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Experiment Ruhr Devils kläglich gescheitert

"Imageschaden für Basketball"

Konkurs durch blauäugiges Management - Spiele annuliert

Oberhausen (sid) Das Experiment Ruhr Devils ist gescheitert, die Geschichte der Basketball-Bundesliga um ein trauriges Kapitel reicher. Nach dem am Montag beim Amtsgericht Recklinghausen gestellten Konkursantrag beendet der als Nochfolgeverein des TuS Herten in die 10.000 Zuschauer fassende Arena Oberhausen verpflanzte Retortenklub vorzeitig die Saison - ein Novum für die höchste deutsche Spielklasse. Den "Devils" wird noch in dieser Woche die Lizenz entzogen. Damit steht der erste Absteiger fest.

Die verbleibenden Devils-Punktspiele gegen Bonn und Braunschweig sowie in Trier fallen folglich aus. Wolfgang Hilgert, Vizepräsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), befürchtet "einen Imageschaden für unsere Sportart". Hansjörg Tamoj, Vizepräsident und treibende Kraft der unter dem Dach des DBB weitgehend selbständigen Basketball-Bundesliga (BBL), hält den Gang vor Gericht für verfrüht: "Mit einem professionellen Management hätte man den Konkurs abwenden können." Überhaupt sei die Vereinsführung der Ruhr Devils "zu blauäugig für das Geschäft. Ich habe den Eindruck, daß die ehrenamtlichen Kräfte vor allem versuchten, ihre eigene Haut zu retten". Als Auffangbecken für die Jugend- und Amateurteams wurde im Januar ein Verein namens Hertener Löwen gegründet.

Die grundsätzliche BBL-Strategie sieht Tamoj jedoch nicht gefährdet: "Wir wollen mit dem Basketball weiterhin in die Großstädte." Der Bad Honnefer Vorort-Klub Rhöndorfer TV, dessen Präsident Tamoj ist, wird möglicherweise schon zur kommenden Saison in die 20.000-Zuschauer-Arena in Köln umziehen. Mangelnde Professionalität in der Vermarktung ließ in Oberhausen den Versuch scheitern, eine Identifikation zwischen den Fans aus der Kohlenpott-Region und den Ruhr Devils aufzubauen. Angesichts sportlicher Mißerfolge der mittelmäßigen, aber gut bezahlten Mannschaft wurde der angestrebte Schnitt von 3.000 bis 4.000 zahlenden Zuschauern weit verfehlt. Auch Klub-Mäzen Karl Diehl hielt nicht Wort: Der zum 31. Dezember 1997 aus beruflichen Gründen aus dem Amt geschiedene Devils-Präsident hatte mehrfach versichert, für den 2,3-Millionen-Saisonetat gerade zu stehen.

Leverkusen und Trier benachteiligt

Die bevorstehende Annulierung aller Devils-Spiele führt zu einer Wettbewerbsverzerrung, die den deutschen Rekordmeister Bayer Leverkusen wahrscheinlich die Play-off-Teilnahme kosten wird. Bayer feierte zwei jetzt wertlose Siegen über die Devils, der Konkurrenz aus Gießen und Rhöndorf hingegen wird je eine Niederlage erlassen. Leverkusens Manager Otto Reintjes kommentiert die Devils-Pleite dennoch nüchtern: "Wenn wir die Play-offs verpassen, dann dürfen wir nicht darüber jammern, daß uns Punkte abgezogen wurden. Wir hatten genügend Möglichkeiten, aus eigener Kraft den Sprung unter die letzten Acht zu schaffen."

BBL-"Vize" Reintjes hält eine Verschärfung des erst vor dieser Saison eingeführten Lizensierungsverfahrens für notwendig. "Wir müssen vor allem die explodierten Gehälter objektiver durchleuchten. Dazu müßten die Spielerverträge offengelegt werden", fordert Reintjes mehr Transparenz. Betroffen vom Devils-Rückzug ist auch der TVG Trier, der den bereits sicher geglaubten vierten Platz und den Heimrecht-Bonus im Play-off-Viertelfinale jetzt wieder an Rhöndorf verlieren kann. Die Trierer erleiden auch finanzielle Einbußen, da sie als einziger Klub noch ein Heimspiel gegen die Wahl-Oberhausener auszutragen hätten. "Der DBB muß uns aus der 50.000-Mark-Saisonkaution der Devils entschädigen", fordert TVG-Geschäftsführer Martin Hennen. Berthold Mertes

Letzte Änderung: 17.02.1998 16:02 von jp
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