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Historischer Sieg für gehbehinderten Martin:

Golfer darf mit Cart auf PGA-Tour

Eugene (dpa) - Mit seinem historischen Erfolg vor Gericht ist der gehbehinderte US-Golfer Casey Martin über Nacht zum Helden geworden. Wie von Martin in Berufung auf das US-Gesetz zum Schutz von Behinderten in der Klage gegen die Vereinigung der Profi-Golfer PGA gefordert, entschied ein US-Gericht am Mittwoch in Eugene/Oregon, daß der 25jährige in Zukunft bei jedem Turnierstart ein Golfcart benutzen darf. "Es war ein harter Kampf. Ich bin froh, daß es vorbei ist und wir gewonnen haben, aber ich hoffe, ich werde nicht wie ein Außenseiter behandelt", sagte Martin mit Tränen in den Augen.

Wochenlang hatten sein Fall und Diskussionen über Menschlichkeit, Moral und Fairneß die Talk-Shows und Zeitungskolummnen in den USA dominiert. Ohne Golfcart wäre die Karriere des Riesentalents zum vorzeitigen Ende verurteilt gewesen. Martin leidet an schweren Durchblutungsstörungen in den Beinen, die Blutzufuhr in seinem rechten Bein ist teilweise abgeschnitten. Während die PGA Tour argumentierte, Golf sei ein Ausdauersport, bei dem die Fitneß mit spielentscheidend sei, befand US-Richter Thomas Coffin in seiner Urteilsbegründung, daß Martin durch sein körperliches Handicap wesentlich stärker benachteiligt sei als die anderern Spieler, die den Platz zu Fuß begehen müssen.

"Es ist beschämend, in einem Cart sitzen zu müssen"

"Der amerikanische Profisport wird nicht mehr der gleiche sein. Dieses Urteil kann eine wahre Lawine nach sich ziehen", kommentierte die Los Angeles Times. Mit Ausnahme des australischen Superstars Greg Norman hatten sich die meisten Spitzengolfer gegen Martins Wunsch nach einem Golfcart ausgesprochen. "Es ist wichtig, klarzustellen, daß Golfcarts nicht zum Spiel der Profitour gehören", sagte der sechsmalige Masters-Sieger Jack Nicklaus (USA). Nur auf der Senioren- Tour sind sie erlaubt.

Mit einer Einstweiligen Verfügung hatte Martin bereits zu Beginn des Jahres die Berechtigung erzwungen, zumindest bei zwei Turnierstarts in diesem Jahr von Schlag zu Schlag fahren zu dürfen. Martin hatte dann auch prompt sein erstes Turnier auf der Nike-Tour, einer Art zweiten Liga der PGA-Tour, gewonnen und bei seinem zweiten Start den Cut verpaßt. Am 3. März spielt er im texanischen Austin sein nächstes Turnier. Mit einem Cart als Hilfsmittel und einem lukrativen Zwei-Jahres-Vertrag mit einem Sportartikelhersteller (Nike) als Finanz- und PR-Spritze. Martin soll zum Vorbild für alle Behindertensportler aufgebaut werden. "Ohne Golfcart hätte ich mir nicht vorstellen können, noch viel länger zu spielen. Es ist beschämend, in einem Cart sitzen zu müssen. Man hat keinen Rhythmus und es ist mental sehr schmerzhaft. Ich wünschte, ich müßte kein Cart benutzen und könnte die Fairways rauf und runtersprinten", erklärte der ehemalige Studienkollege von Tiger Woods. Sven Busch; Foto: AP

Letzte Änderung: 12.02.1998 16:41 von jp
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