IVWPixel Zählpixel

Unaufhaltbar durchs All

Voyager überholt Pioneer

Hamburg (dpa) - Etwa 10,3 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt bricht Voyager 1 am 17. Februar den Rekord: Der Roboter ist damit die am weitesten aus unserem Sonnensystem ins All vorgestoßene Sonde. Gestartet wurde sie fünf Jahre nach dem bisherigen "Titelhalter" Pioneer 10.

Die Sonde ist schneller und auf anderem Kurs als sein Vorgänger. Die Experten rechnen damit, daß sie noch bis zum Jahre 2020 funktionstüchtig ist. Für Pioneer 10 versiegt dagegen schon in den nächsten Monaten - wahrscheinlich im Juni - die Energie. Die Kommunikation mit der Erde wird damit unmöglich.

Voyager 1 und Pioneer 10 haben ebenso wie ihre Zwillingssonden Voyager 2 (Start August 1977) und Pioneer 11 (Start April 1973).in den siebziger und achtziger Jahren die Planeten des äußeren Sonnensystems erforscht und sensationelle Nahaufnahmen und Daten geliefert. Pioneer 11 war bereits im November 1995 verstummt, als die Nuklearbatterie des Roboters versagte.

Planetentour: Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.

Für die jetzt vor dem selben Schicksal stehende Pioneer-10-Sonde gab es bereits am 31. März des Vorjahres das formelle Aus, als ihre Instrumente wegen zu schwacher Energie abgeschaltet worden waren. Dennoch meldet der bordeigene 8-Watt-Sender - wenn auch mit schwindender Kraft - im Moment noch auf Abruf, ob alle Systeme normal arbeiten.

Signale kommen nach zehn Stunden an

Vom Ames-Forschungszentrum der US-Weltraumbehörde NASA in Mountain View (Kalifornien) aus werden die Signale in gewissen Zeitabständen abgefordert. Aufgrund der Riesenstrecke kommen sie erst nach etwa zehn Stunden bei ihren irdischen Empfängern im Deep-Space- Net der NASA mit einer Stärke von nur noch ein trilliardstel Watt an. Eine technische Meisterleistung ist es, die Signale aus den Hintergrundgeräuschen des Weltalls herauszufiltern und bis zur Auswertung zu verstärken.

Nach dem Verstummen der beiden Pioneer-Sonden konzentrieren sich die Astronomen bei der NASA nun auf das Nachfolgeprogramm der Voyager-Zwillinge in der sogenannten Interstellaren Voyager-Mission (VIM). Ihr Ziel ist es, die Nachbarschaft der äußeren Planeten bis zur Grenze des Sonneneinflusses und möglichst noch darüber hinaus zu erkunden. Dabei geht es um das Umfeld des äußeren Sonnensystems und die Suche nach der Heliopause, wo das Magnetfeld der Sonne und der Strom der ständig von unserem Zentralgestirn in den Raum gepusteten Partikel (Sonnenwind) enden.

Erforschung des interstellaren Raums

Instrumentenplan (größer, nur 18 KB)

Im Anschluß an die Überquerung der Heliopause zwischen Sonnenwind und interstellarem Raum hoffen die Forscher auf Messungen der vom Solarwind unbeeinflußten Kraftfelder, Partikel und Plasmawellen. VIM wird drei bestimmte Phasen durchleben: Den Partikelstrom vor der Heliopause, den Flug im Stau des Grenzmediums und die Erforschung des interstellaren Raums. Die Wissenschaftler rechnen damit, daß die Raumfahrzeuge den Übergang in den Jahren 2000 oder 2001 schaffen und dann etwa zwölf Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt sind.

Andere Forschungsziele der Weltraum-Musketiere sind die Suche nach den gravitativen Einflüssen auf unser äußeres Planetensystem sowie nach Hinweisen auf die Existenz der sogenannten Gravitationswellen. Letzeres sind sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitende Störungen im Schwerefeld von Himmelskörpern.

Keine Hinweise auf zehnten Planeten

Auf das Vorhandensein eines zehnten Planeten.in unserem Sonnensystem haben die Signale aller nach draußen strebenden Roboter keine Hinweise geliefert. Über seine Existenz war nach Bahnabweichungen des Uranus - um 2.500 Kilometer - und des Neptuns - um 4.000 Kilometer - spekuliert worden. Er müßte das Vierfache der Erdmasse besitzen und eine elliptische Bahn um die Sonne verfolgen.

Von den beiden Raumfahrzeugen, die noch mit dem größten Teil ihrer Instrumente arbeiten, legte Voyager 1 jährlich 1.550, Voyager 2 nur 460 Millionen Kilometer der Reise ins unbekannte Universum zurück. Alle vier Weltraumreisenden sollen den Außerirdischen - wenn es sie denn gibt - ein Lebenszeichen von den Erdlingen übermitteln.

"Flaschenpost"

Für diesen Zweck führen sie so etwas wie eine Flaschenpost mit: Eine vergoldete Aluminiumplakette an der Bordwand zeigt ein hüllenloses Menschenpaar, die Flugbahn der Roboter sowie die Sonne mit den Planeten. Die Voyager-Zwillinge haben zusätzlich eine Bild-Ton-Platte mit Botschaften von der Erde dabei.

Es kann allerdings mehrere Millionen Jahre dauern, bis die irdischen Sendboten im Laufe ihrer 250 Millionen Jahre währenden Rundtour um das Zentrum unseres Milchstraßensystems auf einen Stern mit bewohnten Planeten treffen und ihre Botschaft an den Mann bringen können. Von Rudolf Merget, Fotos und Grafiken: Nasa

Letzte Änderung: 12.02.1998 16:18 von aj
Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Zur Homepage Nachrichten aus aller Welt Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur Homepage