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Narrensitzungen auf allen Kanälen

Mainz (dpa) - Die Zeiten, als sich Karnevalsfreunde nur auf eine Fernsehübertragung der großen Narrensitzungen freuen durften, gehören der Vergangenheit an. Die traditionelle Sendung "Mainz bleibt Mainz - wie es singt und lacht" am Freitag vor den tollen Tagen ist zwar noch immer unangefochten Nummer eins in der Zuschauergunst. Weit über zehn Millionen Menschen schalten sie jedes Jahr ein und machen sie damit auch zu einer der beliebtesten Unterhaltungsshows zwischen Januar und Dezember. Inzwischen toben auf dem Bildschirm aber allerlei närrische Sitzungen. So geben sich in den Dritten Programmen schon lange vor der eigentlichen Karnevalszeit lokale Büttengrößen ein Stelldichein.

Bundesweite TV-Fastnachtshochburg ist und bleibt Mainz. Zur "Ursendung" am 20. Februar gibt es zwei weitere überregionale Angebote im ZDF am 24. Februar und in SAT 1 am 18. Februar. Über Kabel- und Satellitenempfänger wird zudem bundesweit eine Sitzung aus Mainz-Mombach im Regionalprogramm am 14. Februar ausgestrahlt. Ganz groß im Geschäft ist diesmal das ZDF. Es bestreitet im Wechsel mit dem Südwestfunk in diesem Jahr die Freitagssitzung und sendet zusätzlich am 24. Februar die Sitzung "Raketen frei zur Narretei" von zwei Mainzer Vorortvereinen. Der Traditionsverein "Die Bohnebeitel" steht im Mittelpunkt der Südwest-Regionalsitzung am 14. Februar.

Der Privatsender SAT 1 strahlt seine erste Mainzer Fastnachtssitzung aus. Dieses Unterfangen war im vergangenen Jahr an der Haltung des Mainzer Carneval Vereins (MCV) gescheitert. Die Verantwortlichen dieses mächtigen Urgesteins der Fastnacht in Mainz stellten sich, nach Angaben von SAT 1, stur, als die Fernsehleute darauf bestanden, Büttenreden-Passagen einer Ur-Mainzer-Sitzung ins Hochdeutsche zu übersetzen. Diesmal kam der Privatsender mit vier kleineren Mainzer Vereinen ins Geschäft.

"Quote machen"

Deren Aufgebot an Büttenrednern, Balletten, Gruppen und Sängern ist bei der Sendung "Helau aus Mainz" am 18. Februar zu bewundern. Das heißt, das, was von fünf Aufzeichnungsstunden am 3. Februar in netto 140 Minuten, bei insgesamt sechs Werbepausen zusätzlich, übriggeblieben ist. Regisseur Christoph Westecker (46), der in Berlin das Zusammenschneiden übernommen hat, scheint diese undankbare Aufgabe leid zu tun, denn das Programm sei doch so "super gelaufen" und die Akteure hätten im Saal für eine "tierische Stimmung" gesorgt. Der Fernsehmann: "Ich kann mir nicht vorstellen, daß wir mit diesem Ding keine Quote machen." Nach den Berichten eigener Sitzungsspione habe es beim ZDF bereits "die ersten Krisensitzungen" gegeben.

ZDF entschlossen, nicht zu weichen

Ob die öffentlich-rechtlichen Sender die neue Konkurrenz ernst nehmen müssen, wird der Zuschauer entscheiden. Das ZDF scheint allerdings entschlossen, nicht zu weichen: Seine Sitzungskulissen im Mainzer Schloß baute es nach festem Fahrplan auf und ließ lediglich zu, daß die Kulisse für das vorangehende Spektakel der Privaten am gleichen Ort zwei Meter davor errichtet wurden. Für die traditionelle Freitagssitzung jedenfalls ist ein telegenes Narrenpaket geschnürt, das dem Seher wieder liebgewordene Programmpunkte - vom "Boten aus dem Bundestag" bis zu den "Mainzer Hofsängern" verspricht.

Letzte Änderung: 13.02.1998 16:25 von aj
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