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Halbfinale im DFB-Vereinspokal

Pokal-Gala folgt Kampfansage

 Basler tröstet Balakow. Foto: Reuters
München (sid) Als die Galavorstellung beendet und erstmals nach zwölf Jahren das Finale im DFB-Pokal erreicht war, folgte die Kampfansage von Bayern München an Bundesliga-Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern. "Wir haben noch längst nicht resigniert. Jetzt geht der Kampf erst richtig los", versprach Kapitän Thomas Helmer nach dem beeindruckenden 3:0 (3:0) des deutschen Fußball-Meisters im Halbfinal-Schlager gegen Titelverteidiger VfB Stuttgart.

Auch die Worte von Torwart Oliver Kahn klangen wie ein Schwur: "Wenn du Ehre und Herzblut hast, gehst du raus und fegst die weg. So sind wir diesmal aufgetreten. Jetzt bin ich überzeugt, daß wir die Meisterschaft noch packen können." Zurück blieben frustrierte Schwaben, die immer tiefer in die Krise rutschen und keine Ahnung haben, wie sie den freien Fall aufhalten sollen.

Für die Münchner kam derweil die Partie gegen die desolaten Stuttgarter zum richtigen Zeitpunkt. Nach der 1:2-Pleite bei Hertha BSC Berlin gingen die Bayern mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch und bis in die Haarspitzen motiviert ans Werk. Und binnen elf Minuten schossen sich Dietmar Hamann (14.), Mehmet Scholl (21.) und Michael Tarnat (25.) den Frust von der Bayern-Seele und sorgten für neues Selbstvertrauen im Fernduell um die Meisterschaft. "Wir waren in Berlin am Boden. Ich hoffe, jetzt ist die Moral intakt, damit wir die Aufholjagd starten und Lautern noch abfangen können", sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Auch Bayerns Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge versprühte wieder Optimismus: "Der FC Bayern wäre nicht der FC Bayern, wenn wir die Bundesliga einfach sausen ließen."

Kämpferisch, läuferisch, spielerisch und taktisch waren die Münchner den Schwaben im 116. "Süd-Schlager" in allen Belangen überlegen. In der ersten Hälfte spielten die Bayern die Gäste vor 32.000 Zuschauern regelrecht an die Wand. Vor allem Dauerläufer Hamann und Torjäger Giovane Elber, der nach seinen Kurzauftritten in der brasilianischen Nationalmannschaft beim Gold-Cup in den USA von Beginn an mitwirkte, sprühten nur so vor Ehrgeiz. "Das war unsere beste Saisonleistung", waren sich Rummenigge, Helmer und Scholl denn auch einig.

Löw aschfahl

Während die Münchner am 16. Mai zum zehnten Mal im Pokalfinale stehen und erstmals seit dem 3. Mai 1986 wieder den "Pott" gewinnen können, verabschiedeten sich die Stuttgarter mit einer beschämenden Vorstellung aus dem Wettbewerb. "Ich stehe vor einem Rätsel. Das war grauenhaft. Ich habe gedacht, ich bin im Alptraum", erklärte Torjäger Fredi Bobic (Foto), der wie seine Mitspieler maßlos enttäuschte. Aschfahl im Gesicht drohte VfB-Trainer Joachim Löw personelle Konsequenzen an. Fassungslos gestand Bobic das kollektive Versagen ein und suchte verzweifelt nach Ursachen: "War es Verunsicherung, mangelndes Selbstvertrauen oder Naivität - ich weiß es nicht." Und mühsam um Beherrschung ringend, forderte Ex-Kapitän Thomas Berthold ein Donnerwetter: "Das Trainergespann und der Verein müssen klare Worte finden."

Das Verwirrspiel um Regisseur Krassimir Balakow, der schweigend in den Katakomben des Olympiastadions verschwand, sorgt weiter für Unruhe innerhalb der Mannschaft, die in der Bundesliga auf Platz vier abgerutscht ist, die Meisterschaft abgehakt hat und nach der Winterpause erst einen Punkt erringen konnte. Berthold: "Es ist viel geredet worden. Jetzt müssen endlich Taten auf dem Platz folgen. Die Spieler fordern immer nur. Es muß was kommen, damit das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen wieder stimmt." Während die Bayern weiter auf drei Hochzeiten tanzen, bleibt den Schwaben das Viertelfinale im Europacup. "Wenn wir da ähnlich spielen, haben wir keine Chance", sagte Löw zerknirscht. Derweil grinste Münchens glänzend aufspielender Mittelfeld-Star Scholl vergnügt in die Runde: "Nach dem einen schlechten Spiel in Berlin hat man Häme und Spott über uns ausgeschüttet. Jetzt haben wir allen gezeigt, was wir können..." Jörg Kottmeier; Foto: dpa

Letzte Änderung: 18.02.1998 14:34 von jp
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