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Leckereien zu Olympia

Wo selbst Pferde roh
am besten schmecken

Nagano (dpa) - Yuko Matsuzaka findet die Ausländer richtig zum Piepen. "Zucker im grünen Tee, also da mußten wir schon lachen", erzählt die Kellnerin und versteckt ihr Grinsen hinter schüchtern vorgehaltener Hand. Köstlich amüsieren kann sie sich auch jedesmal, wenn ein fremder Gast seinen gekochten Reis mit einem Schwung in die Misoshiru-Suppe kippt. Doch als Japanerin ist sie viel zu höflich erzogen, als daß sie daran Anstoß nehmen würde. Schließlich herrscht in diesen Tagen in Nagano olympischer Ausnahmezustand.

"Am liebsten essen unsere ausländischen Gäste Schweinefleisch, Nudelsuppen oder fritierten Fisch", erzählt Yasukuni Kitamura, Chef des "Aburaya". Hauptsache, das Essen ist einigermaßen zu identifizieren. Zur Orientierung haben viele Restaurants ihren Speisekarten Fotos und englische Namen beigefügt. Im "Aburaya", wo man zu den sonst üblichen Stäbchen extra für die Olympia-Gäste Löffel, Gabel und Messer angeschafft hat, bleibt den sprachunkundigen Fremden eines jedoch verborgen, nämlich der Hinweis auf eine der Spezialitäten von Nagano: "basashi", rohes Pferdefleisch.

Als wollte man den fremden Besuchern neben dem berühmten rohen Fisch nicht noch mehr zumuten. Tatsächlich scheiden sich am "sushi" die olympischen Geister: "Steh' ich nicht so drauf", meint Rodel- Olympiasiegerin Silke Kraushaar, und auch Langläufer Jochen Behle winkt bei den mit Fischscheibchen belegten Reisbällen ab: "Also das ist nicht gerade so mein Fall." Andere Olympia-Besucher finden die maritimen Leckereien dagegen gar nicht so übel: "Sushi erinnert mich geschmacklich mehr an Thüringer Mett", findet Marius Hattendorf, der im Rahmen eines internationalen Jugendcamps nach Nagano gekommen ist.

Kleine lebende Fischchen, die noch auf der Zunge zappeln

Wer nicht gleich zu Fastfood a la McDonalds greift, nähert sich den Plastikauslagen japanischer Restaurants meist mit auffallender Skepsis. Schließlich verbergen sich hinter Nippons Küchentüren so manche Mutproben: Wie wäre es beispielsweise mit "hachino-ko", gekochte und eingelegte Bienenbabies, oder "shirauo", kleine lebende Fischchen, die noch auf der Zunge zappeln. Eine köstliche Delikatesse auch "inago", mit Zucker und Soyasoße gewürzte Heuschrecken. Doch die wenigsten trauen sich an derlei kulinarische Experimente.

Da nimmt man doch lieber mit einfachen und dennoch leckeren Nudelsuppen Vorlieb. Andere, wie die beiden Rodler Jan Behrendt und Stefan Krauße, verzichten ganz auf Nippon-Essen. "Ich bin kein Fan der japanischen Küche. Dafür gibt es aber genügend anderes hier", meint Behrendt. Vor allem Steaks und Hühnchen stehen bei den beiden Sportlern hoch im Kurs, "auch wenn das hier etwas anders gewürzt ist als bei uns". Dieter Hegen hat dagegen ganz andere Probleme mit dem japanischen Essen. Er liefert sich verzweifelte Kämpfe mit den Stäbchen: "Da fällt öfter mal was runter", erzählt der Kapitän der deutschen Eishockey-Mannschaft. "Aber die Augen sind noch da".
Lars Nicolaysen; Foto: dpa

Letzte Änderung: 12.02.1998 14:47 von jp
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