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  • Narren aus vielen Nationen

    . . . doch zur Fastnacht flieht der Vizekonsul

    Mainz (dpa) - Wenn die Deutschen närrisch werden, schauen viele Fastnacht-Fremde mit Erstaunen bis Entsetzen zu. Der Karneval, der rheinische zumal, stößt bei vielen Ausländern auf Befremden. "Für mich war das erstmal erschreckend", erinnert sich Ihsan Öner an seine erste Begegnung mit deutschen Narren. Öner, heute Vorsitzender des Ausländerbeirats in der Fastnachtshochburg Mainz, war als 17jähriger gleich bei seiner ersten Ankunft in Deutschland in den Trubel der tollen Tage geraten: "Was sind denn das für Typen?", fragte er sich beim Umsteigen auf dem Frankfurter Hauptbahnhof im Februar 1974.

    Mit Unverständnis reagieren nicht nur Moslems wie Öner auf das tolle Treiben. "Es war nicht sonderlich positiv" erinnert sich die Französin Marie-Francoise Marques-Peterlik an ihre erste Begegnung der närrischen Art. Nach einigen Jahren in Südamerika hatte sie sich den deutschen Karneval anders vorgestellt: "Es ist nicht sehr abwechslungsreich von der Musik her und es ist extrem traurig nach Ende des Zuges - der Alkohol spielt eine enorme Rolle." Vom französischen Vizekonsul in Mainz geht gar die Kunde, er fliehe jedes Jahr vor dem feuchtfröhlichen Tamtam in die Heimat.

    "Relativ große Offenheit und Toleranz"

    Eine "relativ große Offenheit und Toleranz" bescheinigt indes die Geschäftsführerin des Ausländerbeirats, Elke Huhmann-Kern, beiden Seiten: Den einheimischen Narren wie den zugereisten Neulingen in der Landeshauptstadt mit ihren 17 Prozent nichtdeutscher Bevölkerung. Bei den islamischen Gruppen stoße der Fasching allerdings auf eher "verhaltene Resonanz". Zumal er weitgehend mit deren Fastenmonat Ramadan zusammenfällt. Der Hintergrund des Karnevals werde den Islam- Gläubigen kaum etwas sagen, meint auch Öner. Allerdings, so fügt er hinzu, auch seine drei Kinder wollen bei den Karnevalsfeiern in der Schule nur ungern fehlen.

    Von Geburt an angemeldet

    Echte Mainzer Karnevalisten erblicken am Rhein das Licht der Welt: "Oftmals ist es so, daß die Kinder schon bei der Geburt angemeldet werden", sagt die Fastnachts-Fachfrau Katrin Sparwasser zum Vereinsleben. Die Co-Autorin einer Studie über den Wirtschaftsfaktor Fastnacht glaubt aber auch, daß viele Ausländer im Laufe der Zeit "aus geschäftlichen Gründen" in die Szene hineinwachsen werden. Noch sei dies "eher die Seltenheit". Dabei habe selbst der mächtige Mainzer Carneval Verein 1838 e.V. nichts gegen Ausländer, wie dessen Zugmarschall Ady Schmelz versichert. "Wir haben sogar Wiesbadener."

    Bis die Mainzer einem türkischen Prinzenpaar zujubeln, dürfte indes noch viel Wasser den Rhein hinabfließen. Das niedersächsische Lastrup, karnevalistisch bis dahin eher unbekannt, hatte schon vor drei Jahren mit dem ersten Prinzenpaar türkischer Nationalität Fastnachtsgeschichte geschrieben. Der türkische Botschafter Onur Öymen zollte den Lastrupern damals Anerkennung. Karnevalistische Freude sei "ein besonders gutes Mittel, um die schon vorhandene Freundschaft zwischen Deutschen und Türken zu vertiefen". Ähnliches ist auch in Mainz möglich, wie das Beispiel von Tariq Mahmoud zeigt.

    "Am Ende waren fast alle besoffen"

    Der Palästinenser wagte sich ins Getümmel und wurde unweigerlich mitgerissen. "Mit Begeisterung" habe er den Karneval entdeckt: "Ich habe alles mitgemacht, was mitzumachen war", versichert der feierfrohe Ausländerreferent vom Allgemeinen Studentenausschuß der Universität Mainz. Dabei, erzählt der 29jährige, hätten ihn sogar fremde Leute zum Mitfeiern nach Hause eingeladen: "Am Ende waren fast alle besoffen, aber es war auch lustig." Jedenfalls habe er die Deutschen von einer ungewohnten Seite kennengelernt: "Es fängt normal an und hört ohne Hemmungen auf." Von Roland Siegloff

    Letzte Änderung: 13.02.1998 17:56 von aj
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