enttäuscht, daran kann das heutige Resultat auch nichts ändern. Es kann doch keine Entschuldigung sein, daß unsere drei NHL-Spieler gegen die Weißrussen nicht dabei waren. Wir hätten auch vorher anders auftreten müssen." Der 24jährige schloß sich selbst von der Kritik nicht aus: "Mit meiner Leistung bin ich auch nicht zufrieden."

Auch der Kölner Mirko Lüdemann, der mit dem 4:2 in der 50. Minute den Erfolg über die Slowaken perfekt gemacht hatte, konnte sich nach dem besten Turnierspiel seines Teams nicht sonderlich freuen: "Unter dem Strich habe ich mehr erwartet. Vielleicht reicht es bei uns doch nicht für die großen Nummern." Dennoch verhinderte die Mannschaft von Bundestrainer George Kingston, die das insgesamt unbefriedigende Olympia-Abenteuer fröhlich mit einem Teamabend ausklingen ließ, durch eine äußerst couragierte Leistung einen weiteren Imageverlust. "Das Team kann erhobenen Hauptes nach Hause fahren", sagte DEB-Präsident Rainer Gossmann, der unverblümt feststellte: "Wenn du verlierst, bist du der Arsch, wenn du gewinnst, der König."

"Wir hätten es verdient, an der Medaillenrunde teilzunehmen"

Kingston zog ebenfalls eine positive Bilanz, bescheinigte seinen Spielern eine hervorragende Moral und kritisierte eigentlich nur die Plazierung. "Wir hätten es verdient, an der Medaillenrunde teilzunehmen. Es ist eine Schande für so tolle Führungsspieler wie Uwe Krupp, Marco Sturm und Olaf Kölzig, daß sie beim Dream-Team-Turnier nicht dabei sind." NHL-Star Krupp (Colorado Avalanche), der schon bei seinen Olympia-Debüt gegen Frankreich (2:0) als Teamleader geglänzt und auf seine Nebenleute große Sicherheit ausgestrahlt hatte, war dennoch zufrieden: "Deutschland hat alle Spiele gewonnen, die gewonnen werden mußten. Mit uns drei NHL-Spielern hätten wir gegen die Weißrussen sicherlich besser ausgesehen, aber ich hatte dennoch eine Superzeit in Nagano. Ich würde jederzeit wiederkommen."

Ähnlich sah es Torwart Kölzig von den Washington Capitals, der bei seinen beiden Einsätzen gegen Frankreich und die Slowakei unglaubliche Szenen hatte und möglicherweise den im Top-Eishockey entscheidenden Tick besser war als seine ebenfalls hervorragenden Kollegen Peppi Heiß und Klaus Merk. "Es war schade, daß wir nicht von Anfang an mitspielen konnten. Aber es war für mich ein riesiges Erlebnis." In die gleiche Kerbe schlug in Marco Sturm (San Jose Sharks) auch der dritte deutsche NHL-Spieler: "Nach der Horrornachricht vom Weißrußland-Ergebnis habe ich mich schnell gefangen. Es hat Laune gemacht, obwohl wir drei sicherlich gegen die Weißrussen das deutsche Team verstärkt hätten."

Benda der Matchwinner

Bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz (1. bis 17. Mai) wird Kingston auf das NHL-Trio verzichten müssen. "Dann wird es für uns noch schwerer, die Vorrunde zu überstehen", blickt der Kanadier bereits auf die schwierigen Gruppenspiele gegen Ex-Weltmeister Tschechien, Japan (bei Olympia 3:1 geschlagen) und eben die Weißrussen.

Dafür wird aber Kapitän Dieter Hegen (Düsseldorf) noch einmal dabei sein, der sich nach fünf Teilnahmen von der olympischen Bühne verabschiedete. "Da spielt schon Wehmut mit", meinte der 35jährige, der nach dem Weißrußland-Spiel bereits kurz über seinen vorzeitigen Nationalmannschaftsabschied nachgedacht hatte, diesen Gedanken aber schnell wieder verwarf: "Ich habe Kingston meine Zusage für die WM gegeben. Dieses Versprechen kann ich doch nicht brechen", meinte der 35jährige. Ob Jan Benda, derzeit vom NHL-Team Washington Capitals ins Farmteam Portland Pirates abgeschoben, bei der WM spielen kann, ist noch unklar. Mit zwei Treffern (43., 47.) avancierte der schwach ins Turnier gestartete Benda zum Matchwinner. Den 0:1-Rückstand durch Jozef Dano (18.) hatte der Kölner Peter Draisaitl egalisiert, Jan Pardavy gelang in der 39. Minute die 2:1-Führung der Slowaken. Jürgen Zelustek; Foto: Reuters

Letzte Änderung: 12.02.1998 17:06 von jp
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