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Tote bei Wahl in Indien

Gewalttätige Zwischenfälle überschatten Parlamentswahl

Neu Delhi (dpa) - Der erste Tag der Parlamentswahl in Indien am Montag war nach einem blutigen Wahlkampf von gewalttätigen Zwischenfällen überschattet. Mindestens 21 Menschen kamen ums Leben. Im östlichen Bundesstaat Bihar wurden bei der Explosion einer Mine und bei Schießereien 18 Menschen getötet. In Assam im Nordosten, im nördlichen Uttar Pradesh und im südindischen Andhra Pradesh kam bei verschiedenen Zwischenfällen jeweils ein Mensch ums Leben. In Bihar und in Assam wurden zudem Wahlurnen gestohlen.

Die Beteiligung an der zweiten Parlamentswahl innerhalb von knapp zwei Jahren wurde am Montag abend auf 55 Prozent geschätzt. Am ersten von sechs Wahltagen waren in der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt 250 Millionen der mehr als 600 Millionen Wahlberechtigten zum Urnengang aufgerufen.

Wahlkommissar Manohar Singh Gill warnte davor, den blutigen Vorfällen ein zu großes Gewicht beizumessen. In einem Land mit fast einer Milliarde Einwohnern müßten Gewalttaten richtig eingeordnet werden, sagte er in Neu Delhi. Unter einem massiven Einsatz von Sicherheitskräften verlief der erste Wahltag nach seiner Einschätzung im großen und ganzen relativ friedlich.

Serie von Sprengstoffanschlägen

Während des Wahlkampfs waren mindestens 150 Menschen getötet worden. Die folgenschwersten Anschläge waren am Samstag in der südindischen Stadt Coimbatore verübt worden. Bei der Serie von Sprengstoffanschlägen kamen nach Polizeiangaben vom Montag mehr als 50 Menschen ums Leben. Am Sonntag war die Polizei noch von 81 Toten ausgegangen.

Wer hinter den Anschlägen in Coimbatore steckt, war am Montag noch unklar. Die Polizei geht davon aus, daß Mitglieder extremistischer Moslemgruppen dafür verantwortlich sind. Die Anschläge in Coimbatore wurden kurz vor der Abschlußkundgebung des Vorsitzenden der nationalistischen Hindupartei BJP, Lal Krishna Advani, verübt.

4.700 Kandidaten von 200 Parteien

Der indische Präsident Kocheril Raman Narayanan wählt in Neu Delhi.

Am Montag wurde über 222 Sitze im Unterhaus entschieden. Insgesamt werden 543 Abgeordnete gewählt, zwei Sitze werden an die Nachfahren indisch-britischer Eltern vergeben. 4.700 Kandidaten von 200 Parteien stellen sich zur Wahl.

Die Wahl wird bis Anfang März beendet sein, bis auf zwei Wahlbezirke, wo am 21. Juni gewählt wird. Aus Sicherheitsgründen findet die Wahl an sechs verschiedenen Tagen statt. Für jedes der rund 900.000 Wahllokale werden mindestens acht Sicherheitsleute und Wahlhelfer abgestellt, die im Land hin und her bewegt werden.

Die Stimmenauszählung beginnt am 2. März. Bis Mitte März soll die neue Regierung gebildet sein. Nach Umfragen wird die Hindu-Partei BJP wieder die meisten Stimmen, aber nicht die absolute Mehrheit erhalten. Bei der vergangenen Wahl war die BJP zusammen mit ihren Partnern stärkste Partei geworden und hatte 193 Sitze erhalten. Ihren Versuch, die Regierung zu stellen, gab sie nach wenigen Tagen auf.

Die Kongreßpartei, die 1996 mit 138 Abgeordneten ins Unterhaus eingezogen war, wird nach den Umfragen zweitstärkste Kraft. Sonia Gandhi, die in Italien geborene Witwe des ermordeten früheren Ministerpräsidenten Rajiv Gandhi, hatte für die Kongreßpartei den Wahlkampf geführt. Die jetzt regierende Minderheitskoalition unter Ministerpräsident Inder Kumar Gujral kommt den Umfragen zufolge auf den dritten Platz. Foto: Reuters

Letzte Änderung: 16.02.1998 17:02 von aj
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